• vom 07.02.2019, 17:07 Uhr

Glossen


Nichtraucherschutz

Ist Nichtraucher zu sein ein Asylgrund?




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Von Claudia Aigner

  • Kunstsinnig
  • Hawaii kann sich schon einmal auf eine Flüchtlingswelle aus Österrauch vorbereiten. (Tschuldigung: -reich.)



Schön langsam zipft sie mich wirklich an, diese falsch verstandene Toleranz. Nämlich diesen Selbstmordattentätern gegenüber, die einem an jeder Bushaltestelle oder einfach so im Vorbeigehen ihren Todeshauch ins Gesicht blasen. Nein, nicht diese gemeingefährlichen Impfgegner, die dauernd andere Leute anstecken müssen, die . . . ebenfalls nicht geimpft sind. Oder die natürlich auch. Aber in erster Linie die Raucher.

Und die lassen sich echt alles gefallen. Dass man sie mit grauslichen Bildern von abfallenden Zehen und Penissen traumatisiert, bei der ärgsten Kälte vor die Tür jagt, und selbst wenn sie dort auf einem Bein stehen müssten, würden sie nicht aufgeben. Den Tag, an dem in meinem Land die letzte Zigarette ausgetötet wird, werde ich jedenfalls nimmer erleben. Weil ich nicht auf Hawaii daheim bin. Denn da gibt’s einen Abgeordneten, den Richard Creagan, der fest entschlossen ist, die Raucher in die Knie zu zwingen. Heißt das etwa: Verpflichtende Kniebeugen machen beim Qualmen draußen? (Auf einem Bein!) Und weil das höchstens die Navy SEALs derpacken dürften, wäre der 50. Bundesstaat der USA bald komplett rauchfrei? So ähnlich. Aussterben sollen sie, die Raucher. Dafür hat der Demokrat eigens einen Fünfjahresplan ausgearbeitet. (Fünfjahresplan? Ist der Typ ein russischer Schläfer, der das Ende der Sowjetunion verschlafen hat?) Das Mindestalter fürs Tschicken will er schrittweise anheben. Von derzeit 21 auf - 100 (im Jahr 2024). Ob das ein Bestseller wird? ("Der Hundertjährige, der vor die Tür ging und sich seinen ersten Tschick anzündete.") Wer heuer 21 wird, darf bis Silvester rauchen und muss dann 78 Jahre warten, bis er sich am 1. 1. 2098 erneut eine in den Mund stecken darf. Zahlt sich doch gar nicht aus, überhaupt anzufangen. Eben. (Außer man adoptiert eine Hundertjährige als Oma, am besten eine aus Okinawa, wo die Menschen ganz besonders alt werden, und die besorgt einem nachher den Stoff.)


Und wir? Haben nicht einmal einen Fünfzigjahresplan. Für eine rauchfreie Gastronomie. (Pro Jahr ein Sitzplatz weniger im Raucherbereich.) Okay, in den Vereinigten Ländern von Österreich ist das Schutzalter beim Rauchen eh auch hinaufgesetzt worden. Von 16 auf - 18. He, und wie ist das bei Schwangeren mit dem Jugendschutz? Gilt der Bauch als abgetrennter Nichtraucherbereich? Also eigentlich dürften Trafikanten keine Tschick mehr an Raucherinnen im gebärfähigen Alter verkaufen. Ohne Schwangerschaftstest, der negativ ist. Und noch gültig. Die Frauen würden aber selbstverständlich gegen diese Diskriminierung klagen und dann würden halt auch die Männer auf so einen Teststreifen pinkeln müssen. Wegen der Geschlechtergerechtigkeit.

Und wer beschützt jetzt mich vor den paffenden Nachbarn? Sobald ich ein Fenster öffne, werde ich ausgeräuchert. Bestimmt diffundiert dieses Giftgas sogar durch die Wände. Mir wird nix anderes übrigbleiben, als auf Hawaii um Asyl anzusuchen. Schließlich ist mein Leben in meiner Heimat in ständiger Gefahr. Ach, die Hawaiianer werden sowieso nie mit dem Tschicken aufhören. Schon allein aus Angst vor dem Flüchtlingsansturm aus Österreich. Plötzlich würden ja sämtliche Unterzeichner des "Don’t smoke"-Volksbegehrens (881.692 Personen!) auf ihrer kleinen Insel Schutz suchen, und selber sind sie bloß knapp eineinhalb Millionen.




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Dokument erstellt am 2019-02-07 17:14:08



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