• vom 06.07.2012, 17:07 Uhr

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Von Severin Groebner

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  • Sommergespräch. Tscharlie und ich trinken in glühender Hitze auf seiner Terrasse G’spritzte. Und lösen nebenbei die großen Probleme der Menschheit.

Severin Groebner ist Kabarettist und Autor, Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne" und sein aktuelles Programm heißt "Der Abendgang des Unterlands". Spieltermine und weiter Informationen unter www.severin-groebner.de

Severin Groebner ist Kabarettist und Autor, Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne" und sein aktuelles Programm heißt "Der Abendgang des Unterlands". Spieltermine und weiter Informationen unter www.severin-groebner.de Severin Groebner ist Kabarettist und Autor, Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne" und sein aktuelles Programm heißt "Der Abendgang des Unterlands". Spieltermine und weiter Informationen unter www.severin-groebner.de

"Das Problem an der Wirtschaftskrise ist ja...", sagt Tscharlie, "...dass sie da ist." komplettiere ich.

"Das auch. Aber vor allem ist ja das Problem, dass nicht mehr ausreichend Arbeit für alle vorhanden ist", führt Tscharlie weiter aus.


"I agree", sage ich und komme mir eine Viertelsekunde weltmännisch vor, weil ich zwei englische Worte, die ich aus einer Comedy-Serie aufgeschnappt habe, fehlerfrei und passend lässig wiedergegeben habe.

"Und da die Staaten alle pleite sind, weil sie ihr Geld den Banken in den Rachen, in die Ohren, den Mund und andere Körperöffnungen geschoben haben..."

"I agree." Hm, beim zweiten Mal funktioniert’s nicht mehr so.

"... haben also die Staaten kein Geld mehr, um die Wirtschaft künstlich zu simulieren."

"Stimulieren!" Ich finde es ganz wunderbar, dass ich nicht nur formal, sondern auch inhaltlich weltmännisch bin.

"However...", sagt Tscharlie und ich spüre, dass ich nicht der Einzige bin, der es heute auf die Goldmedaille der Weltmännischkeit...Weltmännlichkeit? Weltmannigfaltigkeit? ... der Coolness abgesehen hat. "...man muss also die vorhandene Arbeit besser verteilen!"

Sagt Tscharlie und jongliert währenddessen mit kleinen Badeenten, was mich etwas nervt.

"Und wie soll das gehen, eure Fragwürdigkeit?", versetze ich leicht - aber weltmännisch - gereizt.

"Sehen Sie, eure Zweifelhaftigkeit, wer arbeitet immer an Sonn-und Feiertagen? Egal ob Taxifahrer, Supermarktregalbetreuerin oder U-Bahnfahrer? Na? Ausländer und Frauen. Und alle anderen, die schlecht bezahlt werden und es sich daher nicht leisten können, nicht zu arbeiten." - "Ja. Na und?"

"Na und? Eure Einfallslosigkeit, wir werden einfach genau diesen Menschen mehr Arbeit verschaffen, in dem wir viele neue Feiertage einführen! So wie die UNO stets neue Tage für Eier und Drogenmissbrauch weltweit ausruft, werden wir Feiertage einführen für..."

"Für die pfandfreie Leergutflasche?", werfe ich ein.

Tscharlie ist erfreut: "Ah, Sie haben doch noch Fantasie? Schön! Oder ein Feiertag für..."

"Nacken-Tattoos aus unverständlichen chinesischen Schriftzeichen!" - "Sehr gut!"

"Ein Feiertag zum Schutz der überquellenden Altpapiercontainer im Mostviertel!" - "Ja!"

Jetzt war ich voll dabei. "Ein Feiertag zum Gedenken an alte Männer, die bei laufendem Motor im Auto sitzen!" - "Quasi der Feiertag der Prostata-Massage?", schlägt Tscharlie vor.

"However..." Ha! Ich bin in Fahrt. "...es darf auf keinen Fall der Tag für kaputte Hornbrillen fehlen. Und der Tag zur Warnung vor herumliegendem Kinderspielzeug. Und der Tag der Fehlermeldung!" - "Welcher Fehlermeldung?" - "Egal. Jeder Fehlermeldung!" - "Brillant!"

"Und der höchste Feiertag ist natürlich...", und da mache ich eine Pause, "der Feiertag der Weltmännisch... männlich... mannig..."

"Genau!", sagt Tscharlie beglückt, "der Feiertag für den Mann von Welt! Schließlich muss für mich auch ein Tag dabei sein."

Sagt es und lässt alle Badeenten aus der Luft zu Boden fallen.




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Dokument erstellt am 2012-07-06 17:14:04


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