• vom 19.09.2018, 12:54 Uhr

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Update: 20.09.2018, 11:48 Uhr

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Von Hans Holzinger

  • Ein Plädoyer für eine seriöse Debatte über Afrika und die Rolle des demokratischen Westens.

Die Ausbeutung der senegalesischen Erdnussbauern ist symptomatisch für die Situation in Afrika. - © afp/Seyllou

Die Ausbeutung der senegalesischen Erdnussbauern ist symptomatisch für die Situation in Afrika. © afp/Seyllou

Hans Holzinger ist wissenschaftlicher Mitarbeiter der Robert-Jungk-Bibliothek für Zukunftsfragen in Salzburg und stellvertretender Vorsitzender des Entwicklungspolitischen Beirats der Salzburger Landesregierung.

Hans Holzinger ist wissenschaftlicher Mitarbeiter der Robert-Jungk-Bibliothek für Zukunftsfragen in Salzburg und stellvertretender Vorsitzender des Entwicklungspolitischen Beirats der Salzburger Landesregierung.© KiTO Hans Holzinger ist wissenschaftlicher Mitarbeiter der Robert-Jungk-Bibliothek für Zukunftsfragen in Salzburg und stellvertretender Vorsitzender des Entwicklungspolitischen Beirats der Salzburger Landesregierung.© KiTO

"Wenn Menschheitskatastrophen, deren Ausmaße gegenwärtig nur als Albträume vorstellbar sind, verhindert oder wenigstens gemildert werden sollen, dann wird es nicht mehr genügen, jene Welt, die auch nach der jüngsten Zählung immer noch die Dritte heißt, mit lächerlichen Almosen zu bedenken, sogenannten Entwicklungshilfen, die in Wahrheit über raffinierte Finanzierungsinstrumente zumeist doch wieder auf europäische Konten zurückfließen, sondern dann müsste der Reichtum dieser Welt endlich und tatsächlich gestreut werden, nicht in Form von Almosen, sondern von menschengerechteren Löhnen und gerechten Preise." Also sprach der Schriftsteller Christoph Ransmayr in seiner Rede zur Verleihung des Würth-Preises für Europäische Literatur 2018, in der er an die blutigen Verbrechen europäischer Kolonialmächte in Afrika sowie deren Fortwirken bis heute erinnerte.

Ganz anders ist das Afrika-Bild der für Entwicklungszusammenarbeit zuständigen Salzburger EU-Abgeordneten Claudia Schmidt, die in einem Facebook-Posting ihrer Wut über die uns fremde, nämlich leistungsfeindliche afrikanische Kultur freien Lauf ließ. Die Politikerin musste sich öffentlich für ihre rassistisch-pauschalierenden Unterstellungen entschuldigen, das Posting löschte sie umgehend. Das Thema Afrika bleibt aber, und es sollte uns in Europa in der Tat interessieren.


Selbstgemachte und fremdverschuldete Probleme
Afrika ist ein bunter und vielfältiger Kontinent, in dem keineswegs alles nur schlecht läuft. Doch es gibt Probleme - selbstgemachte und fremdverschuldete. Und wie politische Probleme nie mit moralisierenden Zuschreibungen zu erklären sind, gilt es auch in Bezug auf Afrika die strukturellen Hürden in den Blick zu nehmen. Jean Ziegler (Buchtipp: "Verändere die Welt", München 2016), früherer UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung und nunmehrige Berater des UN-Menschenrechtsausschusses, spricht von einer "misslungenen Dekolonisation", die bisher eine wirkliche Nation-Werdung verhindert habe.

Dafür gebe es mehrere Ursachen: zum einen die koloniale Aufteilung des Kontinents ohne Berücksichtigung ethnischer Aspekte; zum anderen den Afrikas Gesellschaften bestimmenden Tribalismus, den politische Führer ausnutzen, um für sich Stimmung zu machen. Der Traum von der panafrikanischen Einheit ist leider trotz aller Versuche, etwa über die Organisation für Afrikanische Einheit (OAU), bisher gescheitert: Ziegler nennt Afrika mit seinen 54 Staaten den am stärksten zersplitterte Kontinent des Planeten.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2019
Dokument erstellt am 2018-09-19 13:03:18
Letzte Änderung am 2018-09-20 11:48:21


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