• vom 11.09.2018, 07:00 Uhr

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Update: 18.09.2018, 17:57 Uhr

Gastkommentar

Zehn Jahre Finanzkrise - Sein oder Haben?




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Von Raimund Dietz

  • Die Folgen eines riskanten Vermögensspiels.

Raimund Dietz ist Ökonom, Geldphilosoph und Gründer der Monetative Austria (Buchtipp: "Geld und Schuld - eine ökonomische Theorie der Gesellschaft", Metropolis-Verlag).

Raimund Dietz ist Ökonom, Geldphilosoph und Gründer der Monetative Austria (Buchtipp: "Geld und Schuld - eine ökonomische Theorie der Gesellschaft", Metropolis-Verlag).© privat Raimund Dietz ist Ökonom, Geldphilosoph und Gründer der Monetative Austria (Buchtipp: "Geld und Schuld - eine ökonomische Theorie der Gesellschaft", Metropolis-Verlag).© privat

Wirtschaften findet in einem Spannungsverhältnis zwischen Real- und Finanzwirtschaft statt, man könnte mit Erich Fromm auch sagen: zwischen Sein und Haben. Um zu sein, muss man immer auch etwas haben: Ausrüstungen, Infrastruktur, Wissen, soziale Kompetenz, usw. Das alles muss eine Wirtschaft akkumuliert haben, bevor sie produzieren und konsumieren kann. Wo aber zu viel akkumuliert wurde und nur noch um des Habens willen gewirtschaftet wird, verliert man das Sein.

In eine solche Situation geriet die Wirtschaft in fast allen entwickelten Ländern schon Ende des vorigen Jahrhunderts. 2008 brach die Krise nach der Lehman-Pleite aus. Es hätte aber auch schon Jahre davor geschehen können. Die Energie der Masse der Teilnehmer war vor allem darauf gerichtet, Forderungen und Ansprüche an andere zu erwerben, um mit ihnen dann auf den Vermögensmärkten geschickt zu jonglieren. Diese anderen haben sich aber - spiegelbildlich dazu - entsprechend hoch verschuldet.


In der Realwirtschaft gibt es eine Menge von "Checks and Balances", die ein Ausufern der Spekulation eingrenzen. Wird eine Ware teurer, sinkt die Nachfrage. In der Finanzwirtschaft trifft aber meist das Gegenteil zu, sie neigt daher zur Hypertrophie: Wenn etwas teurer wird, kauft man erst recht. Unsittlich hohe Boni tun das Ihre dazu: Sie verleiten Banker, extrem hohe Risiken zu nehmen. Hinzu kommt das Gefühl: Wir sind zu wichtig; falls etwas schiefgeht, wird man uns schon retten. Wie zutreffend!

2,5 Billionen Euro musste die EZB bisher für die Bewältigung der Finanzkrise lockermachen.

2,5 Billionen Euro musste die EZB bisher für die Bewältigung der Finanzkrise lockermachen.© dpa/Arne Dedert 2,5 Billionen Euro musste die EZB bisher für die Bewältigung der Finanzkrise lockermachen.© dpa/Arne Dedert

Weitere wichtige Ursachen des Wachstums der Finanzindustrie sind die Deregulierung der Finanzmärkte, neue Finanzprodukte (vor allem Derivate) und die Geldschöpfungsmacht der Geschäftsbanken. Zur Schieflage trägt auch die sich ständige verschlechternde Einkommens- und Vermögensverteilung bei.

Die Gefahren, die stimulierende Krediten bergen
Die Masse an kumuliertem Vermögen besteht heute aus monetären Ansprüchen an andere. Leider vergessen die Vermögenden allzu oft, dass ihre Forderungen nur etwas wert sind, solange ihre Schuldner selbst leistungsfähig bleiben. Das aber hängt vor allem von ihren eigenen Ausgaben ab. Das Vermögensspiel funktioniert daher nur so lange, als die Vermögenden auch Ausgaben tätigen. Werden sie aber so reich, dass sie ihre Überschüsse nur wieder in weiteren Vermögenswerte anlegen, nimmt die Schieflage ständig zu: Die Vermögensansprüche steigen, das Potenzial zu deren Realisierung bleibt weit dahinter zurück.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-09-10 17:12:16
Letzte Änderung am 2018-09-18 17:57:31


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