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Maschinenraum

Vorweihnachtszauber




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Von Walter Gröbchen

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  • Es ist gar nicht so einfach, innovative Technologie anzupreisen. Herr Müllers kann ein Lied davon singen.



Es gibt Produkte, die sind einfach nicht sexy. Oder sagen wir so: Ihre Attraktivität erschließt sich erst auf den zweiten Blick. Da mögen Marketingexperten und PR-Agenturen noch so oft Reizworte wie "innovativ" oder "Magie" einstreuen oder gar darauf hinweisen, dass diese Entwicklung "mit mehr als 300 Awards" ausgezeichnet wurde und "für Millionen glücklich vernetzte Kunden in ganz Europa" eine tagtägliche Verbesserung ihres Lebens bedeutet. Das tut sie nämlich wirklich. Wenn Sie jetzt einen solarbetriebenen Roboter-Staubsauger oder eine faltbare Liliputbahn für den Großstadtverkehr assoziieren, liegen Sie allerdings falsch.

Hier kommt Christoph Müllers ins Spiel. Bitten wir ihn vor den Vorhang! Herr Müllers betreibt ein kleines PR-Büro in Wien - und er wird regelmäßig auch bei mir vorstellig. Einer seiner Kunden, möglicherweise der wichtigste, ist das mittelständische Unternehmen devolo AG aus Aachen in Deutschland. Seit 2002 entwickelt diese Firma "mit Liebe und Passion" (Eigenwerbung) Produkte in Bereichen wie Netzwerktechnologie, Powerline-Adapter und Smart Home Control. Sagt Ihnen nichts? Kann daran liegen, dass Sie irgendjemanden Ihr WLAN einrichten haben lassen und sich um Details nicht weiter kümmern müssen. Jedenfalls sind - vor allem, wenn ein Internet-Zugang nicht ganz so funkt, wie er soll - die "Multiroom-Kits" diverser Hersteller eine probate und inzwischen gern genommene Lösung. Die Übermittlung digitaler Signale via Stromnetz, anfänglich recht umstritten, hat sich dort durchgesetzt, wo andere Technologien schwächeln. Eine feine Marktnische! Freilich ist die ständige Verbesserung einer Produktlinie auch nicht etwas, was den nach Sensationen gierenden Leser auf Zuruf hinter dem Ofen hervorlockt. Müllers aber wird nicht müde, mit sonorer Stimme und beharrlicher Freundlichkeit die neuen und allerneuesten Vorzüge der von ihm vertretenen Produkte zu erklären. Neulich stand er mit einem "devolo Magic 2"-Paket in meinem Büro. Diese Adapter - sie sehen aus wie eine schwangere Steckdose - nutzen eine frische Chipgeneration und ermöglichen so Übertragungsgeschwindigkeiten bis zu 2400 Mbit/Sek. Das ist, ja, wirklich flott. Weil das Signal nicht durch Wände und Decken gestört wird, ist das natürlich für TV-Streaming oder Hardcore-PC-Gaming eine frohe Botschaft. Ein Detail trübt das Hurra-Geschrei: Die "Magic 2"-Adapter sind nicht abwärtskompatibel. Wer also rasant durch das Internet pflügen will, muss ältere Powerline-Generationen aus der Steckdose ziehen und an weniger datenhungrige Verwandte und Nachbarn verschenken. Ich bin mir sicher, die aktuellen devolo-Kästchen werden trotzdem ein Renner.


Müllers wird - Auftrag ist Auftrag! - daran gemessen werden. Ich wünsche ihm Erfolg. Denn bei allem Respekt vor Werbetextern, die die Verpackung der devolo-Adapter mit Superlativen zupflastern: "Hier wirken unsichtbare Kräfte" ist doch ein wenig zu zauberhaft selbst "für alle, die Großes vorhaben" oder jene, "die heute schon im Übermorgen leben". Es handelt sich doch nur um mehr oder minder banale Alltagstechnologie. Hoffentlich höre ich Herrn Müllers niemals davon schwadronieren, seine Produkte "übersteigen meine Vorstellungskraft".




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-11-07 16:55:12
Letzte Änderung am 2018-11-08 17:10:10


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