• vom 29.11.2018, 16:38 Uhr

Glossen

Update: 29.11.2018, 16:53 Uhr

Innsbruck

In die Waffenverbotszone bitte nur mit erhobenen Händen




  • Artikel
  • Kommentare (2)
  • Lesenswert (24)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Claudia Aigner

  • Kunstsinnig
  • Sonst zahlt man zur Strafe 500 Euro. (Nein, natürlich nicht. Aber das wäre zumindest exekutierbar.)



Ganz neidig bin ich auf die Innsbrucker. Ab dem ersten Dezember werden die in der sichersten Stadt Österreichs leben. Die kriegen nämlich eine Waffenverbotszone. Und was haben wir hier in Wien zu unserem Schutz? (Und das ist immerhin die Bundeshauptstadt.) Eine Essverbotszone in der U6.

Okay, eine Alkoholverbotszone am Praterstern auch noch. Wobei sich das Verbot aber auf die Konsumation beschränkt. Außerhalb der ausgewiesenen kommerziellen Trinkzonen (Lokale). Und ein paar Begegnungszonen gibt’s. Die sind freilich eher gemeingefährlich. Für die Fußgänger. Die bundesweite Gesichtsverhüllungsverbotszone wiederum hilft höchstens gegen antifeministische Frauen, die passiv aggressiv mit der Tracht ihrer misogynen Parallelgesellschaft herumlaufen. Die beschützt mich jedoch nicht vor den Männern, die aktiv aggressiv mit einem Messer rumrennen. Was? Bloß die Bogenmeile wird zur Waffenverbotszone? Heißt die eigentlich so, weil da überdurchschnittlich viele blutige Zwischenfälle mit Pfeil und Bogen registriert worden sind? Nein. (Innsbruck, hallo? Nicht North Sentinel Island, wo diese ausländerfeindlichen Sentinelesen daheim sind, die grad den Missionar umgebracht haben, weil sie offenbar obendrein religiös intolerant sind. Christophob. Ach, und der Missionar? War bestimmt nicht christophob.) Messer sind vielmehr das Problem. Und wenn die Messerstecher dann einfach woandershin ausweichen?


Wie hab ich mir so eine Zone überhaupt vorzustellen? Muss die jeder mit erhobenen Händen betreten? Und sollte man lieber keine plötzlichen Bewegungen machen (falls das Handy läutet: nicht danach greifen!), weil man sonst gleich von der Polizei getasert wird? Oder wird lediglich ein Schild aufgestellt (mit einem durchgestrichenen Messer drauf), und bei der feierlichen Eröffnung schneidet irgendein Politiker ein rotes Bandl durch? Im Sicherheitspolizeigesetz steht jedenfalls, dass die Polizeibeamten dort ermächtigt sind, "die Kleidung von Menschen und von diesen mitgeführte Fahrzeuge und Behältnisse zu durchsuchen, wenn auf Grund konkreter Anhaltspunkte der dringende Verdacht besteht . . ." - hm. Wie konkret müsste jemand mit dem Messer denn werden, um dringend verdächtig zu sein, eins dabeizuhaben? (Beziehungsweise mit dem Schraubenzieher oder anderen "Gegenständen, die geeignet sind und den Umständen nach dazu dienen, Gewalt gegen Menschen oder Sachen auszuüben".) Keine stichprobenartigen Hosensackkontrollen also. (Der Ausdruck "Stichprobe" ist in diesem Kontext vielleicht ein bissl unglücklich gewählt.) Sonst wäre ich sogar dafür, aus ganz Österreich eine Waffenverbotszone zu machen.

Was spräche dagegen? Na ja, ein Polizist könnte einen dringenden Verdacht haben und in mein "Behältnis" (Tascherl) schauen. Mir womöglich das Ladekabel abnehmen, weil ich damit wen erwürgen könnte. Ich könnte mein Handy nimmer aufladen und, falls mich wer mit einem Gegenstand bedroht, nicht die Polizei rufen. Oder mein Schlüssel ist geeignet, Gewalt gegen eine parkende "Sache" auszuüben (einem Auto den Lack zu zerkratzen), und ich komm nicht mehr in meine Wohnung. Müsste ich eventuell auch nicht. Für die nächsten zwei Wochen. Wenn ich mich weigere, die 500 Euro Strafe zu zahlen, und eine Ersatzfreiheitsstrafe antrete.




2 Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-11-29 16:49:32
Letzte Änderung am 2018-11-29 16:53:31


Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Essen mit und ohne Fleisch
  2. Liebe, grundlos
  3. Lernen und PISA
  4. Ich will mein Schnitzel nicht mit Stäbchen essen müssen
  5. Wie uns das "Smartwater" von Coca Cola verführen soll
Meistkommentiert
  1. Wie uns das "Smartwater" von Coca Cola verführen soll
  2. Warum die Kanadier keine Kanaken sind
  3. Wüsten-Beschimpfung
  4. Dann gehen die Frauen halt mit dem linken Fuß nach rechts
  5. Ich will mein Schnitzel nicht mit Stäbchen essen müssen

Werbung




Werbung