• vom 14.10.2009, 16:20 Uhr

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Opernfoyer

Hanslick irrte auch bei Verdi




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Von Norbert Tschulik

  • Giuseppe Verdis "Rigoletto" feiert am Samstag in der Wiener Volksoper Premiere. Das Werk ist zweifellos ein Geniestreich. Aber das stand seinerzeit noch keineswegs fest.

Norbert Tschulik war Kulturredakteur der "Wiener Zeitung" und Dozent für Operngeschichte an der Universität Wien.

Norbert Tschulik war Kulturredakteur der "Wiener Zeitung" und Dozent für Operngeschichte an der Universität Wien. Norbert Tschulik war Kulturredakteur der "Wiener Zeitung" und Dozent für Operngeschichte an der Universität Wien.

Opernfreunden sind die Argumente, die der Wiener Musikkritiker Eduard Hanslick gegen die Werke Richard Wagners ins Treffen führte, wohl bekannt. Doch auch Giuseppe Verdi kam bei ihm nicht zu kurz. Hanslicks Beurteilung des "Rigoletto" gibt ein Beispiel dafür. "Ebenso unheilvoll wie auf die moderne italienische Komposition wirkt Verdis Musik auf die Gesangskunst", lesen wir bei Hanslick. Er gefährde die Stimmen durch seine dicke, lärmende Instrumentalisierung und durch die materielle Natur seiner herausfordernden Effekte, denen auch regelmäßig der Applaus folgt "wie die Trän’ auf die Zwiebel". Für das Schwächste im "Rigoletto" hielt der Kritiker die kokette kalte Figur der Gilda, ihre "Bravourarie aus den steirischen Alpen" und das herabtänzelnde "Addio" in dem Liebesduett wirkten auf Hanslick "geradezu komisch". Immerhin gefiel ihm "das charakteristisch instrumentierte kleine Duett zwischen Rigoletto und dem Banditen am besten".

Tatsächlich: Bis heute fesselt die Musik dieser nächtigen Szene besonders. Doch hält das Werk bis zum Schluss, was es vom ersten Takt verspricht.


Das Publikum war vom Tag der Uraufführung (am 11. März 1851 im Fenice-Theater in Venedig) an begeistert. Die Musikwissenschaft bleib auf Distanz.

Ähnlich wie Hanslick bereitete es ihr Schwierigkeiten, dass im "Rigoletto" die Form der alten Nummernoper aufgegeben ist, Rezitativ, Arie, Solistenensemble und Chor nun die Grundeinheit der musikalischen Szene bilden, zu der die drei Akte zusammenwachsen. Die Erregung über den brutalen Realismus des Stoffes hielt nicht lange an. Das Publikum interessierte sich kaum dafür, dass im Vorfeld Schwierigkeiten seitens der Zensur bestanden: Das "Skandalstück" Victor Hugos ("Le Roi s’amuse"), auf dem das Libretto von Francesco Maria Piave basiert, musste durch Namensänderung der handelnden Personen in politischer Hinsicht entschärft werden.

Die Wiener Erstaufführung fand am 12.Mai 1852 im Kärntnertortheater statt, am 21.April 1860 ging das Werk im Theater an der Wien in Szene, am 27. April 1875 im Ringtheater.

In der Wiener Staatsoper gab es die erste Aufführung am 11. Februar 1871. Die Chronik verzeichnet bis 1945 nicht weniger als 248 Aufführungen, zuerst allerdings zögernd mit 42 Abenden bis 1892. Nur 34 Aufführungen fanden in der Direktionszeit Gustav Mahlers statt, der den "Rigoletto" nie selbst dirigiert hat.

In der Volksoper, die damals Kaiserjubiläums Stadttheater hieß, gab es in der Ära von Direktor Rainer Simons am 13.Dezember 1905 die erste "Rigoletto"-Premiere, der erst am 11.April 1940 eine neue Inszenierung folgte. Damals hieß das Haus Städtische Wiener Volksoper. Sie hatte bis Jänner 1943 den "Rigoletto" 48 Mal auf dem Programm und brachte gleich am 20. Februar 1943 eine komplette Neuinszenierung heraus.

Nach dem Krieg begann in der Staatsoper im Ausweichquartier im Theater an der Wien die große Reihe von 138 "Rigoletto"-Aufführungen (21.April 1946 bis 7.Mai 1955) mit einem legendären Ensemble, unter anderem mit Anton Dermota und Helge Roswaenge, der auch in der Volksopernproduktion der Direktion Franz Salmhofer sang, die es auf 72 Aufführungen (bis 21. Februar 1962) brachte.

An der Staatsoper gab es vom 3.Mai 1958 bis 12.April 1980 160 Aufführungen des "Rigoletto", für deren Regie zuerst Mario Frigerio und ab 3.Februar 1983 Ernst Poettgen verantwortlich zeichneten, bis am 13. März 1983 eine Neuinszenierung durch Sandro Sequi folgte.



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Dokument erstellt am 2009-10-14 16:20:00

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