• vom 22.10.2018, 16:37 Uhr

Gastkommentare

Update: 23.10.2018, 09:57 Uhr

Gastkommentar

Ein fragiles System




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Von Holger Blisse

  • Woran die Schuldenkrise in Italien erinnert - Korrekturbedarf in der bestehenden Ordnung.


© stock.adobe.com/Hans und Christa Eder © stock.adobe.com/Hans und Christa Eder

China erlangt mit dem Fleiß von Millionen Menschen und niedrigen Arbeitskosten das, was die USA heute mit dem Dollar als Leitwährung vermögen. Italien stellt seinerseits zwar die Stärke des Euro auf die Probe - die dieser, nebenbei bemerkt, vermutlich sogar bestehen wird -, aber wie in den USA ist nicht erkennbar, wer für die Schulden aufkommen und sie zurückzahlen soll. Dennoch wird die italienische Gesellschaft daran keinen Schaden nehmen. Sie führt uns die Fragilität unseres Geld-/Kreditsystems vor Augen: Solange alle an die Einlösbarkeit des Zahlungsmittel(versprechens)s glauben, werden die Wirtschaft und der Austausch von Waren und Dienstleistungen gegen Währungen gelingen. Dass in Folge der Wechselkurs- und Wertpapierkursschwankungen einige verdienen und andere Vermögen verlieren, ist zwar im System so konstruiert, ändert aber nichts an den menschlichen Grundbedürfnissen, die erfüllbar bleiben müssen.

Man kann die Währung eines Staates durchaus mit der Aktie eines Unternehmens vergleichen. Dann verbinden sich in ihr auch festverzinsliche und spekulative Anteile eines nationalen Kapitalmarktes (Börse) mit Anleihe/Renten- und Aktienmarkt. Wem es gelingt, den Wechselkurs einer Währung zu beeinflussen, der vermag innenpolitisch einzugreifen, zum Beispiel bestimmte, für die Betroffenen einschneidende (Wirtschafts- oder Sozial-)Reformen herbeizuführen, wie es das griechische Beispiel belegt. Italien steht zumindest auch unter dem Schutz des Euro, die türkische Lira war gegen diese Wirkungen weniger gut geschützt.


Kursschwankungen bieten größere Chancen auf Gewinn

Holger Blisse ist Wirtschafts- und Sozialwissenschafter und unter anderem auf kreditwirtschaftliche, genossenschaftliche und sozial-politische Themen spezialisiert.

Holger Blisse ist Wirtschafts- und Sozialwissenschafter und unter anderem auf kreditwirtschaftliche, genossenschaftliche und sozial-politische Themen spezialisiert.© privat Holger Blisse ist Wirtschafts- und Sozialwissenschafter und unter anderem auf kreditwirtschaftliche, genossenschaftliche und sozial-politische Themen spezialisiert.© privat

Wie empfindlich Devisenmärkte reagieren, zeigt sich schon allein an Absichtserklärungen und daraus abgeleiteten (Folge-)Erwartungen. Beispielsweise hat vor kurzem die US-Politik der US-Wirtschaft und dem Dollar Stärke verliehen. Größere Kursschwankungen (Volatilitäten) bieten größere Chancen auf Gewinn. Man müsste nur den US-Präsidenten oder eben die italienische Regierung richtig zu interpretieren wissen.

Aber Wirtschaft vollzieht sich nicht nur über Marktbeziehungen. Auch dafür bietet gerade Italien ein gutes Beispiel, wo Genossenschaften einen sehr wesentlichen Beitrag in ganz unterschiedlichen Wirtschaftsbereichen leisten. Im Sozialen werden viele Aufgaben von Genossenschaften und nicht direkt vom Staat erbracht. Der italienische Verfassungsgesetzgeber hat diese sozialen Leistungen abgesichert. In der italienischen Verfassung lautet Artikel 45: "Die Republik erkennt die soziale Aufgabe des Genossenschaftswesens an, sofern es nach dem Grundsatz der Gegenseitigkeit und ohne Zwecke der Privatspekulation aufgebaut ist. Das Gesetz fördert und begünstigt mit den geeignetsten Mitteln seine Entfaltung und sichert durch eine zweckdienliche Aufsicht seine Eigenart und Zielsetzung."

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Dokument erstellt am 2018-10-22 16:48:54
Letzte Änderung am 2018-10-23 09:57:53


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