• vom 17.08.2018, 14:50 Uhr

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Update: 17.08.2018, 15:33 Uhr

Gastkommentar

Fantasma eines Vor-Bürgerkriegs - Gefahr aus der Idylle?




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Von Hans Högl

  • In Massenmedien findet die dörfliche Welt kein sachgemäßes Echo.

Die ländliche Welt (Bild: Bad Mitterndorf) ist vielschichtiger, als manche Städter glauben. - © CC/Martin Geisler

Die ländliche Welt (Bild: Bad Mitterndorf) ist vielschichtiger, als manche Städter glauben. © CC/Martin Geisler

Das Landleben hat sich strukturell gewandelt, die mitmenschliche Dorfidylle hat Brüche, die wenigen Bauern sind mehr und mehr Großlandwirte. Einer sagte mir, die derzeitigen Methoden der Landwirtschaft seien auf Dauer fragwürdig. Pendler nehmen enorme Strapazen auf sich. In ländlichen Gemeinden ist nicht alles eitle Wonne: So hat nicht nur der Marktflecken Asperhofen (NÖ) keinen Bankomat. Und es besteht naturgemäß eine enorme Disparität in den kulturellen Angeboten in der Großstadt und auf dem Land. Im Sommer findet ein gewisser Ausgleich statt.

Ich schicke dies in Kulanz für die Verfasserin der Kolumne "Idylle mit Pumpgun" in der "Wiener Zeitung" vom 4. August voraus. In 15 Fallstudien quer durch Österreichs Gemeinden und dörfliche Welt erfuhr ich, dass der ländliche Raum bunt und werteplural ist. Das Mit- und Gegeneinander in Tourismusorten findet sich in meinem Buch "Bin kein Tourist, ich wohne hier. Dörfer im Stress", das Regionalmedien wegen etwas Sozial- und Kulturkritik nicht aufgegriffen haben.

Information

Zur Person:

Hans Högl ist Medien- und Bildungssoziologe, emeritierter Hochschulprofessor und Vizepräsident der "Vereinigung für Medienkultur" sowie aktiv im "Bündnis für Gemeinnützigkeit".


In Massenmedien findet diese Welt kein sachgemäßes Echo: Das Fernsehen zeigt ländliche Feiertagsidylle oder beschämende Shows. Wann wurden Filme gesendet, damit Menschen sich in der multikulturellen Welt zurechtfinden? Romane handeln von der vorindustriellen oder einer nicht mehr existierenden bäuerlichen Welt der 1950er Jahre. Meist sind sie eindimensional kritisch. Positiva sind ideologieverdächtig. Für Robert Misik ist das Wort Heimat "toxisch", wie er in der "Zeit" schrieb. Und Soziologen wählen meist andere Themen. Barbara Coudenhove-Kalergi lernte bei der Präsentation ihres Buches "Zuhause ist überall" großartige und tüchtige Menschen im ländlichen Raum und in Kleinstädten kennen und meinte, dies sei ein wichtiger Grund, warum es um Österreich doch so gut stehe. Und wer das Glück hat, am Ortsrand im alpinen Gebiet Urlaub zu machen, schätzt die ihn umgebende Stille - in Kontrast zur überbordenden Reklame in der Großstadt und in Verkehrsmitteln.

Die Kolumnistin führte ein Gespräch in der "tiefen Provinz" (schon dies ist ein Wort mit negativer Konnotation). Sie kam "etwa" mit einem Handwerker ins Gespräch, der ein not-wendendes Hobby fand: Schießen mit der Pumpgun. Und warum das? Der junge Mann kam gleich auf das "Gesindel", die Ausländer, zu sprechen, auf lebensgefährliche Schießereien in Wien. Der Bursch ist kein zorniger Globalisierungsverlierer, vielmehr Durchschnittstyp mit fixer Anstellung (also einer von vielen).

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Dokument erstellt am 2018-08-17 14:59:39
Letzte Änderung am 2018-08-17 15:33:00


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