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Update: 09.08.2017, 15:06 Uhr

Seldlaczek am Mittwoch

Es ist nicht so, wie es scheint




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Von Robert Sedlaczek

  • Sedlaczek am Mittwoch
  • Wer glaubt, dass der Duden das amtliche Wörterbuch der deutschen Sprache ist, der ist einem Irrtum aufgesessen.

Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache. Zuletzt ist "Österreichisch für Anfänger" im Verlag Amalthea erschienen, ein heiteres Lexikon, illustriert von Martin Czapka.

Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache. Zuletzt ist "Österreichisch für Anfänger" im Verlag Amalthea erschienen, ein heiteres Lexikon, illustriert von Martin Czapka.

Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache. Zuletzt ist "Österreichisch für Anfänger" im Verlag Amalthea erschienen, ein heiteres Lexikon, illustriert von Martin Czapka.


Nun ist es wieder passiert. Der Duden-Verlag bringt eine erweiterte Ausgabe seines Rechtschreibwörterbuches heraus - mit 5000 zusätzlichen Wörtern -, und einige österreichische Medien tun so, als wäre darin der offizielle Wortschatz der deutschen Sprache vermerkt.

Das stimmt nicht. Erstens ist der Duden kein offizielles Organ, sondern ein Unternehmen der Cornelsen Verlagsgruppe, eines großen deutschen Schulbuchverlags. Wenn der Rat für deutsche Rechtschreibung, bestehend aus Vertretern der Länder mit deutscher Sprache, etwas vorhüpft, dann muss der Duden nachhüpfen. Das ist eben geschehen. Der Rechtschreibrat hat vor kurzem entschieden, dass Majonäse nicht mehr als richtig gilt, es wird nur noch Mayonnaise akzeptiert. So bleibt dem Duden nichts anderes übrig, als Majonäse zu streichen. Die Basis der deutschen Rechtschreibung, das Regelwerk und das Wörterverzeichnis, kann sich übrigens jeder auf rechtschreibrat.com herunterladen. Zweitens gilt: Welche Wörter der Duden zusätzlich aufnimmt, liegt in seiner Ingerenz -
es könnten auch wesentlich mehr oder wesentlich weniger als 5000 sein.


Zu berücksichtigen ist auch die sprachliche Sonderstellung Österreichs. Einen amtlichen Charakter hat bei uns das Österreichische Wörterbuch, es wird auch an den Schulen verwendet und steht in vielen Haushalten. Im ÖWB ist der österreichische Sprachgebrauch fixiert - ebenfalls auf Basis der Rechtschreibregeln. Außerdem entscheidet die Leiterin der Wörterbuchredaktion gemeinsam mit einem Gremium namhafter Wissenschafter, welche Wörter bei uns als umgangssprachlich zu klassifizieren sind und welche Wörter nur regional verwendet werden.

Wenn also ein Ö3-Moderator meint, ein österreichischer Schüler bekommt in einem Aufsatz das Wort Majonäse als Fehler angestrichen, weil es jetzt nicht mehr im Rechtschreib-Duden steht, dann ist er der Duden-Marketingabteilung auf den Leim gegangen. Da das gesamte Wörterbuch ohnedies auf duden.de abrufbar ist, muss viel Tamtam gemacht werden, damit sich die Buchausgabe in großer Stückzahl verkauft.

Vermutlich wird es auch dieses Mal nicht lange dauern, bis konservative Sprachpfleger die Aufnahme von englischen Lehnwörtern wie Tablet, Selfie oder liken anprangern. Dadurch würden diese Wörter - so die Kritiker - durch den Duden sanktioniert werden. Sie werfen also dem Duden vor, dass er die Entwicklung der Sprache beobachtet und darauf reagiert - ein kurioser Vorwurf.

Sprachpfleger argumentieren nicht deskriptiv, sondern normativ, sie wollen einen alten Sprachzustand erhalten. Ihr Gottseibeiuns sind die Anglizismen. Dass diese in den Wörterbüchern aufscheinen, ist jedoch durchaus sinnvoll. Die Leute wollen nachschauen, wie man die neuen Wörter schreibt und welches grammatikalische Geschlecht sie haben.

Damit man mich nicht falsch versteht: Auch mir gehen die Anglizismen in Zeitgeistmagazinen und Modejournalen auf die Nerven. Aber ich lehne es ab, eingeführte englische Wörter mit Krampf zu übersetzen. Für Tablet wird beispielsweise von Sprachpflegern das Wort Flachrechner empfohlen - den Ausdruck Tablet wird das wenig kratzen.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2017-08-08 16:45:04
Letzte Änderung am 2017-08-09 15:06:04


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