• vom 27.07.2018, 12:11 Uhr

Gastkommentare

Update: 01.08.2018, 11:17 Uhr

Gastkommentar

Ausweitung der Grenzzone




  • Artikel
  • Kommentare (5)
  • Lesenswert (10)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Markus Schauta

  • Die EU will Transitzentren für Flüchtlinge einrichten. Aus Sicht nordafrikanischer Staaten ist die Gefahr groß, am Ende mit den Kosten und der Flüchtlingsfrage alleine gelassen zu werden.

Markus Schauta ist freier Journalist, seit 2011 berichtet er aus Kriegs- und Krisengebieten in Nahost.

Markus Schauta ist freier Journalist, seit 2011 berichtet er aus Kriegs- und Krisengebieten in Nahost.© privat Markus Schauta ist freier Journalist, seit 2011 berichtet er aus Kriegs- und Krisengebieten in Nahost.© privat

Am 1. Juli hat Österreich den EU-Ratsvorsitz übernommen. Der Schutz der Außengrenzen steht ganz oben auf der Liste jener Themen, die im kommenden halben Jahr diskutiert werden sollen. Die Strategie, die Österreich und eine Reihe weiterer EU-Staaten vorschlagen: die Auslagerung der Abwicklung von Asylverfahren nach Nordafrika. Sogenannte Transitzentren sollen in Zukunft Anlaufstelle sein für Menschen, die vor Krieg, Verfolgung, Hunger oder Armut aus ihren Heimatländern geflohen sind. In den Zentren können sie offiziell Asyl in der EU beantragen. Je nach Ausgang des Verfahrens reisen sie am Ende in die EU ein oder müssen in ihre Herkunftsländer zurückkehren.

Soweit der Wille der EU.


Doch während sich beim EU-Gipfel im Juni Staats- und Regierungschefs auf Transitzentren in afrikanischen Staaten geeinigt haben, sind eine Reihe von Details weiterhin unklar. Erfahrungsgemäß können Asylverfahren lange dauern, in Österreich bis zu mehreren Jahren. Während dieser Zeit müssen die Menschen in den Zentren versorgt werden. Wer wird für diese Kosten aufkommen? Und was geschieht mit jenen, die einen negativen Asylbescheid erhalten, mangels Rücknahmeabkommen aber nicht in ihre Heimatländer zurückgeschickt werden können? Wird das Transitzentrum ihr neues Zuhause?


© afp/Marwan Naamani © afp/Marwan Naamani

Fragen, die in den bisherigen Beschlüssen ausgeblendet blieben, die aber bedeutsam sind, sieht man sich die Zahlen an: Laut der Internationalen Organisation für Migration (IOM) halten sich alleine in Libyen mehr als 400.000 Migranten auf (Schätzungen gehen bis zu einer Million). Hinzu kommen jene, die in Ägypten, Tunesien, Algerien und Marokko auf die Überfahrt warten. Sollte der Plan der EU aufgehen und auch nur ein Teil dieser Menschen die Registrierung in den Transitzentren dem Risiko der Mittelmeerüberquerung vorziehen, ist das eine logistische Herausforderung. Zumal diese Zentren humanitären und rechtlichen Standards der EU entsprechen sollen.

Nein zu EU-Plänen
Die Zentren könnten sich daher zu riesigen Camps auswachsen, wie sie etwa in Uganda (Bidibidi: 285.000 Menschen), Kenia (Kakuma: 185.000) oder Jordanien (Zaatari: 85.000) bereits existieren. Mit all den Herausforderungen, die das für eine Region beziehungsweise einen Staat mit sich bringt. Regierungen nordafrikanischer Staaten wissen, dass Camps dieser Größe (genauso wie viele kleinere Zentren) nur mit erheblichem finanziellen Aufwand und der Hilfe einer Vielzahl internationaler Organisationen (die von Geldern der internationalen Gemeinschaft abhängig sind) geführt werden können.

weiterlesen auf Seite 2 von 3




5 Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-07-27 12:20:15
Letzte Änderung am 2018-08-01 11:17:20


Werbung



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Rot ist mehr als Anti-Blau
  2. Orbánisierung, nein Danke!
  3. Die Macht der Bilder
  4. Gute Zeit für echte Politiker
  5. Unsere Nachbarn
Meistkommentiert
  1. Die Macht der Bilder
  2. Gute Zeit für echte Politiker
  3. Abgang auf Raten
  4. Rot ist mehr als Anti-Blau
  5. Schwarz-blaue Paradoxie


Werbung