• vom 15.11.2018, 16:31 Uhr

Glossen


Digitales Vermummungsverbot

Man wird sich weiterhin als Katze ausgeben dürfen




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Von Claudia Aigner

  • Kunstsinnig
  • Aber dem Mark Zuckerberg wird man sagen müssen, wer man wirklich ist und welcher Spezies man angehört. (Weiß er das nicht eh längst?)



Ich hätte ja eigentlich mit was anderem gerechnet. Besonders jetzt, wo es langsam echt kalt wird. Nämlich mit einem Händeverhüllungsverbot. Aber zum Glück ist bloß ein "digitales Vermummungsverbot" geplant. Werden mir in diesem Winter wenigstens nicht die Finger abfrieren. (Höchstens die Nase. Wie im letzten. Wegen dem Gesichtsverhüllungsverbot.) Hm. Wozu ein Händeverhüllungsverbot, bitte? Was würde das bringen? Na ja, viel. Für die Aufklärungsquote. Also wenn die mutmaßlichen Einbrecher und Mörder am Tatort/auf der Tatwaffe freiwillig ihre Fingerabdrücke hinterlassen würden, um nicht die 150 Euro Strafe blechen zu müssen. Und weil der Gesetzgeber keine einzelne Gruppe, noch dazu eine Minderheit (die Kriminellen), diskriminieren darf (sonst beschweren sich die noch beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte), muss das Handschuhverbot halt für jeden gelten. Für die Braven gäbe es eh Ausnahmen. Für die Chirurgen, die Torleute (der Plural von Tormann, Tschuldigung: Torperson) . . . Wem einfach nur kalt ist, der wird freilich mit den Polizisten diskutieren dürfen, ob Wollhandschuhe bei plus zwei Grad (plus!) überhaupt legal sind.

Wurscht. Kommt sowieso nicht. Vorerst. Sondern ein "digitales Vermummungsverbot" stattdessen. Ach, keine Katzen-Profilbilder mehr auf Facebook? Muss da ein aktuelles Passfoto hin so wie künftig bei der E-Card? Dass auf Letztere mein Passgesicht draufkommt, stört mich ja schon ein bissl. Schau ich aus wie eine Verbrecherin. Trotzdem macht man das nicht etwa, um mich zu kriminalisieren. (Dann kämen zwei Fotos auf die Karte. Eins von vorn und eins von der Seite.) Im Gegenteil. Das soll sogar verhindern, dass ich ein Verbrechen begehe. Dass ich die Sozialversicherung betrüge. Wie der Mustafa in diesem Aufklärungsfilmchen, der seine E-Card dem Ali borgt, damit sich der die Beißerchen sanieren lassen kann, obwohl der nie ins System eingezahlt hat. Und die Zähne hat er sich ja ebenfalls nie geputzt, also nicht einmal die Mehrwertsteuer für die Zahnpasta gezahlt. (Gfrast.)


Was? Beim digitalen Vermummungsverbot geht’s gar nicht um die Visage? Das wird ein "Bundesgesetz über das Verbot der Verhüllung des Namens in der digitalen Öffentlichkeit"? Nicknames bleiben zwar weiterhin erlaubt (sich Nicki, Nikolaus, Nico zu nennen?), dem Plattformbetreiber muss man allerdings seinen richtigen Namen sagen. Damit man leichter zu erwischen ist, falls man ein Hater ist. Und sich nicht an die digitale Maulkorbpflicht für Hassposter hält. (He, wer so einem ein Like gibt, ist der bald wegen Beihilfe zum Haten dran?) Alle werden sich liebhaben. (Online.)

Na und? Betrifft mich ohnedies nicht. Ich verwende generell meinen Klarnamen. Beim Skypen würde ich doch auch keine Skimaske tragen, oder? Wenn ich Skypen würde. Aber mit abgeklebter Webcam ist das witzlos. Ob man sich strafbar macht, wenn man die Überwachungskamera an seinem Laptop mit einem Pflasterl zupickt? Kann man mich jetzt wegen Behinderung der Polizeiarbeit anzeigen, weil ich die Verletzung meiner Privatsphäre prophylaktisch verarztet habe? Mit einem Nickname würde ich mich jedenfalls nur verdächtig machen. Mir womöglich einen Bundestrojaner einfangen. Dabei hab ich nix zu verbergen. Ich hab nicht einmal WhatsApp. Und auf Facebook like ich ausschließlich Katzenvideos.




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Dokument erstellt am 2018-11-15 16:43:17


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