• vom 06.12.2018, 16:52 Uhr

Glossen


Feminismus

Dann gehen die Frauen halt mit dem linken Fuß nach rechts




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Von Claudia Aigner

  • Kunstsinnig
  • In puncto Feminismus können wir hier in Österreich von Saudi-Arabien noch was lernen.



Für alles, was einen nachhaltig schädigt (oder schädigen kann), gibt’s ein Mindestalter. Fürs Tschicken, Saufen, Autofahren, Wählen . . . - Wählen ist schlecht für die Gesundheit? Ach, weil vorher immer diese Wahlzuckerln verteilt werden und die Wähler davon Karies kriegen? Na ja, oder wenn man eine Partei wählt, die nachher verbissen gegen eine gute Luft in den Lokalen kämpft. (Die FPÖ ist gegen Raumdüfte? Nein, eh für "Räucherstäbchen".) Wurscht. Für das, worum es hier geht, existiert jedenfalls keine Altersbeschränkung.

Warum eigentlich? Weil es bloß für die Frauen ungesund ist? Für die Männer wäre es das zwar ebenfalls, doch die würden so etwas eben nie tragen. (Zumindest nicht in der Öffentlichkeit.) Die Frauen tun das dafür umso freiwilliger. (Die, die da begeistert mitmachen halt.) Obwohl diese unpraktischen Dinger sie verkrüppeln und ihnen wehtun. Das Kopftuch führt zu Schädeldeformationen? Echt? (Wie fest wird das denn gebunden?) Keine Ahnung. Wieso überhaupt "Kopftuch"? Die Stöckelschuhe sind das Thema, hallo? Und die sollten definitiv erst ab 18 erlaubt sein. He, aber sobald die nimmer jugendfrei sind, müssen im Schuhgeschäft ja die Ausweise kontrolliert werden. Wie in der Trafik. Na und? Ich wäre sowieso für Schockbilder auf den Schachteln von zum Gehen ungeeignetem Schuhwerk. (Hammerzehen, Hallux valgus, Hühneraugen, aufgeschürfte Knie vom Hinfallen . . .)


Ab 18 ist man dann selber schuld. Und darf sich mit den High Heels, mit denen man nicht g’scheit auf die Bremse steigen kann, sogar gemeingefährlich ans Steuer setzen. Oder man humpelt mit lauter Blasenpflasterln herum und behauptet ungeniert, man wäre eine Feministin. Dabei müsste für die Gleichstellung der Geschlechter gar niemand mehr leiden. Weil in Österreich die Frauen längst gleich groß sind wie die Männer. Steht im Bundeshymnentext. ("Heimat großer Töchter und Söhne.")

Und wer schützt jetzt die minderjährigen Mädchen (und Buben) davor, von einer Lehrerin mit Stockholm-Syndrom unterrichtet zu werden, von einer Geisel des Patriarchats, die sich selbst erniedrigt, indem sie sich um zehn Zentimeter größer macht? Die Regierung hoffentlich. Mit einem Stöckelschuhverbot in der Schule. Weshalb nicht auch gleich eins in der Werbung? Und im öffentlich-rechtlichen Fernsehen? Denn zum Bildungsauftrag gehört es sicher nicht, das Wetter auf Stelzen vorherzusagen. (Höchstens bei Hochwasser.) Hm. Diskriminiert das die Frauen nicht erst recht wieder, wenn der Gesetzgeber nur ihnen auf die Füße schaut? Wäre eine Unisex-Lösung nicht gerechter? Okay, dann eben eine generelle Patschenpflicht in der Klasse, im Fernsehstudio und . . . in der Werbung vielleicht doch nicht.

Und wenn die Schuchis zum Job gehören? Das Model auf dem Laufsteg muss sie ja gezwungenermaßen freiwillig anziehen. Oder die Stangentänzerin im Strip-Club. Was sollen die beiden sonst machen, wenn sie ihre Arbeit behalten wollen? Tja, sich ein Beispiel an den saudi-arabischen Feministinnen nehmen. Die tragen ihr unvorteilhaftes schwarzes Zelt aus Protest gegen die sexistischen Kleidervorschriften grad verkehrt herum ("inside out"). Also einfach den rechten Fuß in den linken Schuh rein und den linken in den rechten (tut das nicht noch weher?) und ein Foto davon posten. Problem gelöst.




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Dokument erstellt am 2018-12-06 17:05:06


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