• vom 27.05.2016, 13:59 Uhr

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Von Severin Groebner

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  • Das Land ist seit der Bundespräsidentenwahl gespalten. Da sind sich alle einig.

Severin Groebner ist Kabarettist und Autor, Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne" und sein aktuelles Programm heißt "Der Abendgang des Unterlands". Spieltermine und weiter Informationen unter www.severin-groebner.de

Severin Groebner ist Kabarettist und Autor, Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne" und sein aktuelles Programm heißt "Der Abendgang des Unterlands". Spieltermine und weiter Informationen unter www.severin-groebner.de Severin Groebner ist Kabarettist und Autor, Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne" und sein aktuelles Programm heißt "Der Abendgang des Unterlands". Spieltermine und weiter Informationen unter www.severin-groebner.de

Seit Sonntag kursiert im Netz der Witz: "Worauf sich 100 Prozent der Österreicher einigen können: Österreich besteht zu 50 Prozent aus Volltrotteln."

Und das ist traurig. Denn Einigkeit hat in Österreich eine lange Tradition. Historisch betrachtet haben wir stets den kleinsten gemeinsamen Nenner dem vielfach komplizierten Teiler vorgezogen. Wir haben uns schließlich nicht ohne Grund 640 Jahre lang immer von ein- und derselben Schweizer Familie regieren lassen. Wir haben uns auch in Zeiten der religiösen Unübersichtlichkeit an der klaren und eindeutigen Haltung der katholischen Gegenreformation orientiert. Und selbst das demokratische Wechselspiel haben wir durch die Erfindung der einen einzigen und einenden großen Koalition geschickt unserer nach Harmonie strebenden Mentalität angepasst.


So gesehen ist es ja auch kein Wunder, dass die größte Zeitung des Landes "Krone" heißt. Wir haben eben einen Hang zu einförmigen, monarchischen Modellen.

Ein Land, eine Meinung, ein . . . aber lassen wir das.

Umso erschütternder ist die momentane Zerissenheit des Landes. Wissenschaftlichen Untersuchungen zufolge glauben zur Zeit 100 Prozent der Österreicher, dass es sich bei jener Hälfte der Bevölkerung, der sie nicht angehören, um schasaugate, hirnwaache Vollwappler handle, die - wenn man diese Haltung genauer hinterfragt - nicht nur zu deppert zum Scheißen seien, sondern sich obendrein auch noch von den Bilderbergern/Russen ihre Meinung für ein Bussi aufs Bauchi abkaufen ließen. Differenzierter betrachtet kann man sagen, dass die einen glauben, die anderen wären entweder irgendwo auf dem Land in Kuhställen aufgewachsen, wo erst vorgestern die letzte Hexe verbrannt und alle Kinder vom Pfarrer beim Feuerwehrfest gezeugt worden wären, während die anderen glauben, Erstere wären wiederum kryptokommunistische schwul-lesbische Transgender-Drogensüchtige, die sich ihr Loft in der Innenstadt von der internationalen Finanzindustrie bezahlen ließen. Weit verbreitet ist auch die Einschätzung, dass die jeweils andere Hälfte ausschließlich aus gehirngewaschenen Extremdillos bestünde, die Weltmeister im "300-Meter-Deppert-schauen" wären und sich ihre Weltanschauung von rechtsextremen, katholischen Kellernazis oder von hacknstaden, jüdisch-moslemischen Terrorpaten aus den USA ungefragt aufs Frühstückssemmerl schmieren ließen.

Zur Lösung dieses Problems wäre eine gesunde Mischung aus Gnackwatschen, Umerziehungslager und Lachyoga von Nöten. Freilich unterlegt mit "ana guaden Musi", wobei die einen drunter Andreas Gabalier, die anderen aber Conchita Wurst verstünden.

Richtig einig waren sich alle Befragten lediglich darin, dass es erstens "Marille", "Obers" und "Fleischlaberl" heiße (und nicht "Aprikose", "Sahne" und "Frikadelle"), dass man zweitens Schnitzel nie, nie, niemals mit Sauce essen dürfe, dass man drittens arbeite, um zu leben (und nicht umgekehrt) und - zu guter Letzt - dass Deutschland nicht auch noch Fußball-Europameister werden solle.

Es gibt also noch Hoffnung.




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Dokument erstellt am 2016-05-27 14:02:04


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