• vom 16.02.2017, 16:03 Uhr

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Kunstsinnig

Ohne Göd ka Marie




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Von Claudia Aigner

  • Kunstsinnig
  • Warum die Bankomaten bald einen Münzschlitz brauchen werden.



Schon wieder muss ich meine Kolumne mit den Worten "Schon wieder" beginnen. Schon wieder dürfen die Konsumenten nämlich voraussichtlich mehr blechen. Diesmal fürs Geld. Aber eh nicht für das gesamte Geld. Nur fürs Bargeld.

Es geht also um den Geldscheißer, vulgo "Bankomaten". Ein bissl was vom Konto abheben, das kann man halt noch immer nicht online. Bequem von zu Hause aus. Ein paar Euro am eigenen Drucker "beheben". Und bis dahin bleibt Bargeldfetischisten wie mir eben bloß der Bankomat. Tja, ich bin nun einmal eine Ungläubige. Für mich existiert mein Geld erst, wenn es in meiner Hand real wird. Ich glaube nicht an meinen Kontostand, diese virtuelle Zahl, die noch dazu schnell verblasst, seit die Kontoauszüge aus Thermopapier sind. Thermopapier? Ist das nicht gefährlich? He, spuckt so was nicht auch jede Supermarktkassa aus? Die Lügenpresse verschweigt der Bevölkerung offenbar konsequent Schlagzeilen wie: "Kassazettel explodiert - Brieftasche jetzt atomar verstrahlt", "Super-GAU im Supermarkt", oder: "Hund fällt plötzlich Fell aus - Frauerl war einkaufen und hat ihn danach gestreichelt." A so: Thermopapier. Nicht Thermonuklearpapier.


Jedenfalls brauch ich dieses Wunder der Papierwerdung, muss mit eigenen Augen sehen, wie sich die Marie materialisiert. (Um mit der Materie gleich ins nächste Geschäft zu laufen, obwohl sie dort garantiert eine Bankomatkassa haben.) Und so eine Marienerscheinung wird vielleicht bald überall kostenpflichtig. (Was? Das ist Diskriminierung von Andersgläubigen!) Die Bundeswettbewerbsbehörde (BWB) lehnt zumindest ein Verbot von Bankomatgebühren ab. Der freie Wettbewerb werde das schon regeln. Bestimmt. Sobald endlich alle welche eingeführt haben, kann der Kunde zu dem Geldinstitut wechseln, das ihm sein eigenes Geld am billigsten verkauft. Ist trotzdem irgendwie asozial? Na ja, die BWB hat sich die Sache im Auftrag des Finanzministeriums angeschaut, nicht im Auftrag des Sozialministeriums!

Außerdem wird hier überhaupt nicht über Bankomatgebühren diskutiert. Meiner Schwester zum Beispiel erscheint die Maria, Tschuldigung: Marie, neuerdings nur noch einmal pro Monat gratis, für jede weitere Epiphanie sind 39 Cent fällig. (Seit die Bawag eine "Sortimentsbereinigung" durchgeführt und die alten Kontomodelle entsorgt hat.) Und ihr hat man gesagt, das wäre das "Entgelt für Automatentransaktionen". Also wozu die künstliche Aufregung? Die Bankomatgebühren, wie sie der Bankomatbetreiber Euronet längst einkassiert, kämen da dann übrigens noch dazu. (Zum Glück hab ich keine "KontoBox small". Ich hätt’ jedes Mal Panik, wenn’s an der Tür läutet. Dass ein Bankräuber draußen steht, der von mir verlangt, dass ich ihm meine Matratze und alle Strümpfe aushändige. Denn natürlich würde ich mir bei meiner einzigen Gratisbehebung genug Bares holen, dass ich damit einen Monat lang auskomme. Und die Zinsen, die mir die Bank zahlt, krieg ich von der Matratze allemal.)

Muss jetzt in sämtliche Geldautomaten ein Münzschlitz hineingemacht werden? Weil wo sollte man sonst vor der Transaktion das Entgelt oder die Gebühr oder beides einwerfen? (Na super. Was uns der Spaß wohl wieder kosten wird.) Und wenn man kein Bargeld dabei hat? Ach, ich bin sicher, man kann auch mit Karte zahlen.




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Dokument erstellt am 2017-02-16 16:08:07


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