• vom 29.08.2018, 12:15 Uhr

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Das KH Nord ist nicht zu groß




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Von Herwig Ostermann

  • Die für das neue Spital kalkulierte Einwohnerzahl Wiens ist längst überschritten worden.

Das KH Nord soll in einem Jahr in Vollbetrieb gehen. - © apa/Techt

Das KH Nord soll in einem Jahr in Vollbetrieb gehen. © apa/Techt

Herwig Ostermann ist Gesundheitsökonom und Geschäftsführer des nationalen Forschungs- und Planungsinstitutes Gesundheit Österreich GmbH (GÖG).

Herwig Ostermann ist Gesundheitsökonom und Geschäftsführer des nationalen Forschungs- und Planungsinstitutes Gesundheit Österreich GmbH (GÖG).© R. Ettl Herwig Ostermann ist Gesundheitsökonom und Geschäftsführer des nationalen Forschungs- und Planungsinstitutes Gesundheit Österreich GmbH (GÖG).© R. Ettl

Der Mediziner, Publizist und Politikberater Ernest Pichlbauer klagte in seinem Gastkommentar vom 23. August, das Wiener Krankenhaus Nord sei zu groß geplant worden. Er rechnete vor, im Jahr 2020 würden mehr als 300 Betten leer stehen. Diese Sorge kann ihm genommen werden, die Fakten geben Anlass für andere Prognosen.

Wien ist in den vergangenen Jahren stark gewachsen und wird weiter wachsen. Als man zu Beginn der 2000er Jahre die künftige Versorgung plante, ging man von 1,75 Millionen Einwohnern im Jahr 2019 aus - diese Annahme wurde bereits 2013 übertroffen. Besonders stark wuchs die Bevölkerung in den Siedlungsgebieten nördlich der Donau, im 21. und 22. Bezirk. Um die dortige Gesundheitsversorgung sicherzustellen, war allen Planern klar, dass hier ein neues Krankenhaus erforderlich sei. Gleichzeitig war aber auch klar, dass Leistungen, Abteilungen und Betten aus anderen Spitälern verlagert werden sollten. So sollten das Krankenhaus Floridsdorf, das orthopädische Krankenhaus Gersthof und die Semmelweis Frauenklinik zur Gänze darin aufgehen. Weiters sollte das KH Nord auch zum Referenzzentrum für Herz-, Thorax- und Gefäßchirurgie sowie Kardiologie werden. Einzig für den bisher unterversorgten Bereich der Kinder- und Jugendpsychiatrie sind zusätzliche stationäre Kapazitäten vorgesehen.


Betten werden nur verlagert
Seit den ersten Planungsschritten ist die Gesamtzahl der Spitalsbetten in Wien dank der Verlagerung von Leistungen in den ambulanten und tagesklinischen Bereich von 11.073 auf 9551 gesunken. Diese Zahl wird auch bei Inbetriebnahme des KH Nord nicht wesentlich ansteigen, da ja der größte Teil der Kapazitäten aus Verlagerungen gespeist wird. Die Bettendichte beträgt in Wien im Durchschnitt 5,2 pro 1000 Einwohner, im 21. und 22. Bezirk sind es derzeit 3,4. Für eine rasche und gute Versorgung aller Wiener - und Gastpatienten aus dem Umland in Niederösterreich und dem Burgenland - ist das KH Nord unverzichtbar.

Pichlbauer behauptet, im KH Nord seien in einigen Fachgebieten zu viele und in anderen zu wenige Betten geplant worden. Das mag aus heutiger Sicht stimmen. Faktum ist, dass der künftige Bedarf von vielen Faktoren abhängt: etwa vom weiteren Bevölkerungswachstum, von der Geburtenzahl, vom Bedarf an geriatrischen Leistungen und der Demografie in der Umgebung. So ist die Donau bekanntermaßen kein unüberwindbares Hindernis, und das KH Nord steht auch Wienern aus anderen Wohnbezirken offen und wird im Rahmen der Schwerpunktsetzungen auch die anderen Regionen mitversorgen.

Der Neubau erlaubt eine fächerübergreifende Belegung, die eine gleichmäßige und effiziente Auslastung aller Stationen ermöglicht. Auch der weitere Ausbau der tagesklinischen und ambulanten Leistungen braucht Platz. Schlimmer wäre es wohl, ein neues Spital zu bauen, das in kurzer Zeit aus allen Nähten platzt.

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Dokument erstellt am 2018-08-29 12:23:56


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