• vom 26.09.2017, 16:17 Uhr

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Update: 27.09.2017, 13:51 Uhr

Sedlaczek am Mittwoch

Bessere Noten für geschlechtergerechte Sprache




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Von Robert Sedlaczek

  • Sedlaczek am Mittwoch
  • Die Volksanwaltschaft bezeichnet dies als "Missstand" und appelliert an das Bildungsministerium, diese Praxis aufzugeben.

Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache. Zuletzt ist "Österreichisch für Anfänger" im Verlag Amalthea erschienen, ein heiteres Lexikon, illustriert von Martin Czapka.

Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache. Zuletzt ist "Österreichisch für Anfänger" im Verlag Amalthea erschienen, ein heiteres Lexikon, illustriert von Martin Czapka.

Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache. Zuletzt ist "Österreichisch für Anfänger" im Verlag Amalthea erschienen, ein heiteres Lexikon, illustriert von Martin Czapka.


Der Sachverhalt ist vor zwei Jahren virulent geworden: Durch eine parlamentarische Anfragebeantwortung wurde publik, dass an einzelnen Fachhochschulen gendergerechtes Formulieren vorgeschrieben wird. Wer sich nicht daran hält, kann auf zweierlei Art diszipliniert werden: Er bekommt nicht jene Note, die ihm aufgrund einer fachlichen Beurteilung seiner schriftlichen Arbeit zustünde, sondern eine schlechtere. Oder die Arbeit wird zur Korrektur zurückgewiesen, also gar nicht beurteilt.

Später stellte sich heraus, dass derartige Vorschriften auch auf pädagogischen Hochschulen gelten. An den Universitäten gibt es subtilere Methoden, das Binnen-I oder Schreibungen mit Schrägstrich, Sternchen oder Unterstrich durchzusetzen. In manchen Richtlinien für die Abfassung schriftlicher Arbeiten findet sich ein Kapitel "stilistische Empfehlungen" - dort wird die Einhaltung der Gender-Richtlinien gefordert.


Viele Studenten betreiben auch vorauseilenden Gehorsam. Sie schauen nach, ob ihre Lehrkraft in ihren Publikationen gendert; tut sie es, dann wird ebenfalls gegendert. Was sollen sie auch machen, wenn später ihre Arbeit kritisiert wird? Die Gender-Vorgaben basieren ja nicht auf einer gesetzlichen Grundlage. Die Schulbuchverlage wiederum werden über die Approbation angehalten, in ihren Büchern zu gendern. Dabei sollten die Schüler und Studenten doch auf das genderlose Berufsleben vorbereitet werden.

Beim Gendern geht es also längst nicht mehr darum, wie ein Autor seinen Text gestaltet. Den Studenten, ja sogar den Schülern, wird das Gendern explizit oder implizit vorgeschrieben. Dabei zeigt ein Blick in die Printmedien, seien es Zeitungen, Magazine oder Bücher, dass sich das Gendern nicht durchgesetzt hat.

Univ.-Prof. Werner Doralt bezog in einem Beitrag für "Die Presse" klar Position: "Weder eine Studienkommission noch die einzelne Lehrkraft hat die Legitimation, über die deutsche Sprache eigene Vorschriften zu erlassen, und noch weniger haben sie das Recht, Gendern verbindlich zum Inhalt der deutschen Sprache zu erklären. An den Hochschulen wird damit auch das gesetzlich gewährleistete Recht auf Lernfreiheit verletzt."

Nun hat erstmals die Volksanwaltschaft gefordert, dass die Verwendung des "Binnen-I" und ähnlicher Formen nicht mehr als Beurteilungskriterium herhalten darf. In einer "Missstandsfeststellung", die seit wenigen Tagen im Internet abrufbar ist, wird darauf hingewiesen, dass das Gendern in den Rechtschreibregeln nicht vorgesehen ist - vollständige Paarformen seien selbstverständlich zulässig. "Es muss aber auch auf didaktische Erfordernisse Rücksicht genommen werden. Schließlich darf das geschlechtergerechte Formulieren nicht zur Erschwerung der eigentlichen Aufgabenstellung führen." Das bedeutet nicht, dass die Volksanwaltschaft gegen die Gleichstellung von Mann und Frau ist. Aber sie bezweifelt zu Recht, ob diese "durch die Sichtbarmachung von Frauen" in Texten hergestellt werden kann.

Am Schluss der "Missstandsfeststellung" heißt es lapidar: "Das Bundesministerium für Bildung folgte den mit diesen Beanstandungen verbundenen Anregungen der Volksanwaltschaft nicht."




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2017-09-26 16:21:04
Letzte Änderung am 2017-09-27 13:51:04


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