• vom 12.02.2013, 17:15 Uhr

Glossen


Kinderbuch

Ein Henderl spricht Österreichisch




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Von Robert Sedlaczek

  • Sedlaczek am Mittwoch
  • Warum müssen deutsche Kinderbücher immer die Sprachgepflogenheiten des Nordens widerspiegeln? Ein Verleger beweist, dass es auch anders geht.

Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache. Zuletzt ist "Österreichisch für Anfänger" im Verlag Amalthea erschienen, ein heiteres Lexikon, illustriert von Martin Czapka.

Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache. Zuletzt ist "Österreichisch für Anfänger" im Verlag Amalthea erschienen, ein heiteres Lexikon, illustriert von Martin Czapka.

Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache. Zuletzt ist "Österreichisch für Anfänger" im Verlag Amalthea erschienen, ein heiteres Lexikon, illustriert von Martin Czapka.


Wenn Mutter oder Vater dem Kind aus einem Buch vorlesen, stolpern sie immer wieder über Formulierungen, die unserem Sprachgebrauch zuwiderlaufen. Es ist ein Faktum, dass die meisten Kinderbücher aus deutschen Verlagen stammen, die sich dem Sprachgebrauch Norddeutschlands verpflichtet fühlen.

Was soll man dagegen tun? Bisher gab es nur eine Möglichkeit: beim Lesen ad hoc vom (nord-)deutschen Deutsch ins österreichische Deutsch übersetzen. Viele finden es unerhört, dass selbst österreichische Kinderbuchautoren, sogar wenn sie in österreichischen Verlagen publizieren, ihre sprachliche Herkunft verleugnen.


Ein Beispiel hierfür ist das vor einigen Jahren im Residenz-Verlag erschienene Kinderbuch "Die Sache mit dem Grusel-Wusel" von Christine Nöstlinger. Ja genau, die Autorin von so großartigen Bücher wie "Maikäfer flieg!". Wenn im "Grusel-Wusel‘ jemand flucht, dann sagt er "So eine Kacke!", und wenn jemand ein Gespenst bastelt, nimmt er eine alte "Tüllgardine" aus Mamas "Flickenkiste".

Einen jungen, sprachbewussten Vater hat das so geärgert, dass er einen Verlag gegründet hat. Christian Suppan fuhr zur Kinderbuchmesse in Bologna, und es gelang ihm, von einem französischen Verlag die deutschsprachigen Rechte eines weltweit erfolgreichen Kinderbuches zu kaufen. Dieses hat er ins österreichische Deutsch und ins deutsche Deutsch übersetzen lassen - zwei verschiedene Ausgaben für zwei verschiedene nationale Märkte.

Die Bücher "Ein Hendlhof in den Sternen", "Wenn mein kleiner Bruder auf die Welt kommt" und "Um Gockels willen! Irgendwer hat die Sonne gestohlen!" sind in der österreichischen Standardsprache verfasst. Aber der Leser erspart sich Sätze wie "er guckt zu den Sternen hoch". In der Österreich-Ausgabe heißt es "er schaut zu den Sternen hinauf".

Die Geschichten vom Hendl namens Camelito sind von Christian Jolibois verfasst und sie wurden von Christian Heinrich liebevoll illustriert, wobei es sich erfreulicherweise um weich gebundene Bücher in einem nicht allzu großen Format handelt. Diese Ausstattung hat sich in einigen Ländern, wo bereits Lizenzausgaben erschienen sind, bewährt. Klassische deutsche Kinderbücher sind hart gebunden, wesentlich größer und wiegen schwer - warum eigentlich?

Christian Suppan ist aus der Marketingbranche ausgestiegen, um sich ins Verlagsgeschäft zu wagen. Seine Wohnung im 15. Wiener Gemeindebezirk ist sein Verlagsbüro, die Website www.ringelspiel.com ist noch eine Baustelle, aber sie funktioniert bereits als Anlaufstelle, und natürlich kämpft er wie ein Löwe, als Kleinstverlag in möglichst vielen Buchhandlungen vertreten zu sein.

Da es mir eine Herzensangelegenheit ist, die pfiffigen Kinderbücher von Christian Suppan weiterzuempfehlen, möchte ich auch noch einige technische Details erwähnen. Sie sind zum Vorlesen für Kinder ab fünf Jahren bestimmt, zum Selberlesen für Kinder ab sieben Jahren. Wenn sie ihr lokaler Buchhändler noch nicht auf Lager hat, im Internet sind sie bei Thalia, Morawa und Amazon lieferbar.




Schlagwörter

Kinderbuch, Glosse

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Dokument erstellt am 2013-02-12 17:20:12


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