• vom 25.01.2019, 17:06 Uhr

Glossen

Update: 28.01.2019, 10:32 Uhr

Patriachat

Patriarchat, baba!




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Von Severin Groebner

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  • Das 21. Jahrhundert wird das Jahrhundert der Frauen. Das zeigt sich dort, wo man es am wenigsten erwartet hätte: in der ÖVP.

Severin Groebner ist Kabarettist, Autor und Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne". Sein neues Buch mit zahlreichen Kolumnen (unter anderem auch aus der "Wiener Zeitung") heißt "Lexikon der Nichtigkeiten" und ist im Satyr-Verlag (Berlin) erschienen.

Severin Groebner ist Kabarettist, Autor und Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne". Sein neues Buch mit zahlreichen Kolumnen (unter anderem auch aus der "Wiener Zeitung") heißt "Lexikon der Nichtigkeiten" und ist im Satyr-Verlag (Berlin) erschienen. Severin Groebner ist Kabarettist, Autor und Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne". Sein neues Buch mit zahlreichen Kolumnen (unter anderem auch aus der "Wiener Zeitung") heißt "Lexikon der Nichtigkeiten" und ist im Satyr-Verlag (Berlin) erschienen.

Eine Woche der Präsentationen liegt hinter uns. Die ÖVP hat ihr Team für die Europawahl vorgestellt und darin befindet sich eine ganz besondere Frau. Karoline Edtstadler heißt sie und kaum ist sie nominiert, sitzt sie schon in ihrer Noch-Funktion als Staatssekretärin im Innenministerium in der ORF-Sendung "Im Zentrum". Dort hilft sie dem unwissenden Fernseh-Volk auf die Beine.

"Patriarchale Strukturen wird es vielleicht noch vereinzelt geben", sagt sie mit Blick auf Österreich, und da fällt es einem wie Schuppen aus den Haaren. Tatsächlich ist das Patriarchat im Land der Berge völlig am Verschwinden. Wenn nur noch Andreas Gabalier von großen Söhnen singt, dann ist das Patriarchat sicher im freien Phallus. Tatsächlich werden ja auch von den neun katholischen Diözesen in Österreich acht von weiblichen Bischöfen geführt, oder von Transgenderpersonen, oder sind das doch...? Schwierig, das Geschlecht kann man bei dem G’wand nicht so genau erkennen. Und dann gibt es noch den Herrn Schwarz, ehemaliger Bischof der Diözese Gurk. Aber dieser - so hat es den Anschein - ist ja auch in weiblicher Hand.


Und weil das Patriarchat so am Vertrocknen ist, hat das Innenministerium auch die "Fallkonferenzen" zwischen Polizei, Juristen und Sozialarbeitern eingestellt und die Gelder für Frauenprojekte gekürzt. Was aber auch logisch ist, wenn man der Argumentation der FPÖ-Amstetten folgt, die ja schon vor sieben Jahren unmissverständlich klargemacht hat, dass Frauenhäuser "Ehen zerstören" würden. Und wer hat das gesagt? Die heutige Stadträtin der FPÖ-Amstetten. Schon wieder eine Frau! Man merke: Sogar die FPÖ ist schon unter matriarchaler Fuchtel. Sieht man schon an diesem "Papa-Monat". Mit so was hätte man sich vor zehn Jahren in der hauseigenen Burschenschaft eigentlich nicht mehr auf drei Bier sehen lassen können.

Aber so sehr das Patriarchat auch erschlafft wie eine Erektion nach erfolgreichem Eiweiß-Ausstoß, ist noch nicht alles Friede, Freude, Mutterkuchen in unserem Land. Denn die zukünftige Ex-Staatssekretärin und Bald-EU-Parlamentarierin, die den unbedarften Betrachter optisch ein wenig an Marylin Manson erinnert, weiß noch mehr: Man habe es mit "einer noch nie dagewesenen Serie an Morden von Frauen" zu tun, sagt sie. Und da hat sie recht. Schließlich hat 2017 auch genau keine einzige Frau ihren Mann umgebracht. Also noch nie dagewesener als gar nicht vorhanden geht es gar nicht. Aber vielleicht hat sie ja auch "an Frauen" gemeint.

Und sie sorgt sich vor österreichischen "Nachahmungstätern", die sich von ausländischen Mentalitäten anstecken lassen. Da weiß sie, wovon sie spricht. Schließlich ist gerade diese Woche ihr Schutzbefohlener, Innenminister Kickl, durch Ansichten über den Rechtsstaat aufgefallen, die er sich irgendwo im Ausland geholt haben muss. In Ungarn vielleicht? In Russland? Gar in der Türkei? Der "Im Zentrum" thematisierte Ansatz "man muss den Täter vor seiner Tat schützen", gilt für dieses Beispiel verwirrter Männlichkeit natürlich erst recht. Leider kann sich die Staatssekretärin darum nicht mehr persönlich bemühen, da sie ja jetzt zur türkisen Europawahl-Kandidatin wurde. Der Bundeskanzler persönlich hat sie dazu bestimmt. Man sieht: Das Patriarchat? Passé.




Schlagwörter

Patriachat, ÖVP, FPÖ

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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2019
Dokument erstellt am 2019-01-25 17:17:35
Letzte Änderung am 2019-01-28 10:32:39



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