• vom 10.12.2015, 17:07 Uhr

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Kunstsinnig

Aber Pinguine sind doch nicht bipolar




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Von Claudia Aigner

  • Kunstsinnig
  • Na ja, bis jetzt vielleicht. Doch irgendwann wird es die Pinguine nicht mehr nur am Südpol geben. (Schon einmal was vom Klimawandel gehört?)



Treffen sich ein Eisbär und zwei Pinguine am Nordpol. Das ist jedenfalls kein Witz. Das ist das Ergebnis des 21. Weltklimagipfels. Hab ich in meiner Kristallkugel gesehen.

Die Delegierten werden sich nämlich in letzter Sekunde darauf einigen . . . so weiterzumachen wie bisher. Nächstes Jahr gibt’s sowieso wieder eine Klimakonferenz. Die Bewohner von Tuvalu sollen sich nicht anscheißen, bloß weil der Pazifische Ozean irgendwann einmal, nach der 53. Klimakonferenz oder so, ihre Heimat ertränken wird. Hallo? Das ist das am wenigsten besuchte Land des Planeten. Das wird keinem abgehen. Und die paar tausend Tuvaluer stopfen wir zur Not auch noch in die Erstaufnahmestelle in Traiskirchen rein. Und später schubsen wir sie halt diskret über die bayrische Grenze. Und wo käme man denn da hin, wenn man das Klima bereits heuer retten täte? Zumindest 2016 nicht nach Marrakesch. Oh, die bezaubernden Menara-Gärten . . . Wer möchte da nicht seinen CO2-Ausstoß drosseln? Äh, niemand? Weil womöglich findet der überüberübernächste Gipfel auf Bora Bora statt. Oder in Disney World. (He, ich weiß, wie wir das Klima sanieren! Wir stellen den Verhandlungstisch in die Wüste Gobi! Ohne Klimaanlage!)


Und wie gelangen nun die Pinguine zum Nordpol? Ganz einfach. Sie fliegen. Das sind ja überhaupt keine flugunfähigen Vögel. Die vögeln, Tschuldigung: fliegen einfach unter Wasser. Außerdem haben wir Hercules-Transportmaschinen. Mit denen siedeln wir sie in die Arktis um, damit wenigstens die Eisbären nicht aussterben. Die lauern immer geduldig an einem kleinen Loch im Packeis, und wenn die Robbe zum Luftholen auftaucht, ist das Eis ums Locherl weggeschmolzen und sie müssen zum Essen schwimmen. Gut, anfangs werden sie sich über diese seltsamen Robben mit dem tuntigen aufrechten Watschelgang total abhauen, doch irgendwann werden sie herausfinden, dass die wie Hendl schmecken (und besser runterflutschen als die Eskimos). Pinguine am Nordpol sind also bitterer Ernst. Sollte das trotzdem jemandem komisch vorkommen, liegt das bestimmt an den Drogen (die ich derzeit fleißig einwerfe, weil in meinen Eingeweiden die Post abgeht - da schüttelt offenbar irgendwer hingebungsvoll eine Schneekugel). Unter "Nebenwirkungen" steht immerhin: "Abnorme Veränderungen von Wahrnehmung und Denken."

Was ist das? Es ist rund, zehn Zentimetern groß und seit es sich nimmer in meinem Unterleib befindet, hab ich Bauchweh. Hm. Muss dieser ominöse Phantomschmerz sein. (Nein, ich hab keine Christbaumkugel verschluckt, um mich in Weihnachtsstimmung zu bringen.) Ja, ich hab eh ein schlechtes Gewissen wegen der OP. Während man in Paris verzweifelt versucht, die Erderwärmung wegzudiskutieren, lass ich mir bei einer Laparoskopie den Bauch mit Treibhausgasen aufblasen. Operation gelungen, Klima tot. Ach, Österreich wird seine Klimaziele ohnehin nie erreichen. Bitte, wir sind eine Biertrinkernation. Mit jeder Bierdose, die wir aufmachen (pfft), pumpen wir die Atmosphäre mit CO2 voll.

Okay, eventuell ist das doch keine magische Kristallkugel, die mir geoffenbart hat, dass zwei Pinguine mit einem Eisbären vor der Ortstafel "Nordpol" posieren werden, sondern eine Schneekugel vom Christkindlmarkt. Wurscht. Sicher ist, die Eisbären können bald aufhören, mit diesen blöden T-Shirts herumzulaufen: "No Penguins at the North Pole."




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Dokument erstellt am 2015-12-10 17:11:10


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