• vom 16.11.2018, 16:50 Uhr

Glossen

Update: 16.11.2018, 17:04 Uhr

Glossenhauer

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Von Severin Groebner

  • Glossenhauer
  • Jeder macht sie, keiner mag sie und wie geht man damit um? Fehler.

Severin Groebner ist Kabarettist, Autor und Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne". Sein neues Buch mit zahlreichen Kolumnen (unter anderem auch aus der "Wiener Zeitung") heißt "Lexikon der Nichtigkeiten" und ist im Satyr-Verlag (Berlin) erschienen.

Severin Groebner ist Kabarettist, Autor und Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne". Sein neues Buch mit zahlreichen Kolumnen (unter anderem auch aus der "Wiener Zeitung") heißt "Lexikon der Nichtigkeiten" und ist im Satyr-Verlag (Berlin) erschienen. Severin Groebner ist Kabarettist, Autor und Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne". Sein neues Buch mit zahlreichen Kolumnen (unter anderem auch aus der "Wiener Zeitung") heißt "Lexikon der Nichtigkeiten" und ist im Satyr-Verlag (Berlin) erschienen.

So richtig Mist gebaut, in den Gatsch gegriffen, total danebengelegen und dabei im Fettnäpfen gestanden ist wahrscheinlich jeder schon. Fehlverhalten ist menschlich. Manchmal wegen Schlamperei: Da hat man als Arzt seine 16-Stunden-Schicht im Spital fast hinter sich, dann kommt noch dieser eine akute Notfall herein, man überfliegt die Patientenakte, eilt dann in den OP und - hoppala! - amputiert das falsche Bein. Kann vorkommen, ist aber nichts, was man nicht mit einer Schachtel Mon Chéri und lebenslangen finanziellen Zuwendungen an den Geschädigten wieder ins Lot bringen könnte.

Oder die Malaise passiert durch eine Mischung aus Inkompetenz und Übereifrigkeit. Nach dem Fünf-Stunden-Crash-Kurs für Scheinselbständige zur Aufsicht von Atomkraftwerken steht man plötzlich vor dem Schalter "Kühlung für Brennstäbe" und sagt sich: "Was brennen soll, darf man nicht kühlen." Und schaltet guten Gewissens einfach ab. Gut, dann kann schon einmal die ganze Anlage in die Luft fliegen und im Umkreis von mehreren hundert Kilometern die Gegend für ein paar tausend Jahre völlig verstrahlt sein, aber da muss man sich dann eben den Nachbarn wortreich erklären und ehrlich versprechen, dass man das sicher nie wieder tun wird (was umso glaubhafter ist, da man nach der Strahlenportion, die man beim Unfall abbekommen hat, sowieso nur noch drei Wochen zu leben hat).


Aber die Fähigkeit, Fehler einzugestehen, ist leider nicht jedem gegeben. Die deutsche AfD-Chefin Alice Weidel etwa weiß nicht, was sie falsch gemacht haben soll, nur weil sie Geld aus dem Ausland für den Wahlkampf angenommen, verwendet und nicht deklariert hat. Nur weil es in Deutschland verboten ist, Geld aus dem Ausland für den Wahlkampf anzunehmen, zu verwenden und nicht zu deklarieren? Also wirklich, wer wird denn da so kleinkariert sein? Noch unangenehmer kann es sein, andere Leute auf ihre Fehler hinzuweisen. Probieren Sie das einmal bei der türkischen oder der saudischen Regierung. Da kann es durchaus sein, dass man Sie auf einen mehrjährigen Urlaub hinter Gittern (jetzt neu: ohne Prozess!) oder ein total entspannendes Säurebad einlädt.

Der österreichische Bundeskanzler dagegen glänzt in so einem Fall durch extreme Integrität. Wenn man ihn für die - von seiner Regierung beschlossene - Abschiebungspraxis kritisiert, die ab und zu dazu führt, dass hochschwangere Frauen von ihren dreijährigen Kindern getrennt werden, reagiert er wie ein echter Staatsmann. Er hört sich alles an, sagt, er vertraue den Behörden, und putzt sich kurze Zeit später an den weisungsgebundenen Beamten in Vorarlberg ab. Vielleicht hat er sich aber auch gedacht, mit den Xi-Bergern kann man das machen. Denn selbst wenn die etwas dagegen sagen . . . die versteht ja doch keiner.

Ist aber nur eine Vermutung, vielleicht lieg ich auch falsch. Denn auch Ihr Glossenhauer ist nicht vor Fehlern gefeit. Letztes Mal hab ich zum Beispiel Ausstellungsstücke im Haus der Geschichte (Zange von Alois Mock, Kritik an Toni Sailer) vermisst, obwohl die da sehr wohl zu finden sind. Insofern möchte ich nun mit gutem Beispiel vorangehen und sagen: "Ich bitte um Entschuldigung. War mein Fehler."




Schlagwörter

Glossenhauer, Fehler, AfD, Asyl, AKW

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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-11-16 17:01:21
Letzte Änderung am 2018-11-16 17:04:19


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