• vom 20.08.2018, 16:07 Uhr

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Muslimische Transformationsreise




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Von Kristiane Backer

  • Die zeitlosen Riten des Hadsch haben begonnen, während sich Saudi-Arabien wandelt.

Am Tag von Arafat bitten gläubige Muslime Gott um Vergebung. - © ap/Dar Yasin

Am Tag von Arafat bitten gläubige Muslime Gott um Vergebung. © ap/Dar Yasin

Kristiane Backer ist Autorin und gehörte in den 1990ern zur ersten Generation des damals nur englischsprachigen TV-Senders MTV Europe, moderierte "Bravo TV" auf RTL 2 und danach eine tägliche Kultursendung auf NBC Europe. Heute arbeitet sie als Kunst-Consultant in London. 1995 konvertierte sie zum Islam, bis dahin war sie mehrere Jahre mit dem pakistanischen Cricket-Spieler und heutigen Premierminister Imran Khan liiert. (Buchtipp: "Von MTV nach Mekka", Verlag List).

Kristiane Backer ist Autorin und gehörte in den 1990ern zur ersten Generation des damals nur englischsprachigen TV-Senders MTV Europe, moderierte "Bravo TV" auf RTL 2 und danach eine tägliche Kultursendung auf NBC Europe. Heute arbeitet sie als Kunst-Consultant in London. 1995 konvertierte sie zum Islam, bis dahin war sie mehrere Jahre mit dem pakistanischen Cricket-Spieler und heutigen Premierminister Imran Khan liiert. (Buchtipp: "Von MTV nach Mekka", Verlag List).© privat Kristiane Backer ist Autorin und gehörte in den 1990ern zur ersten Generation des damals nur englischsprachigen TV-Senders MTV Europe, moderierte "Bravo TV" auf RTL 2 und danach eine tägliche Kultursendung auf NBC Europe. Heute arbeitet sie als Kunst-Consultant in London. 1995 konvertierte sie zum Islam, bis dahin war sie mehrere Jahre mit dem pakistanischen Cricket-Spieler und heutigen Premierminister Imran Khan liiert. (Buchtipp: "Von MTV nach Mekka", Verlag List).© privat

Für viele Nichtmuslime ist der Hadsch eine mysteriöse Massenwallfahrt: Einmal im Jahr umkreisen Millionen Muslime gegen den Uhrzeigersinn einen dunklen Kubus am Rand der saudischen Wüste, wohnen in einem Meer aus weißen Zelten und steinigen symbolisch den Teufel. Für Muslime aber ist der Hadsch die Reise ihres Lebens. Er ist neben Gebet, Glaubensbekenntnis, der Almosengabe und dem Fasten im Ramadan eine der fünf Säulen des Islam. Jeder Muslim, der dazu finanziell und gesundheitlich in der Lage ist, muss einmal in seinem Leben auf Hadsch gehen und eine Reihe von Ritualen auf den Spuren Abrahams durchführen, einschließlich der Umrundung der Kaaba - eines Granitgebäudes, das die heiligste Stätte des Islam ist, das "Haus Gottes". Muslime glauben, dass die Kaaba ursprünglich vor tausenden von Jahren von Adam als ein Haus der Anbetung errichtet und nach ihrer Zerstörung vom Propheten Abraham und seinem Sohn Ismael wiederaufgebaut wurde.

Saudi-Arabien verwaltet nicht nur eine, sondern zwei heilige Stätten des Islam: den Haram Sharif in Mekka mit der Kaaba in seiner Mitte sowie das 430 Kilometer nördlich von Mekka gelegene Medina mit der Großen Moschee, die die letzte Ruhestätte des Propheten Mohammed beherbergt. Die drittheiligste Stätte der Muslime ist die Al-Aqsa-Moschee in Jerusalem.


Vergeben, allen Groll loslassen
Im Arabischen bedeutet das Wort Hadsch "eine Reise beabsichtigen". Aber das ist der Bedeutung nicht angemessen und auch irreführend, denn der Hadsch ist nicht nur eine physische Odyssee und eine Reise direkt zum Herzen des Islam, sondern auch eine Reise zur inneren Transformation: Die Absicht, das Vertrauen und den Gehorsam gegenüber Gott zu stärken und sich an Abraham zu erinnern, der von Gott aufgefordert wurde, seinen Sohn zu töten, und bereit war, Gottes Gebot zu folgen. Hadsch ist die Absicht, zu vergeben und allen Groll loszulassen und Gott um Vergebung am Tag von Arafat zu bitten, wenn mehr als zwei Millionen Pilger vor ihren Zelten stehen und gemeinsam beten. Hadsch ist die starke Entschlossenheit, sich von negativen Einflüssen und Versuchungen zu befreien, indem kleine Kieselsteine auf Steinsäulen geworfen werden, die den Teufel symbolisieren. Letztlich ist der Hadsch die aufrichtige Absicht des Pilgers, sein Herz, die innere Kaaba, zu reinigen, sich Gott zu nähern und neu anzufangen.

All dies ist sicherlich das, was ich mit meiner Teilnahme am diesjährigen Hadsch zu erreichen hoffe. Aber mein Hauptanliegen für die Pilgerfahrt vom 19. bis zum 24. August ist, dass ich meinem lieben Freund und Lehrer, dem Autor und Gelehrten des Islam, Gai Eaton, versprochen habe, die Pilgerfahrt an seiner statt durchzuführen. Er, der mich so viel gelehrt hat, ist leider gestorben, ohne diese Säule des Islam vollendet zu haben. Möge Gott meinen Hadsch für ihn annehmen. Gai Eaton schrieb wundervolle Bücher wie "Islam und das Schicksal des Menschen", "Erinnern an Gott" und "König der Burg", die mich auf meiner eigenen Reise zum Islam tief beeinflusst und inspiriert haben.

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Dokument erstellt am 2018-08-20 16:17:46


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