• vom 27.08.2018, 13:18 Uhr

Gastkommentare


Gastkommentar

Wo bleibt die Bürgerebene?




  • Artikel
  • Kommentare (1)
  • Lesenswert (5)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Ernst Smole


    Ernst Smole ist Musikerzieher, Dirigent und Unternehmer im Bildungs- und Tourismusbereich. Er war Berater mehrerer Unterrichtsminister und koordiniert die Arbeit eines rund 50-köpfigen multidisziplinären Teams am "Unterrichts:Sozial:Arbeits- und Strukturplan für Österreich 2015 - 2030" (www.ifkbw-nhf.at).

    Ernst Smole ist Musikerzieher, Dirigent und Unternehmer im Bildungs- und Tourismusbereich. Er war Berater mehrerer Unterrichtsminister und koordiniert die Arbeit eines rund 50-köpfigen multidisziplinären Teams am "Unterrichts:Sozial:Arbeits- und Strukturplan für Österreich 2015 - 2030" (www.ifkbw-nhf.at).© privat Ernst Smole ist Musikerzieher, Dirigent und Unternehmer im Bildungs- und Tourismusbereich. Er war Berater mehrerer Unterrichtsminister und koordiniert die Arbeit eines rund 50-köpfigen multidisziplinären Teams am "Unterrichts:Sozial:Arbeits- und Strukturplan für Österreich 2015 - 2030" (www.ifkbw-nhf.at).© privat

    Eine Föderalismusdebatte ohne die Bürgerebene, die Gemeinden, ist wie ein Auto ohne Räder - es bewegt sich nichts. Die "Entstörung" des Schulverwaltungsföderalismus könnte ein Testlauf für weitere Reformen des Föderalismus sein. Den Gemeinden - also der Bürgerebene - kommt künftig eine zentrale Rolle zu.

    "Wir als Gemeinde hätten diese Entscheidung innerhalb von drei Wochen getroffen." Der Bürgermeister einer Kleinstadt, Architekt im Hauptberuf, ist nicht für starke Worte, aber für eine bürgernahe und zielgerichtete Amtsführung bekannt. Bei besagter Entscheidung ging um die Direktion des örtlichen Bundesgymnasiums. Es gab zwei schuleigene, ident qualifizierte Bewerber, eine Frau und einen Mann. Das Berufungsverfahren dauerte in Summe sieben (!) Jahre. Der föderale Irrgarten wurde in dieser langen Zeit mehrfach hinauf bis zum Bundespräsidenten und wieder hinunter durchdekliniert. Nach dem Zustand der Schule nach diesen vielen Jahren ohne offizielle Leitung und den Folgen für den Lernerfolg der Kinder braucht wohl nicht gefragt zu werden.


    © WZ-Illustration © WZ-Illustration

    Der bildungsaffine Bürgermeister einer Dorfgemeinde erzählt eine andere Geschichte: "Dieses Hearing für die Leitung unserer Volksschule werde ich nie vergessen. Der durchführungsbeauftragte Beamte des Landesschulrates hatte mir vorab mitgeteilt, dass ich beim Hearing nichts zu suchen hätte. Gnadenhalber durfte ich dann doch als stummer Zuhörer auf der Eselsbank Platz nehmen. Ausgewählt wurde ein Bewerber, der bei seiner Amtseinführung fröhlich bekannte, dass er noch nie mit dem PC gearbeitet habe und dies auch in Zukunft nicht zu tun gedenke - er forderte eine vollbeschäftigte Schulsekretärin, dies natürlich auf Gemeindekosten. Eine solche skurrile Personalauswahl durch Gemeindegremien wäre undenkbar!"


    Zufrieden mit der Kommune
    Gemeinden erheben periodisch die Zufriedenheit der Bürger mit den örtlichen Serviceleistungen. Die Ergebnisse zeigen einen einheitlichen Trend. Maximale Zufriedenheit herrscht mit jenen Leistungen, die die Gemeinden eigenständig in kontrollierter Autonomie erbringen: Trinkwasserversorgung, Müllabfuhr, Schwimmbad, die unaufgeregt funktionierende kommunale Musikschule. Die Bürgermeister sind bundesweit die Spitzenreiter in der Akzeptanz der Politiker, es folgen die Landeshauptleute, abgeschlagen die Akteure der Bundes- und Europapolitik.

    Die größte Unzufriedenheit verursachen dagegen jene Leistungen, die den multiföderalen Irrgarten - Bund, Land, Gemeinde, Sozial- und andere Partner - durchlaufen. Hier dominiert die Schule das Negativ-Ranking, allen Problemen voran die schulische Nachmittagsbetreuung, die den Gemeinden von der Bundesbildungspolitik aufoktroyiert wurde, ohne die nötigen Personalressourcen zur Verfügung zu stellen. Im Kindergartenbereich liegen die Probleme ähnlich.

    weiterlesen auf Seite 2 von 3




    1 Leserkommentar




    Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


    captcha Absenden

    * Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



    Dokumenten Information
    Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
    Dokument erstellt am 2018-08-27 13:26:50


    Werbung



    Beliebte Inhalte

    Meistgelesen
    1. Salzburger Brexit-Harmonie
    2. Abgang auf Raten
    3. Was übersehen wird
    4. Das Erbe der großen Krise
    5. Kümmern statt kämpfen
    Meistkommentiert
    1. Kümmern statt kämpfen
    2. Gute Zeit für echte Politiker
    3. Das Erbe der großen Krise
    4. Anklage gegen Orbanistan
    5. Abgang auf Raten


    Werbung