• vom 31.01.2019, 16:38 Uhr

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Update: 31.01.2019, 16:56 Uhr

Vereinigte Staaten von Europa

Die EU braucht dringend ihre eigene Fußball- Nationalmannschaft




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Von Claudia Aigner

  • Kunstsinnig
  • Sonst wird das nix mit den Vereinigten Staaten von Europa. Wenn die Leute nicht bald ihre "Stars Without Stripes", kurz "The Stars", kriegen.



Die bekommt meine Stimme bei der EU-Wahl sicher nicht. (Die Claudia Gamon. Von den Neos.) Die will mir die österreichische Staatsbürgerschaft aberkennen, bitte. Ausgerechnet mir. Die ich heute noch alle Europreise in Schilling umrechne. Mein Lieblingsbuch ist außerdem das "Österreichische Wörterbuch". (Noch vor "Bambi".) Österreichischer kann man ja wohl nicht sein, oder?

Eben. Genau das dürfte das Problem sein. Meine übertriebene Vaterlandsliebe ist anscheinend eine Gefahr für ganz Europa. He, haben die Kinder von alleinerziehenden Müttern eigentlich ebenfalls ein Vaterland? (Nicht, dass ich so ein Kind wäre.) Ich bin eine Patriotin, na und? (Und eine Matriotin.) Aber keine Nationalistin. An der Supermarktkassa akzeptiere ich als Wechselgeld also durchaus auch Euromünzen mit ausländischer Rückseite. Okay, den österreichischen Pass hab ich bloß, weil . . . ein Kärntner Pass halt nicht existiert. (Und was ist mit dem Loiblpass?) Und wie der Arnie immer ein Steirer bleiben wird, selbst wenn er Präsident vom Ausland werden sollte, halte ich beim Eishockey natürlich zum KAC und nicht zu den Vienna Capitals. Da kann ich vor noch so langer Zeit nach Wien ausgewandert sein. (Hoffentlich schmeißt mich "Wiener Wohnen" jetzt nicht aus der Gemeindewohnung raus deswegen.)


Ach, ich sollte das mit meiner Staatsbürgerschaft nicht so persönlich nehmen. Immerhin sollen 7.426.386 weitere Personen ihre auch verlieren. Mindestens so viele. Denn inzwischen gibt es garantiert schon mehr. Nämlich Österreicher. In Österreich. 7.426.387 waren’s vor einem Jahr (von 8,8 Millionen Einwohnern insgesamt). Und warum könnten die bald keine Österreicher mehr sein? Wegen der Vereinigten Staaten von Europa. Die Claudia Gamon stellt sich die zumindest so vor: "Das ist dieser Ort, wo ein Kind, dessen Eltern aus Österreich und Frankreich stammen, sich nicht entscheiden muss, ob man Österreicherin ist oder Französin ist, sondern sie ist Europäerin, weil sie hat einen europäischen Pass." Und offenbar eine europäische Staatsbürgerschaft. Moment, ich glaub, die hab ich längst. Auf meinem Pass steht jedenfalls vorne drauf: "Europäische Union", und darunter: "Republik Österreich." Hoppala, ich besitze eine von diesen illegalen Doppelstaatsbürgerschaften! Wenn mir der HC da draufkommt, streicht er mir höchstpersönlich die "Republik Österreich" durch und schiebt mich eigenhändig ab. In die EU. Dabei war ich gegen einen Beitritt. (Und für den Schilling.)

Wenn das tatsächlich was werden soll mit den USE, den United States of Europe, gehören aber endlich die Nationalfeiertage weg. Tage. Plural. Einer reicht. Für alle. (Der 7. Februar? Vertrag von Maastricht?) Das Wiener Schnitzel muss auch schleunigst umbenannt werden. In Brüsseler Schnitzel. Und als ultimative Integrationsmaßnahme: eine einzige Fußballnationalmannschaft für die gesamte EU. Weil wozu noch Ländermannschaften, wenn sämtliche Fußballer Europäer sind? Und die jubelnden Fans schwenken Europafahnen. Gut, jeder Mitgliedstaat wird auf einem eigenen Spieler bestehen. Die rennen dann alle gleichzeitig aufs Feld. Und 27 Trainer schreien derweil durcheinander. (27? Schön wär’s. 500 Millionen Trainer!) Trotzdem: Hätte es so was bereits vor zweieinhalb Jahren gegeben, hätten die Briten vielleicht nie für den Brexit gestimmt.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2019
Dokument erstellt am 2019-01-31 16:50:55
Letzte Änderung am 2019-01-31 16:56:52



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