• vom 16.05.2013, 16:45 Uhr

Glossen


Kunstsinnig

Die Böe unter der Sonne




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Von Claudia Aigner

  • Kunstsinnig
  • Wieso ist es auf Schutzwegen so windig? Und kann man Weißes problemlos zusammen mit roten Socken waschen? Ja. Wenn man vorher das Licht löscht.



Irgendwie fühl ich mich wie die Perle vor den Säuen. Da rette ich das Klima praktisch im Alleingang und keiner dankt es mir. Okay, ich bin noch nicht ganz fertig mit dem Retten (für die Sache mit der Erderwärmung brauch ich noch ein paar Wochen), aber trotzdem. Ich komm mir vor wie der Clark Kent, wenn sein Superman-Kostüm grad in der Wäsche ist. Dem sieht man es ja auch nicht an, wozu er wirklich fähig ist. Und würde man es einer Magistra, die noch dazu eine Studierte ist, zutrauen, dass sie sich allen Ernstes eine solarbetriebene Taschenlampe kauft? Gut, in Österreich heißt ein Titel sowieso nix. Bei uns läuft keiner vorne ohne herum. "Herr Ober. . .studienrat, eine Melange, bitte! (Weg issa.) Fräulein? Hallo? Fräulein Doktor? Wir tataten gern bestellen! (Und die is a terisch.)"

Brennt die Taschenlampe eigentlich bloß, wenn’s eh hell ist? Meine neue Klimaanlage, die ebenfalls die Sonnenenergie nutzt, die funktioniert im Finstern jedenfalls nicht. (Während die Erderwärmung mein Schlafzimmer bebrütet.) Und zwicken tut sie auch. Vielleicht hätt’ ich sie doch eine Nummer größer bestellen sollen. Und die Pflegehinweise überfordern mich ein bissl: "Mit ähnlichen Farben waschen." Die Hose (ja, eine Hose) ist nämlich schwarzweiß gestreift. Also womit jetzt waschen? Mit Pastellschwarz? Mit Neongrau? Und soll ich ein Waschmittel mit optischen Aufhellern verwenden oder eins, wo schwarze Magie drinnen ist ("Oh, it’s a Fewa Black Magic!")? Das hängt wahrscheinlich davon ab, ob das eine weiße Hose mit schwarzen Streifen ist oder eine schwarze Hose mit weißen Streifen. He, ich stopf einfach noch ein paar rote und blaue Sachen in die Maschine und mach das Licht aus (und nehm ein Colorwaschmittel). In der Nacht sind eh alle Elefanten grau. Besonders die rosaroten. Grau ist der Nacht ihr Bunt. (Wieso ich da nicht schon früher draufgekommen bin.)


Dass sich bei der Klimaanlage nachts nichts tut, wird niemanden überraschen. Dass sie am Tag arbeitet, das ist das Verblüffende. Dass sie überhaupt irgendwann geht. Tja, Zebratechnologie. Die schwarzen Streifen wärmen sich in der Sonne stärker auf als die weißen und der Temperaturunterschied erzeugt eine kühlende Brise. Aha, deshalb tragen Klavierspieler mitunter Handschuhe. (Fäustlinge nur, wenn sie das aktionistische Stück "Wütendes Zebra verjagt lästige Fliege mit dem Schwanz" aufführen.) Den Windchill-Faktor darf man eben nie unterschätzen. Bei den Zebras haben die Winde obendrein den praktischen Nebeneffekt, dass die Tsetsefliege nicht so leicht landen und das Zebra abstechen kann. (Versuchen Sie einmal, bei Windstärke zehn mit einem Strohröhrl ins Glas zu treffen.) Für Insekten wird ein Lüftchen halt schnell zu Orca, dem Killerwind. Komisch, dass "Täglich Heute" und "Östralien" nix über Sturmschäden auf heimischen Zebrastreifen berichten. ("Chihuahua auf Schutzweg von Böe verweht." - "Frau verliert auf Zebrastreifen Kontrolle über Kinderwagen und überrollt Fuß. Baby und Fuß benötigen psychologische Betreuung.")

Die Solartaschenlampe brennt übrigens im Dunkeln. Wenn ich sie fünf Stunden zum Fenster leg, hat sie dann genug Saft, dass sie mir in der ägyptischen Finsternis meiner Messie-Handtasche den Weg leuchtet, wenn ich nach ihr suche.




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Dokument erstellt am 2013-05-16 16:47:05


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