• vom 03.08.2018, 12:16 Uhr

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Freiheit braucht Fairness




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Von Christopher Gohl

  • Gerechtigkeit dient der Freiheit: Eine Gesellschaft freier Menschen ist eine gerechte Gesellschaft.


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Das Gefühl für Gerechtigkeit und ihre Verletzung bewegt Menschen und Gesellschaften - auch uns Liberale. Aber wir halten sie nicht für das wichtigste aller Anliegen; denn das ist die Freiheit der Einzelnen, ihr eigenes Leben nach eigenen Vorstellungen leben zu können. Gerechtigkeit dient der Freiheit: Eine Gesellschaft freier Menschen ist eine gerechte Gesellschaft. Die Freiheit der Einzelnen ist zugleich die Grundlage wie der Maßstab für gerechte Verhältnisse in der Republik.

Gerechtigkeit hat viele Formen, deren gemeinsamer Nenner ihr Beitrag zur Freiheit der Einzelnen ist: Bedürfnisgerechtigkeit heißt, existenziellen Bedürfnissen des Einzelnen zu entsprechen und eine Grundlage für Freiheitsfähigkeit zu schaffen. Gleichheit vor dem Gesetz heißt, allen Menschen gleiche Rechte zu geben und damit die Freiheit der Einzelnen zu schützen. Leistungsgerechtigkeit heißt, individuelle Anstrengung zu würdigen. Generationengerechtigkeit heißt Sorge um die Freiheiten kommender Generationen. Und Chancengerechtigkeit meint das Vermögen, zwischen guten Optionen für ein gutes Leben selbst entscheiden zu können. Wir brauchen all diese Formen der Gerechtigkeit, denn keine einzelne Gerechtigkeitsvorstellung allein wird einer liberalen Gesellschaft gerecht. In welchem Maße welche Freiheiten besonders zu fördern sind, damit wir in einer gerechten, weil für jeden Menschen freien Gesellschaft leben, muss Gegenstand der offenen Auseinandersetzung sein. Dafür wird die Freiheit zum unverzichtbaren Fundament - hier konkret zum Beispiel die Pressefreiheit der "Wiener Zeitung", die uns ermöglicht, über alle politischen Lager hinweg überhaupt unterschiedliche Wahrnehmungen und Vorschläge zur Konkretisierung von Gerechtigkeit zu diskutieren. Was wir immer wieder neu tun müssen, denn die Erfordernisse der Gerechtigkeit ändern sich, wie sich die Gesellschaft ändert.


Armut, Krankheit oder Abhängigkeit machen unfrei

Christopher Gohl ist Mitglied der FDP, forscht am Weltethos-Institut an der Uni Tübingen zu Fragen weltbürgerlicher Werte und Prinzipien. 2011 bis 2012 war er Leiter der Abteilung Politische Planung, Programm und Analyse in der FDP-Zentrale. Er gehört zu den Mitverfassern des aktuellen Grundsatzprogramms der liberalen Partei.

Christopher Gohl ist Mitglied der FDP, forscht am Weltethos-Institut an der Uni Tübingen zu Fragen weltbürgerlicher Werte und Prinzipien. 2011 bis 2012 war er Leiter der Abteilung Politische Planung, Programm und Analyse in der FDP-Zentrale. Er gehört zu den Mitverfassern des aktuellen Grundsatzprogramms der liberalen Partei.© christopher-gohl.com Christopher Gohl ist Mitglied der FDP, forscht am Weltethos-Institut an der Uni Tübingen zu Fragen weltbürgerlicher Werte und Prinzipien. 2011 bis 2012 war er Leiter der Abteilung Politische Planung, Programm und Analyse in der FDP-Zentrale. Er gehört zu den Mitverfassern des aktuellen Grundsatzprogramms der liberalen Partei.© christopher-gohl.com

Für uns Liberale ist Gerechtigkeitspolitik also besser verstanden als Freiheitspolitik. Jeder Versuch, Gerechtigkeit nur an die Sozialpolitiker zu delegieren, oder auf eine bestimmte Anzahl Euro, ein Sozialbudget, einen neidgetriebenen Vergleich von Beiträgen zu reduzieren, springt zu kurz. Klar: Armut, Krankheit oder Abhängigkeit, nicht nur im Alter, vernichten Lebenschancen und machen unfrei. Es ist das oberste Gebot der Freiheitspolitik, diese Unfreiheiten hartnäckig und mit Augenmaß für gesamtheitlich wirksame Lösungen zu bekämpfen. Und das heißt, der Armut an Lebenschancen eine Fülle an Lebenschancen entgegenzustellen.

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Dokument erstellt am 2018-08-03 12:26:24


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