• vom 28.08.2018, 14:24 Uhr

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Ist Inflation gut oder böse?




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Von Christian Nemeth

  • Zentralbanken und ihre Zinspolitik.

Christian Nemeth ist Chief Investment Officer und Vorstandsmitglied der Zürcher Kantonalbank Österreich AG, ein auf Private Banking in Österreich und Süddeutschland spezialisiertes Institut.

Christian Nemeth ist Chief Investment Officer und Vorstandsmitglied der Zürcher Kantonalbank Österreich AG, ein auf Private Banking in Österreich und Süddeutschland spezialisiertes Institut.© Klimpt Christian Nemeth ist Chief Investment Officer und Vorstandsmitglied der Zürcher Kantonalbank Österreich AG, ein auf Private Banking in Österreich und Süddeutschland spezialisiertes Institut.© Klimpt

Anstatt die Inflation in Schach zu halten, ringen viele Zentralbanken seit der Finanzkrise mit einer zu tiefen Inflation. Gerade in einem solchen Umfeld kann sich eine höhere Inflationsdynamik kurzfristig positiv auf den Wert einer Währung auswirken. Langfristig verlieren jedoch Währungen mit hohen Inflationsraten an Wert.

Inflation beschreibt prinzipiell den Kaufkraftverlust, von dem eine Währung über die Zeit betroffen ist. Sie ist das Gegenteil von Deflation, des anhaltenden Rückgangs der Preise. Für Zentralbanken käme eine Deflation einem Horrorszenario gleich, weil Firmen und Unternehmen ihre Nachfrage in die Zukunft verschieben. Das hätte zur Folge, dass das Wirtschaftswachstum massiv gehemmt würde. Außerdem stiege bei einem sinkenden Preisniveau der Realwert der Staatsschulden an, was deren Bedienung erschweren würde. Insbesondere hochverschuldete Staaten kommen in so einer Situation rasch unter Druck.



Während in der Vergangenheit häufig zu hohe Inflationsraten im Fokus standen, kämpfen seit der Finanzkrise viele Zentralbanken mit einer zu geringen Inflation. Um die Inflation in den gewünschten Bereich von rund zwei Prozent zu bringen, haben die wichtigsten Zentralbanken das Finanzsystem seit 2008 mit Geld geflutet. Insgesamt haben die Fed, die EZB, die Bank of Japan sowie die Bank of England mit Wertpapierkäufen in der Höhe von mehr als elf Billionen US-Dollar ihre Bilanzsummen fast vervierfacht.


Während die Fed ihr Ziel der langfristigen Verankerung der Inflationsrate um die Zwei-Prozent-Marke nachhaltig erreicht haben dürfte, ist die EZB noch ein Stück weit davon entfernt und hat sich noch immer nicht von ihrer ultraexpansiven Geldpolitik verabschiedet. Zwar möchte sie ihr Anleihekaufprogramm mit Ende 2018 stoppen, mit einer Erhöhung der Leitzinsen ist aber nicht vor dem Sommer 2019 zu rechnen.

In einem Umfeld, in dem die Inflationsraten tendenziell eher zu niedrig als zu hoch sind, gewinnen Währungen an Wert, wenn die Raten die Erwartungen übertreffen. Eine höhere Inflationsrate wird in diesem Umfeld als Anzeichen anziehender Wirtschaft interpretiert. In so einem positiven Szenario haben Investitionen bessere Erfolgschancen, was wiederum die Währung attraktiver macht.

Höhere Zinsen steigern den Wert der Währung
Steigt die Teuerung in Richtung des Inflationsziels, reagieren Notenbanken meist mit einer Zinserhöhung. Höhere Zinsen machen die Währung wiederum attraktiver für Anleger, wodurch ihr Wert steigt. In den vergangenen Wochen war diese Entwicklung sehr schön auch beim US-Dollar zu beobachten. Ein Umfeld mit starkem Wirtschaftswachstum, anziehenden Inflationsraten und steigenden Leitzinsen hat den Wert des US-Dollars gegenüber dem Euro seit März von 1,24 auf 1,16 ansteigen lassen.

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Dokument erstellt am 2018-08-28 14:32:51


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