• vom 02.12.2018, 11:00 Uhr

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Paul McCartney, mein Dezember-Troubadour




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Von Gerald Schmickl


    Redaktionsleiter der "extra"-Beilage und McCartney-Fan, speziell rund um Weihnachten: Gerald Schmickl.

    Redaktionsleiter der "extra"-Beilage und McCartney-Fan, speziell rund um Weihnachten: Gerald Schmickl. Redaktionsleiter der "extra"-Beilage und McCartney-Fan, speziell rund um Weihnachten: Gerald Schmickl.

    Für mich ist immer Dezember, wenn ich Paul McCartney höre, nicht nur dann, wenn er - wie kommende Woche (am 5. und 6. Dezember) - in der Wiener Stadthalle auftritt. Und das kam so: Vor vielen Jahren spielte ich am Vormittag des 24. Dezembers eine Musikcassette in meinem Recorder ab, auf der ich die damals neueste Langspielplatte der Wings, "Wings At The Speed Of Sound" (1976), gespeichert hatte.

    Vom ersten Song an, "Let ’Em In", verband sich der Sound (der übrigens keineswegs besonders schnell ist) mit diesem speziellen Tag und Datum. Seit damals höre ich diese Platte an jedem ersten Weihnachtstag (mittlerweile in digitaler Form, die Cassette hatte irgendwann ausgedient oder war gerissen. Am Ende des Bandes war noch ein Stück einer zuvor aufgenommenen Radiosendung zu hören gewesen - nämlich die "Ö3-Musicbox", mit dem legendären Moderator Alfred Hütter!).

    Aber nur an diesem einen Tag. Ich brauche keinen Bing Crosby, auch keine Wham! - "Wings At The Speed Of Sound" ist sowohl mein "White" als auch mein "Last Christmas". Und selbst "Wonderful Christmastime" von McCartney himself, welcher Song sich viel direkter auf Tag & Monat bezieht, kann mit der Wings-LP nicht konkurrieren. Sie ist mein akustisches Lametta.

    Jeden 24.12. Pflichthörprogramm des Autors: Das fünfte Album der McCartney-Band Wings.

    Jeden 24.12. Pflichthörprogramm des Autors: Das fünfte Album der McCartney-Band Wings. Jeden 24.12. Pflichthörprogramm des Autors: Das fünfte Album der McCartney-Band Wings.

    Obwohl darauf - ein Unikum in der Wings-Geschichte - alle Bandmitglieder zumindest einmal singen (auch Ehefrau Linda, auf dem herrlich dilettantisch rumpeligen "Cook Of The House"), ist es natürlich trotzdem Pauls Stimme, die dominiert und seitdem für mich unlöschbar mit der gesamten Weihnachtszeit verbunden ist. Es sind zwar zuvorderst Wings-Songs - mit diesem spezifisch (auf-)brausenden Gitarrensound (auf "Band On The Run" und dem James-Bond-Titelsong "Live And Let Die" zur vollen Blüte gebracht) -, welche in mir dezemberliche Gefühle erwecken, aber selbst Pauls spätere Werke und Solo-Alben, bis herauf zum heurigen "Egypt Station", verströmen für mich immerzu leicht betörenden Nadelduft.

    Wenn Musik einmal derart emotional verfestigt ist (wofür die Wahrnehmungspsychologie den sperrigen Begriff "Perseveration" verwendet - was auch für die morgens gehörten Lieder gilt, die einem den ganzen Tag nicht mehr aus dem Kopf gehen), tut man sich schwer, sie aus dieser Verankerung zu lösen. Und noch schwerer damit, sie zu rationalisieren, d.h. kritikfähig zu machen. Kritik an McCartney (und davon gibt’s ja reichlich) empfinde ich daher - und kann gar nicht anders - als persönlichen Angriff auf meinen Weihnachtsfrieden.

    Wenn mir also die Obergescheiten mit ihrer üblichen Lennon-Präferenz und endemischen McCartney-Geringschätzung kommen, sehe ich sie zu meiner inneren Beruhigung sogleich an silbernen Schnürchen auf der Weihnachtstanne baumeln. Und ich bilde mir ein, dass es schon in der Prä-Wings-Zeit, also in der Ära der Beatles, damit dieser Name endlich auch einmal fällt (der für mich übrigens keine besonders große Bedeutung hat), so war, dass mir Paul und Ringo sympathischer waren als John und George. Für die zünde ich trotzdem eine Kerze an.





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    Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
    Dokument erstellt am 2018-11-30 13:28:32
    Letzte Änderung am 2018-11-30 16:31:33


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