• vom 18.09.2018, 11:46 Uhr

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Update: 18.09.2018, 15:42 Uhr

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Friedensoasen statt Massenlager




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Von Erich Bramhas

  • Migranten könnten die Ränder der Wüsten kolonisieren.



Erich Bramhas ist Architekt, Stadtplaner und Raumplaner. Gemeinsam mit seinem Kollegen Bernd Stanzel hat er das Konzept der Friedensoasen entwickelt.

Erich Bramhas ist Architekt, Stadtplaner und Raumplaner. Gemeinsam mit seinem Kollegen Bernd Stanzel hat er das Konzept der Friedensoasen entwickelt.© privat Erich Bramhas ist Architekt, Stadtplaner und Raumplaner. Gemeinsam mit seinem Kollegen Bernd Stanzel hat er das Konzept der Friedensoasen entwickelt.© privat

Migrationsströme nach Europa können nicht endgültig abgedreht werden, denn sie werden vom Wohlstandsgefälle ausgelöst und sind eine Begleiterscheinung der Globalisierung. Doch die Kraft arbeitswilliger Menschen ist wertvoll und kann genützt werden. Wir würden überschwemmt werden, wenn wir nicht Abwehrmaßnahmen und den potenziell tödlichen Filter namens Mittelmeer hätten.

Die Leute mit Geld heißen Touristen, werden willkommen geheißen und kommen überall durch, 670 Millionen Ankünfte innerhalb Europas und nach Europa im Jahr 2017 bedeuteten 1,34 Milliarden (klimaschädigende) Reisebewegungen hin und her. Jene ohne Geld (weil man es ihnen schon abgeknöpft hat) heißen Migranten, von denen es nach Abzug der Ertrunkenen gerade einmal 2,5 Millionen legal und illegal zu uns, den 500 Millionen Europäern, geschafft haben. Das ist nur ein ganz kleiner Teil der weltweit schon 70 Millionen Vertriebenen. Aber die, die mit Zahlungen und der Überwindung vieler Gefahren und Hindernisse endlich bei uns gelandet sind, wollen unbedingt und endgültig bleiben. Das ist verständlich. Aber das ist es, was uns so schreckt.

Kooperativ organisierte Pioniere sollten Landwirtschaft betreiben, von der sie leben und auch Märkte bedienen können.

Kooperativ organisierte Pioniere sollten Landwirtschaft betreiben, von der sie leben und auch Märkte bedienen können.© afp/Wikus de Wet Kooperativ organisierte Pioniere sollten Landwirtschaft betreiben, von der sie leben und auch Märkte bedienen können.© afp/Wikus de Wet

Wir können noch stärker drosseln, aber der Druck wird nur zu unseren viel ärmeren und schwächeren Nachbarn verlagert, wo er sich mit dem Neuzuzug zusammen ins Gigantische steigert. Zu viele Menschen. Das Aggressionspotenzial nimmt zu. Bandenkämpfe und Staatskrisen sind programmiert, viele Migranten sterben dann schon im Trockenen. Unsere Nachbarländer drohen ins Chaos zu kippen. Wir schauen weg.

Neue Agrarsiedlungen schaffen

Eine schnelle Lösung gibt es nicht. Aber die kleinen Anfänge in die richtige Richtung, die sich schnell aufschaukeln lassen, sollten schon längst gemacht worden sein. Als Planer sagen wir: Rückhaltebecken, Auffangbecken. So, wie wir sie für unsere afrikanische und nahöstliche Nachbarschaft vorschlagen, sind es neue, moderne Agrarsiedlungen für anfangs je 2000 bis 3000 Familien (10.000 Menschen), die als kooperativ organisierte Pioniere ihre eigenen Häuser bauen, Bäume pflanzen und das Land urbar machen sollten, um von der Landwirtschaft leben zu können. Wir nennen das Friedensoasen.

Ein hartes, aber menschenwürdiges Leben an einem neuen Ort: Menschenrechte, technische, soziale, organisatorische und kulturelle Infrastruktur mit Straßen, Markt/Basar, Wasser, Abwasser, Sonnenfarm, Maschinenpark, Gewerbe/Werkstätten, Schulen (Stichwort Bildungspflicht und Familienplanung), Kindergärten, Klinik, Andachtsraum, Administration, Musik, Fußball. Schutz durch Militär. Ohne Luxus. Aber kein Lager! Lager können leicht Brutstätten von Terrorismus werden: Das Massaker von Sabra und Schatila in Beirut im September 1982 mit bis zu 3000 Todesopfern war ein unerhörter Tiefschlag, der die Welt aufgerüttelt hat.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-09-18 11:57:17
Letzte Änderung am 2018-09-18 15:42:38


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