• vom 25.06.2017, 11:00 Uhr

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Fuchs und Katz




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Von Stefanie Holzer


    Stefanie Holzer, geboren 1961, lebt als Schriftstellerin in Innsbruck.

    Stefanie Holzer, geboren 1961, lebt als Schriftstellerin in Innsbruck.

    Wenn Familienmitglieder des Abends ohne exakte Angaben zu den Fragen Wohin?, Wie lange? und Mit wem? ausgehen, dann ist es an den Daheimgebliebenen, sich latent Sorgen zu machen. Man wünscht den Ausgegangenen einen vergnüglichen Abend und ist doch erst ruhig, wenn die Betreffenden wieder zu Hause sind. Was tun die? Wem begegnen sie? Es laufen so viele merkwürdige und regelrecht verrückte Leute herum, dass man nicht anders kann, als sich zu sorgen. Diese Art Sorge macht man sich allerdings keineswegs nur bei menschlichen Familienmitgliedern. Katzenhalter wissen, wovon ich spreche. Meine Katzen verschlafen nach Möglichkeit den ganzen Tag, um am Abend munter und fit mit unbekanntem Ziel in die Nacht abzutauchen. Was werden sie schon tun? Mäusen auflauern, Igel trietzen oder Feldmäuse belästigen . . .

    Im weltweiten Netz las ich auf einschlägigen Seiten über Befürchtungen, Füchse träten harmlosen kätzischen Nachtstreunern zu nahe. Füchse werden im Netz für das Verschwinden von Katzen verantwortlich gemacht. Ich kenne diese Vorwürfe und kann doch nicht recht glauben, dass Reinecke Fuchs sich eine im Ernstfall doch ziemlich wehrhafte Katze als Beute wählt. Es ist unökonomisch, sich einen Gegner zu suchen, der einen selber verletzen kann.


    Jüngst beobachtete ich jedoch eine Szene, die mir das Verhältnis Fuchs-Katze in neuem Licht erscheinen lässt: Auf der Wiese vor unserem Haus saß unser Kater Maxi und lauerte auf eine Maus. Etwa 25 Meter entfernt stand ein Fuchs und stierte ebenfalls in ein Mausloch. Ich holte die Kamera, um dieses Bild der Eintracht festzuhalten. Als ich wiederkam, hatten jedoch beide ihre Position verlassen: Unser Kater hatte sich dem Fuchs auf etwa drei, vier Meter genähert. Blieb der Fuchs stehen, hielt auch der Kater inne. Doch dann ging Maxi weiter, weswegen er dem langsam dem Wald zustrebenden Fuchs immer näher kam.

    Ich fürchtete, dass dem Fuchs jede Sekunde der Geduldsfaden reißen könnte, da lief mein Sohn E. zu Maxis Rettung vor dem bösen Fuchs auf die Wiese - und dieser floh. Aus dieser wundersamen Szene habe ich gelernt, dass der Fuchs Katzen nicht gern angreift. Er hätte sich zu einem Kampf nur herbeigelassen, wenn Maxi ihn weiter herausgefordert hätte. Der Fuchs verhielt sich also berechenbar. Schockiert bin ich über meinen molligen schwarzen Kater, der nicht selten bei mir im Bett schläft. Er ist nicht nur ein Raubtier, das Vögel und Mäuse killt, sondern ein an Überwertigkeitsgefühlen laborierender Raufbold. Nie hätte ich ihm zugetraut, dass er den Fuchs aus seinem Revier vertreibt. Was denke ich mir nun, wenn der Kater abends länger ausbleibt?




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    Dokument erstellt am 2017-06-22 17:32:09


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