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Update: 18.01.2017, 11:26 Uhr

Sedlaczek am Mittwoch

Chia, Acai, Quinoa und Co.




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Von Robert Sedlaczek

  • Unter dem Begriff Superfood werden Lebensmittel aus fernen Ländern zusammengefasst. Ob sie gesund sind, ist umstritten.

Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache. Zuletzt ist "Österreichisch für Anfänger" im Verlag Amalthea erschienen, ein heiteres Lexikon, illustriert von Martin Czapka.

Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache. Zuletzt ist "Österreichisch für Anfänger" im Verlag Amalthea erschienen, ein heiteres Lexikon, illustriert von Martin Czapka.

Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache. Zuletzt ist "Österreichisch für Anfänger" im Verlag Amalthea erschienen, ein heiteres Lexikon, illustriert von Martin Czapka.


Das Wort ist schon etwas älter, aber frequent ist es erst seit dem vergangenen Jahr: Superfood. Gemeint sind Früchte und Samen aus fernen Ländern, sie sollen uns vor Krebs, Herzinfarkt und Alzheimer bewahren. Es geht um Chia, Acai, Quinoa, Goji - geheimnisvoll klingende Namen von Lebensmitteln, die in Bioläden und in größeren Supermärkten zu finden sind.

Wo sind die Zeiten, als das, was gut schmeckt, auf den Tisch kam. Heute kommt das, was gesund ist, auf den Tisch - oder besser gesagt: angeblich gesund ist. Auch Jamie Oliver ist auf den Zug aufgesprungen, er versucht die Synthese zwischen den beiden Anschauungen. Als Slogan klingt das dann so: "Sie sollen sich nicht gesund ernähren, weil es sein muss, sondern weil es schmeckt!" Der fromme Wunsch jedes Gourmets. Chia-Samen sind das Musterbeispiel von Superfood. Die Früchte des Gewächses aus der Gattung der Salbeipflanzen dienten bereits den Mayas und Azteken als Nahrungsmittel. In Europa wurden die Samen bis vor wenigen Jahren vor allem als Tierfutter verwendet, erst seit 2013 sind sie als Lebensmittel zugelassen. Wenn sich schon die aztekischen Läufer damit stärkten, muss es ja auch uns guttun! Manchmal werden die Samen sogar als Kraftnahrung angepriesen.
Die unabhängige Medizinplattform "Gute Pillen - schlechte Pillen" untersuchte den Nährwert. 15 Gramm Chia-Samen enthalten nur so viel Eiweiß wie neun Gramm Emmentaler-Käse, die Menge an Vitamin-C findet sich in einer Mini-Portion Apfel von zwei Gramm und die Menge an Magnesium steckt in zwei Scheiben Mischbrot. Eine Vermarktung als "Superfood" sei Humbug und der Verkauf in teuren Portionsbeuteln als "Chia Shot" mit dem Slogan "für mehr Vitalität und Wohlbefinden" könne man nur als Geschäftemacherei klassifizieren. Die Früchte und Samen sind Lebensmittel wie andere auch, aber ohne Eigengeschmack und viel teurer. Häufig sind sie verunreinigt, wie das Magazin "Konsument" herausfand. "Bei Chia-Samen gibt es Hinweise auf den Einsatz von Unkrautvernichtungsmitteln, die in Europa verboten sind. Bei chinesischen Goji-Beeren wurden schon mehrfach hohe Pestizidbelastungen festgestellt." Hinzu kommt eine verheerende Umweltbilanz: Superfood wird über tausende Kilometer mit dem Schiff, dem Flugzeug oder dem Lkw zu uns gebracht. Superfood verursacht gewaltige Emissionen, Superfood schädigt unsere Umwelt. Dabei wäre es einfach, auf unser eigenes Superfood zurückzugreifen: auf rote Rüben, Blaukraut, Brombeeren, Heidelbeeren - so die Konsumentenschützer. Damit bekommt das Wort Superfood eine positive Bedeutung. Es müssen ja nicht immer Lebensmittel aus fernen Ländern sein. Am besten, wir kaufen direkt beim lokalen Bio-Bauern ein oder bei den Vermarktungsfirmen der Bauern. Eine von diesen, die sich "Adamah" nennt und deren Produkte zum Beispiel in Wien an Freitagen oder Samstagen auf Marktständen angeboten werden, definiert sich "über den guten Geschmack und den guten Geruch" ihrer Produkte. Das heimische Obst, Gemüse und Fleisch, den feinen Schinken und Käse, den geräucherten Saibling kann man sich mit einem
"Biokisterl" liefern lassen.
Heimisches Superfood mit Haus- oder Bürozustellung.




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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2019
Dokument erstellt am 2017-01-17 16:38:03
Letzte Änderung am 2017-01-18 11:26:04


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