• vom 07.09.2018, 10:00 Uhr

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Die Filmbranche als mahnendes Beispiel




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Von Fabian Eder

  • Alle diskutieren den 12-Stunden-Tag - wir kennen ihn.

Fabian Eder ist Regisseur, Autor und Filmproduzent. Er ist Vorstandsvorsitzender der Verwertungsgesellschaft der Filmschaffenden und Obmann des Dachverbandes der österreichischen Filmschaffenden.

Fabian Eder ist Regisseur, Autor und Filmproduzent. Er ist Vorstandsvorsitzender der Verwertungsgesellschaft der Filmschaffenden und Obmann des Dachverbandes der österreichischen Filmschaffenden.© privat Fabian Eder ist Regisseur, Autor und Filmproduzent. Er ist Vorstandsvorsitzender der Verwertungsgesellschaft der Filmschaffenden und Obmann des Dachverbandes der österreichischen Filmschaffenden.© privat

Film ist ohne flexible Arbeitszeit nicht möglich. Wer zum Film geht, entscheidet sich für Flexibilität. Die meisten von uns wollen auf diese Flexibilität nicht verzichten, sie wollen aber auch nicht dafür bestraft werden. In unserer Branche wurden in den vergangenen Jahrzehnten gravierende Fehler gemacht, nicht absichtlich, sondern aus Mangel an Erfahrung, vielleicht auch aus Leichtsinn. Fehler, die nicht wiederholt werden müssen.

1.Die Ausnahme
wird die Regel


Anfang der 1980er Jahre haben die Sozialpartner Regeln für flexible Arbeitszeiten im Kollektivvertrag für Filmschaffende festgeschrieben. Neben der 40-Stunden-
Woche (5 x 8 Stunden) kann eine 60-Stunden-Woche angesetzt werden (von Freiwilligkeit keine Rede), in der die Arbeitszeit vom Produzenten zwischen Montag und Samstag in 5 x 12 oder 6 x 10 Stunden aufgeteilt werden kann. Was als Ausnahme gedacht war, wurde zur Regel. Dass bei dieser 60-Stunden-Woche die 41. bis zur 60. Arbeitsstunde um rund 25 Prozent geringer bezahlt wird als die ersten 40 Stunden, ist absonderlich. In einem harten internationalen Wettbewerb kann es sich aber längst kein Produzent mehr leisten, verbilligte Arbeitszeit herzuschenken. Zu glauben, dass ein Arbeitnehmer in koordinierten Herstellungsprozessen frei über seine Arbeitszeit entscheiden könne, ist, mit Verlaub, kindisch.

2.Heute arbeiten, morgen
frei, ein - Irrtum

Dauerhaft kann kein Unternehmer einen Angestellten zwei Wochen lang bezahlen (und versichern), wenn dieser nur eine Woche arbeitet. Die zur Regel gewordene 60-Stunden-Woche hat eine deutliche Verkürzung der Produktionszeiträume bewirkt. Was früher in 30 bis 36 Tagen gedreht wurde, wird heute in 20 bis 22 Tagen erledigt. Dass die reale Arbeitszeit auch einmal bei 80 Stunden pro Woche liegt, kümmert mittlerweile keinen. Die gesundheitlichen Auswirkungen haben wir dabei noch gar nicht erhoben - viele Kollegen bei Serienproduktionen arbeiten sieben Monate und mehr am Stück unter diesen Bedingungen.

3.Arbeitszeit ist nicht
Versicherungszeit

Ansprüche, insbesondere für Pensions- und Arbeitslosenversicherung, generieren sich aus Versicherungszeiten, allerdings wird der Versicherungszeitraum nicht in Stunden berechnet, sondern in Tagen. Ein 12-Stunden-Tag zählt in der Sozialversicherung gleich viel wie ein 8-Stunden-Tag. Erst heute erkennen wir das Problem der Altersarmut, weil viele nicht ausreichend lange Versicherungszeiten erwerben konnten. Die kolportierten Änderungsvorhaben der Regierung bei Arbeitslosengeld und Notstandshilfe wären die Quadratur des Übels - was bei rund 5000 Filmschaffenden nicht ins Gewicht fällt, aber wenn das in einigen Jahren auf hunderttausende Arbeitnehmer zutrifft, stehen unsere Kinder vor einem gewaltigen Problem.

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Dokument erstellt am 2018-09-07 17:24:04


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