• vom 30.11.2018, 17:59 Uhr

Glossen

Update: 04.12.2018, 09:43 Uhr

Glossenhauer

Gott schütze Österreich!




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Von Severin Groebner

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  • Der Österreicher an sich ist ein extrem schützenswertes Wesen.

Severin Groebner ist Kabarettist, Autor und Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne". Sein neues Buch mit zahlreichen Kolumnen (unter anderem auch aus der "Wiener Zeitung") heißt "Lexikon der Nichtigkeiten" und ist im Satyr-Verlag (Berlin) erschienen.

Severin Groebner ist Kabarettist, Autor und Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne". Sein neues Buch mit zahlreichen Kolumnen (unter anderem auch aus der "Wiener Zeitung") heißt "Lexikon der Nichtigkeiten" und ist im Satyr-Verlag (Berlin) erschienen. Severin Groebner ist Kabarettist, Autor und Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne". Sein neues Buch mit zahlreichen Kolumnen (unter anderem auch aus der "Wiener Zeitung") heißt "Lexikon der Nichtigkeiten" und ist im Satyr-Verlag (Berlin) erschienen.

Auf der Liste der bedrohten Arten in Österreich finden sich die Blauracke, die Hornotter und die Knoblauchkröte. Überraschenderweise findet sich nicht darauf: der Österreicher selbst.

Das ist umso verwunderlicher, da sich der durchschnittliche Österreicher scheinbar andauernd besonders bedroht fühlt. Deshalb braucht er Schutz. Viel Schutz.


Und wir haben ja Gottseidank eine Regierung, die diesen Auftrag ernst nimmt. Nicht nur, dass ihr EU-Ratsvorsitz unter dem Motto "Ein Europa, das schützt" steht, nein, auch will der Vizekanzler und Sportminister gemeinsam mit dem Medienminister die Fernsehschutzliste neu adaptieren. Noch nie gehört? Nun, in dieser Liste werden "Ereignisse von erheblicher gesellschaftlicher Bedeutung" zusammengefasst, die nach dem Willen der Regierung im Free-TV zu sehen sein sollen.

Schön, was wird da also draufstehen? Dinge von allgemeinem Interesse wahrscheinlich: Parlamentsdebatten, Budgetverhandlungen der Regierungsparteien oder Sitzungen des Europäischen Rates? Wenigstens Liveschaltungen aus dem Prozess gegen den ehemaligen Finanzminister? Oder der Wetterbericht? Mitnichten. Die "Ereignisse von erheblicher gesellschaftlicher Bedeutung", die unbedingt für Frau Österreicherin und Herrn Österreicher im Fernsehen zu sehen sein müssen und also schützenswert sind, sind das Neujahrskonzert und der Opernball. Sowie: die Olympischen Sommer- und Winterspiele, Alpine und Nordische Ski-WM, bestimmte Fußball-WM- und -EM-Partien (Eröffnungsspiel, Halbfinale, Finale und alle Spiele der Nationalmannschaft) sowie das ÖFB-Cupfinale.
Da freuen sich IOC und Fifa. Mögen sie auch international mehr und mehr als überflüssiger, korrupter, intransparenter Haufen angesehen werden, in Österreich weiß man noch, dass sie "Ereignisse von erheblicher gesellschaftlicher Bedeutung" produzieren.

Aber da die beste aller möglichen Bundesregierungen diese Liste neu definieren will, ist natürlich einiges möglich. Ob die Übertragung des BVT-Untersuchungsausschusses oder Live-Diskussionen zur Wahlkampffinanzierungen für alle im Free-TV zu sehen sein werden, weiß man nicht, da Österreich nicht nur vor unangenehmen Wahrheiten zu schützen ist, sondern bisweilen sogar vor sich selbst. Der niederösterreichische Landesrat für Asyl, Integration und Tierschutz, Gottfried Waldhäusl, kennt sich hiermit besonders gut aus. Schließlich hat er schon vor einiger Zeit davor gewarnt, dass "Hunde mit Migrationshintergrund unseren Tieren leider oftmals den Platz in den örtlichen Tierheimen wegnehmen". Aus purer Nächstenliebe lässt dieser niederösterreichische Schutzherr auch minderjährige Asylwerber in Drasenhofen hinter Stacheldraht in ein Lager sperren. Um sie "vor Übergriffen von der heimischen Bevölkerung" zu schützen. Hier werden also Jugendliche endlich aus lauter Herzensgüte und Führsorglichkeit von Securitymannschaften "konzentriert gehalten" (© Herbert Kickl).

Mit derselben Begründung könnte man freilich auch um ganz Österreich einen Zaun ziehen. Um den Rest der Welt vor der heimischen Bevölkerung zu schützen. Und auch umgekehrt. Schließlich sind wir eine bedrohte Art.




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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-11-30 18:10:33
Letzte Änderung am 2018-12-04 09:43:38


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