• vom 23.11.2018, 17:16 Uhr

Glossen

Update: 23.11.2018, 17:45 Uhr

Glossenhauer

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Von Severin Groebner

  • Glossenhauer
  • Es ist recht anstrengend, sich im heimischen politischen Diskurs auf ein Thema zu konzentrieren.

Severin Groebner ist Kabarettist, Autor und Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne". Sein neues Buch mit zahlreichen Kolumnen (unter anderem auch aus der "Wiener Zeitung") heißt "Lexikon der Nichtigkeiten" und ist im Satyr-Verlag (Berlin) erschienen. Alle Beiträge dieser Rubrik unter: www.wienerzeitung.at/ glossenhauer

Severin Groebner ist Kabarettist, Autor und Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne". Sein neues Buch mit zahlreichen Kolumnen (unter anderem auch aus der "Wiener Zeitung") heißt "Lexikon der Nichtigkeiten" und ist im Satyr-Verlag (Berlin) erschienen. Alle Beiträge dieser Rubrik unter: www.wienerzeitung.at/ glossenhauer Severin Groebner ist Kabarettist, Autor und Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne". Sein neues Buch mit zahlreichen Kolumnen (unter anderem auch aus der "Wiener Zeitung") heißt "Lexikon der Nichtigkeiten" und ist im Satyr-Verlag (Berlin) erschienen. Alle Beiträge dieser Rubrik unter: www.wienerzeitung.at/ glossenhauer

Manchmal hat man angesichts der heimischen Innenpolitik das Gefühl, man ist gefangen in einem sehr langen, unangenehmen TV-Abend. Man sitzt auf der Couch, möchte auf Arte diese Doku über die Arbeitsverhältnisse der . . . aber da wird auf OE24 umgeschaltet, wo man extrem authentische und ganz, ganz echt verwackelte Videoclips sieht, in denen bärtige Männer mit Turbanen unverständliches Zeug in die Kamera brüllen. Und drunter läuft ein Newsticker über die Ergebnisse der Regionalliga Ost. Da grunzt der Gorilla mit dem schwarz-blauen Fell zufrieden, der daneben auf dem Sofa sitzt. Denn so etwas sieht er gerne. Dazu beißt er in seine Schnitzelsemmel und hält die Fernbedienung fest umklammert. Und erst wenn er sich mit beiden Pfoten am Rücken kratzt, hast du eine Chance zum Umschalten. Diesmal auf Phoenix. Themenabend über das Leben diverser NS-Kriegsverbrecher nach 1945 in Südamerika, Ägypten und Ö . . . Zapp! Schon sind wir in einem Society-Magazin, in dem Heidi Klum und Richard Lugner einander gegenseitig ungerechtfertigte Komplimente machen. "Grunz!", macht der Gorilla und stellt hörbar einen Koffer ab.

Oder anders gesagt: Es ist doch tatsächlich ein unbeschreiblicher Zufall, dass in der Woche, in der bekannt wurde, dass ein rechtsradikaler Security-Mann das Parlament unsicher machte - und zwar nicht nur irgendwo, sondern just in jenem U-Ausschuss, der überprüfen soll, was in jener Behörde vorgegangen ist, die auch zur Bekämpfung von Rechtsradikalismus da ist -, plötzlich die Regierung auf die Idee kam, ein Kopftuchverbot in Volksschulen einzuführen. Und wenn der EuGH Oberösterreichs Mindestsicherungsregelung kippt, dann freut sich - davon freilich völlig unberührt - der Vizekanzler auf Facebook, dass es in Favoriten am Weihnachtsmarkt statt "muslimischer" Zelte wieder "würdige" Holzhütten gebe.

Man darf gespannt sein, wie das weitergeht. Vielleicht weitet sich der Spionagefall um den von den Russen bezahlten Oberst Redl 2.0 aus, und man entdeckt noch andere Maulwürfe in den Streitkräften oder gar der Verwaltung. Dann will die Regierung womöglich zeitgleich ein Kopftuchverbot auf Baustellen einführen. Die Änderung des Sozialversicherungsgesetzes ist nicht verfassungsgemäß? Dann sollte über ein Kopftuchverbot beim Bundesheer und in der Sauna reden. Und wenn es sich herausstellt, dass nicht der UN-Migrationspakt Massenabschiebungen verbietet, sondern schon längst die Europäische Menschenrechtskonvention, dann diskutiert man in der Regierung über ein Burkaverbot für Topfpflanzen und Motorräder.

Arbeitnehmer werden zur "Freiwilligkeit" des 12-Stunden-Tags gezwungen? Da muss man schon fragen dürfen, ob die muslimischen Zwiebeltürme auf unseren Barockkirchen nicht durch würdige, abendländische Vogelhäuschen aus Holz ersetzt werden sollten. Österreich erreicht die selbstgesetzten Klimaschutzziele nicht? Die Regierung fordert verpflichtende Walzertanzkurse für Muslime.

Denn da freut er sich, der Gorilla, kratzt sich zufrieden am Bauch und grunzt. Und wissen Sie, wie das heißt, wenn ein unangenehmer Primat die Fernbedienung in der Hand hält? Genau: Message control.





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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-11-23 17:28:24
Letzte Änderung am 2018-11-23 17:45:20


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