• vom 10.10.2018, 17:00 Uhr

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Update: 10.10.2018, 17:18 Uhr

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Wir vernichten uns gerade selbst




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Von Gerhard Kohlmaier

  • Es geht längst nicht mehr alleine um die Frage, ob wir Menschen bei einer Erderwärmung von einigen Graden überleben können.

Gerhard Kohlmaier ist AHS-Lehrer für Philosophie und Deutsch in Wien undin der Steuerinitiative im ÖGB aktiv. Alle Beiträge dieserRubrik unter:www.wienerzeitung.at/gastkommentare.

Gerhard Kohlmaier ist AHS-Lehrer für Philosophie und Deutsch in Wien undin der Steuerinitiative im ÖGB aktiv. Alle Beiträge dieserRubrik unter:www.wienerzeitung.at/gastkommentare.© Privat Gerhard Kohlmaier ist AHS-Lehrer für Philosophie und Deutsch in Wien undin der Steuerinitiative im ÖGB aktiv. Alle Beiträge dieserRubrik unter:www.wienerzeitung.at/gastkommentare.© Privat

Verheerende Waldbrände in Europa; Dürreschäden in Milliardenhöhe in der Landwirtschaft; Hitzeperioden, gefolgt von heftigen Unwettern mit Überflutungen und Vermurungen; immer schnelleres Schmelzen von Gletschern und Polareis; Landschaften, die für Mensch und Tier unbewohnbar werden; Artensterben in der Tierwelt - der Klimawandel ist längst traurige Realität.

Man könnte fast behaupten, die Menschheit habe akribisch darauf hingearbeitet. Jahrzehntelange Warnungen der Wissenschafter vor den Folgen des Treibhauseffektes wurden von Politik, Wirtschaft und auch Bevölkerung überwiegend ignoriert. Darüber können auch die zaghaften Versuche einer Reduktion der Treibhausgase durch die Kyoto-Konferenz oder das Pariser Abkommen nicht hinwegtäuschen. Wir sind mittendrin beim Ruinieren unserer eigenen Lebensgrundlagen, denn es geht längst nicht mehr alleine um die Frage, ob wir Menschen bei einer Erderwärmung von einigen Graden überleben können. Vielmehr droht durch unser unbedachtes Zutun das gesamte Ökosystem Erde zu kippen: Wir betreiben Landwirtschaft, die Böden ruiniert und auslaugt, düngen, was das Zeug hält, vergiften dabei Tiere und schleichend uns selbst. Wir gefährden unsere Trinkwasserreserven, holzen Wälder ab, machen die Meere zu Mülldeponien, vergeuden Rohstoffe, die uns irgendwann fehlen werden, und verpesten im wahrsten Sinn des Wortes die Luft und verändern das Klima.


Ist der Mensch tatsächlich so dumm, dass er seine eigenen Lebensgrundlagen vernichtet? Nein, er ist nicht dümmer geworden, ganz im Gegenteil: Die Menschen wissen immer besser Bescheid über wesentliche Zusammenhänge, insbesondere jene, denen man meinungsbildende Rollen zuordnet, etwa Führungspersonen in Politik und Wirtschaft. Allerdings hat sich das Verhältnis zwischen Politik und Wirtschaft in den vergangenen Jahrzehnten grundlegend verändert.

Die herrschende Politik betreibt auf allen Ebenen seit langer Zeit Symptombekämpfung, nicht Ursachenanalyse, und auf Basis dieser Gestaltung der Zukunft. Das finanzwirtschaftliche Denken - das trotz schwerer Krisen leider immer noch das ökonomische Denken bestimmt - hat das politische Denken längst überlagert oder spannt es für seine Interessen ein. Die Macht- und Reichtumsgier von Großkonzernen als "globalen Spielern" dirigiert leicht beeinflussbare politische Systeme zu ihren Gunsten. So haben die deutschen Autokonzerne trotz ihrer betrügerischen Machenschaften rund um die Abgaswerte erreicht, dass - mit Zustimmung von EU-Politikern - manipulative Messmethoden weiterhin aufrechterhalten werden können.

Eine Politik, die sich derart unter die Fittiche des Kapitals begibt, agiert nicht nur zu Lasten des Ökosystems. Um die Geldgier der Auftraggeber zu befriedigen, werden in allen Staaten auch die Sozialsysteme und andere Errungenschaften zum Nachteil der Bevölkerungsmehrheit heruntergefahren. Es ist tatsächlich schlecht bestellt um eine unsere Lebensgrundlagen erhaltende Öko- und Klimapolitik. Aber es ist auch schlecht bestellt um uns selbst und unser politisches Bewusstsein, wenn wir uns gegen eine solche Politik nicht entschiedener wehren.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-10-10 16:33:37
Letzte Änderung am 2018-10-10 17:18:03


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