• vom 31.07.2018, 13:22 Uhr

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Update: 31.07.2018, 13:38 Uhr

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Leistung und Gerechtigkeit




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Von Wilfried Altzinger

  • Der Zugang zu Bildung und die Besteuerung von Vermögen spielen beim Thema Chancengleichheit eine wichtige Rolle.

Wilfried Altzinger ist ao. Professor an der Wirtschaftsuniversität Wien, stellvertretender Leiter des Instituts für Makroökonomie und Leiter des Forschungsinstituts "Economics of Inequality" (www.wu.ac.at/ineq).

Wilfried Altzinger ist ao. Professor an der Wirtschaftsuniversität Wien, stellvertretender Leiter des Instituts für Makroökonomie und Leiter des Forschungsinstituts "Economics of Inequality" (www.wu.ac.at/ineq).© Ineq Wilfried Altzinger ist ao. Professor an der Wirtschaftsuniversität Wien, stellvertretender Leiter des Instituts für Makroökonomie und Leiter des Forschungsinstituts "Economics of Inequality" (www.wu.ac.at/ineq).© Ineq

Fragen der Gerechtigkeit beschäftigen Philosophen seit der Antike. Zwei Konzepte stehen dabei im Mittelpunkt: einerseits Chancengleichheit, andererseits Ergebnisgleichheit gemessen in Form von Einkommen, Vermögen, Erfolg, Macht und Prestige. Während die Herstellung von Chancengleichheit generell als gerecht empfunden wird, ist die Frage der Ergebnisgleichheit stark umstritten. Dabei geht es immer um die Frage, ob die Ergebnisse "gerecht" oder "ungerecht" erzielt wurden.

Unter Chancengleichheit versteht man generell, dass die Ergebnisse unabhängig von der familiären und regionalen Herkunft erzielt werden. Artikel 7 der österreichischen Bundesverfassung hält fest: "Alle Staatsbürger sind vor dem Gesetz gleich. Vorrechte der Geburt, des Geschlechtes, des Standes, der Klasse und des Bekenntnisses sind ausgeschlossen." Sei Chancengleichheit gegeben, so wird häufig argumentiert, sei das Ergebnis immer nur Resultat der individuell erbrachten Leistung. Davon wird häufig abgeleitet, dass Maßnahmen zur Gewährleistung der Chancengleichheit alleine bereits genügen, um Gerechtigkeit in der Gesellschaft zu gewährleisten. Diese Argumentation setzt jedoch implizit zumindest zweierlei voraus: einerseits eine strikte Unabhängigkeit von Chancen- und Ergebnisgleichheit; und andererseits eine "gerechte" Entlohnung für die auf unterschiedlichen Märkten erzielten Ergebnisse. Doch ist dem auch so?


Einkommen als Faktor
für Chancengleichheit

Der US-Ökonom Alan Kruger hat 2012 den Zusammenhang von Chancen- und Ergebnisgleichheit in den Mittelpunkt seiner Rede vor dem damaligen US-Präsidenten Barack Obama gestellt. Chancengleichheit wurde dabei gemessen in Form des Zusammenhangs zwischen dem Einkommen der Kinder und jenem ihrer Eltern. Ist dieser Zusammenhang hoch, so bedeutet dies relativ geringe Chancengleichheit und damit eine entsprechend geringe Einkommensmobilität. Hohe Chancengleichheit, gemessen an der Einkommensmobilität, findet sich insbesondere in den nordischen Ländern Schweden, Dänemark, Norwegen und Finnland, die solche Voraussetzungen vor allem durch ein vorbildhaftes Schul- und insbesondere Vorschulsystem gewährleisten.

Gleicher und unentgeltlicher Zugang zu Bildung ist einer der zentralen Punkte zur Herstellung von Chancengleichheit. Hier hat der öffentliche Sektor mit seinen bildungspolitischen Einrichtungen großes Gestaltungspotenzial. Ergebnisungleichheit wurde in dieser Untersuchung - wie zumeist - gemessen in Form von Einkommensungleichheit der vorhergehenden Generation. Die Studie zeigte dabei einen klaren Zusammenhang: Je höher die Einkommensungleichheit der Elterngeneration, desto stärker war auch die Abhängigkeit der Einkommen der Kinder von jenem der Eltern und entsprechend geringer die Einkommensmobilität. Kruger zeigte mit seiner Studie somit sehr eindrucksvoll, dass die Einkommens(un-)gleichheit von heute die Chancen(un-)gleichheit der kommenden Generation bestimmt.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-07-31 13:32:17
Letzte Änderung am 2018-07-31 13:38:16


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