• vom 20.07.2013, 09:00 Uhr

Glossen


Italien

Von Verboten umzingelt




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Von Irene Prugger

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Urlaub ist die Zeit der Freiheit. Damit man sie so richtig genießen kann, muss man sich an allerlei Verbotsregeln vorbeischummeln. Ich rede nicht von staatlichen Gesetzen und Straßenverkehrsordnungen. Wer will schon als potenzieller Geisterfahrer in den Urlaub reisen!? Ich rede von örtlichen Verordnungen.


Meistens weiß man sowieso, was zu tun und was zu unterlassen ist, und muss sich nicht damit aufhalten, Vorschreibungen in öffentlichen Verkehrsmitteln sowie Hausordnungen in Hotels, Pensionen oder auf Campingplätzen zu lesen. Aber entweder sind die Verbote mehr geworden, die Verbotsschilder größer oder das mahnende Gewissen diverser Obrigkeiten drängt nun eher in mein Bewusstsein, jedenfalls sah ich mich in diesem Urlaub - auf einer italienischen Mittelmeerinsel - von Verboten umzingelt.

Auf der Fähre war es verboten, außerhalb der Kabinen und Pullmansitze zu schlafen. In hilflosem Deutsch stand überall angeschrieben: "Bitte auf die Sofas sich legen nicht!" Meine Güte, da bauen sie eine riesige Schiffsflotte, jedes einzelne Schiff ausgestattet wie eine Luxus-Hotelanlage, und dann schaffen sie es nicht, ein paar Sätze richtig zu übersetzen. Wie kann das sein? Im selben Stil ging es nämlich weiter: "Etwas Gegenstand im WC nicht werfen!", "Kopf in den Pool springen verboten!" Wenn man den Sinn erst einmal entziffert hatte, musste man festellen, dass es sich dabei immerhin um sinnvolle Verbote handelte - vor allem deswegen, weil kein Wasser im Pool war . . .

Es hat sich herumgesprochen, dass Italien inzwischen von Verboten überschwemmt ist. Je nach Region darf man nicht öffentlich küssen, sich nicht auf die Stufen von Museen setzen, nicht mit Holzschuhen klappern, auf der Straße Eis schlecken oder Bier trinken, nasse Badetücher auf den Balkon hängen, laut husten oder am Strand Sandburgen bauen.

Aus Platzgründen kann ich hier nur wenige Punkte der strandlangen Verbotsliste unseres Campingplatzes aufzählen: "Jedwede störende Geräusche und lautes Gelächter sind zu unterlassen!" Was mit störenden Geräuschen gemeint war, blieb der Fantasie jedes Einzelnen überantwortet, aber was ist das für ein Urlaub, wenn man nur hinter vorgehaltener Hand lachen darf!?

Auch das Radfahren gilt als Lärmbelästigung, denn es war ebenfalls untersagt, allerdings nur während der Ruhestunden zwischen 14 und 16 Uhr. Weiters war das Anlehnen von Luftma-tratzen, Rädern oder Gummibooten am Zaun untersagt, das Betreten der Waschräume, während das Reinigungspersonal zugange war, und selbstverständlich durfte man nichts ins Meer werfen. Obwohl es ja auch im Meer Plätze für die Entsorgung gibt, wie etwa die neu entdeckte Plastikinsel oder Bereiche für den Atommüll.

Apropos Plastik: Waren Nylonsackerln in Italien nicht auch einmal verboten? In den Geschäften wurden sie großzügig ausgegeben. Alle Verordnungen für den Sack, sozusagen.

Irene Prugger ,geb. 1959, lebt als Schriftstellerin und freie Journalistin in Mils in Tirol.




Schlagwörter

Italien, Urlaub, Verbote, Extra, Diarium, Glossen

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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2013-07-18 21:38:02
Letzte Änderung am 2013-07-19 12:30:39


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