• vom 04.10.2017, 16:02 Uhr

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Update: 09.10.2017, 16:22 Uhr

Maschinenraum

Teure Taschenspielereien




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Von Walter Gröbchen

  • Maschinenraum
  • Wozu bedarf es hochgezüchteter digitaler Audio-Player, wenn jedes Smartphone Musik abspielt? Eine Fortsetzung.



Je hochgezüchteter, komplexer, featuregeladener - und damit, nolens volens, teurer - technische Gebrauchsgegenstände werden, ohne die wir den Alltag kaum mehr meinen, bewältigen zu können, desto größer werden die Fragezeichen. Soll ich mir wirklich das neue iPhone X leisten?

Die Frage ist mehr als berechtigt: Das Ding kostet so viel wie eine Waschmaschinen-Trockner-Kombination. Gut, werden Sie sagen, man muss die Inflation einpreisen, man sollte nicht mehr in Schilling umrechnen und, ja, man möge bedenken, um wie vieles leistungsfähiger die Geräte doch geworden sind. Andererseits: Mit der Massenfertigung in modernen Sklavenfabriken in China ist auch der Herstellungspreis drastisch gesunken. Und demnächst sitzen respektive stehen da sowieso nur noch Roboter rum. Solange man nicht auf reinen Distinktionsgewinn aus ist - in Wien nannte man das früher "Einedrahn" -, gilt die schlichte Regel: Sollte das Smartphone vornehmlich zum Telefonieren dienen, tut es auch ein uraltes Nokia (oder der aktuelle, nicht unoriginelle Retro-Nachbau). Schon allein, weil der Akku doppelt oder dreimal so lange hält. Möchte man aber viele speicherhungrige Apps installieren, elegant im Internet surfen oder hochklassige Fotos schießen, ist das Beste vom Besten durchaus eine Überlegung wert. Wenn man es sich leisten kann, im Fall des Verlusts kurz mit der Schulter zu zucken und sich ein neues Exemplar zu kaufen.


Interessanterweise stellen sich ähnliche Fragen, wenn man auf höchste Audio-Qualität aus ist. Ich trage seit einigen Woche - nicht immer, aber immer öfter - einen Mediaplayer namens FiiO X5 III mit mir herum. Das schnuckelige Ding, etwas dicker und schwerer als ein durchschnittliches Smartphone, ist eigentlich ein Android-Handy, mit dem man fast alles machen kann - außer Telefonieren. Sprich: Beim Betriebssystem handelt es sich um eine abgespeckte, angepasste Android-Version, die sich in einen "Pure Music"-Modus umschalten lässt. Mit 2,4 Ghz WiFi, Bluetooth 4.0 mit aptX und einem audiophilen vollsymmetrischen Aufbau im Inneren (samt Dual-Digitalkonverter) strebt man klar die technische Oberliga an. Und, ja, dieser "High Res"-Player - gedacht nicht für schnöde MP3-Dateien, sondern hochauflösende Formate - klingt wirklich superb. Im Gegensatz etwa zum Apple iPhone X hat der FiiO auch eine ordentliche Kopfhörerbuchse und, noch weit erfreulicher, kann mit austauschbaren Speicherkarten ordentlich und kostengünstig hochgerüstet werden. Das Gerät selbst gilt für einen solch exzeptionellen Audio Player als vergleichsweise preiswert. Günstig ist es trotzdem nicht. Alles paletti also? Ja. Und nein. Denn zwei Dinge machen mich doch innerlich etwas unrund. Erstens: Plötzlich schleppe ich - nicht immer, aber immer öfter - zwei teure Teile durch die Gegend. Beide können (fast) dasselbe. Zweitens erscheint mir mein altes iPhone mit seinen Musik-Talenten auch nicht gänzlich veraltet. Soll ich mir wirklich den FiiO X5 III leisten? Zuwarten auf die nächste oder übernächste Generation erledigt das Problem von selbst.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2017-10-04 16:06:04
Letzte Änderung am 2017-10-09 16:22:28


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