• vom 19.12.2017, 16:15 Uhr

Glossen

Update: 27.12.2017, 16:38 Uhr

Sedlaczek am Mittwoch

So spricht man in Österreich über den Advent




  • Artikel
  • Kommentare (4)
  • Lesenswert (11)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Robert Sedlaczek

  • Sedlaczek am Mittwoch
  • Wörter in Kombination mit dem Bestandteil Advent- werden bei uns traditionell ohne Fugen-s gebraucht. Das sollte auch der ORF so halten.

Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache. Zuletzt ist "Österreichisch für Anfänger" im Verlag Amalthea erschienen, ein heiteres Lexikon, illustriert von Martin Czapka.

Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache. Zuletzt ist "Österreichisch für Anfänger" im Verlag Amalthea erschienen, ein heiteres Lexikon, illustriert von Martin Czapka.

Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache. Zuletzt ist "Österreichisch für Anfänger" im Verlag Amalthea erschienen, ein heiteres Lexikon, illustriert von Martin Czapka.


Unlängst habe ich auf Ö3 ein Kurzinterview mit Haimo Godler, dem Chefsprecher des ORF, gehört. Die Moderatorin flehte ihn um eine Sprachregelung an. Man sei verwirrt, einmal höre oder lese man Adventskalender, dann wieder Adventkalender. "Was ist jetzt richtig?" Für mich klingt Adventskalender fremd und Adventkalender vertraut. Dasselbe gilt auch für andere Komposita dieser Art.

Der Oberösterreicher Jakob Ebner hat sie im "Duden"-Band "Wie sagt man in Österreich?" penibel aufgezählt: "Adventbeleuchtung, Adventfeier, Adventgottesdienst, Adventkranz, Adventlied, Adventmarkt, Adventsammlung, Adventsingen und Adventsonntag." Das Prinzip wird konsequent durchgezogen. Probieren Sie es einmal aus!


Die Varianten mit Fugen-s klingen in unseren Ohren merkwürdig. Ich hätte also erwartet, dass Haimo Godler in etwa so reagiert: "In Österreich heißt es Adventkalender, in Deutschland Adventskalender. Auf Ö3 sollten wir Adventkalender sagen." Und er hätte auch gleich einige andere Beispiele bringen können, die genauso funktionieren. Der ORF-Chefsprecher antwortete allerdings anders: "In Österreich heißt es Adventkalender. Aber in einigen Tälern Vorarlbergs sagt man Adventskalender. Also beides ist richtig." Beides ist richtig? Erstens geht es nicht um die Frage, ob etwas falsch oder richtig ist. Es geht um den in Österreich üblichen Gebrauch. In der Schweiz sagt man Adventskalender, und das strahlt auch nach Vorarlberg hinein, vermutlich in einige Täler. Abgesehen davon ist in ganz Österreich Adventkalender gebräuchlich.

Die öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt Österreichs sollte daher in ihren landesweiten Programmen den in Österreich überwiegenden Sprachgebrauch pflegen. Und Haimo Godler sollte dies den Redakteuren und Moderatoren als Richtschnur vorgeben. Sein Vorgänger als Chefsprecher des ORF, Herbert Dobrovolny, hätte nicht einen Moment gezögert, dies zu tun. Gleichzeitig sei es den Mitarbeitern von ORF-Vorarlberg unbenommen, Adventskalender zu sagen. Dass die Ö3-Moderatoren beim Adventkalender unsicher werden, ist verständlich. In den Supermärkten finden sie nur noch Adventskalender - aus Deutschland importiert. Vermutlich käme niemand auf die Idee, Adventsgottesdienst oder Adventskranz zu sagen. Deutsches Deutsch oder österreichisches Deutsch? Diese Frage ist dann besonders heikel, wenn es um Wörter aus dem Bereich der Religion geht. Wir akzeptieren zwar, dass in den Kaufhäusern die rot gekleideten und bärtigen Weihnachtsmänner das Geschäft ankurbeln, aber zuhause ist es schon noch das Christkind, das die Geschenke bringt. Wenn das engelhafte Wesen seine Arbeit erledigt hat, hören die Kinder den Klang eines Glöckleins. Aber das Christkind fliegt so rasch durch das Fenster davon, dass es die Kinder nie zu Gesicht bekommen. Die Kerzerln, die das Christkind noch schnell angezündet hat, brennen übrigens nicht auf einem Weihnachtsbaum, sondern auf einem Christbaum.

Es ist leider so: Der Adventskalender dringt von allen Seiten auf uns herein. Während ich diesen Beitrag schreibe, hat mir das Korrekturprogramm x-mal den Adventkalender rot unterstrichen. Weil angeblich ein Buchstabe fehlt.




Schlagwörter

Sedlaczek am Mittwoch, Glosse

4 Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2017-12-19 16:20:04
Letzte Änderung am 2017-12-27 16:38:47


Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. ÖGB droht mit Generalstreik, falls permanente Sommerzeit kommt
  2. Redewendungs-
    verdrehungen
  3. Man bringe den Spritzwein!
  4. Kleiner Raufbold
  5. ÖSDSOF
Meistkommentiert
  1. 2001: Odyssee im Alltag
  2. Als Godot endlich gekommen ist, war Schrödingers Katze schon tot
  3. Demokratie auf Abwegen
  4. ÖGB droht mit Generalstreik, falls permanente Sommerzeit kommt
  5. Redewendungs-
    verdrehungen

Werbung




Werbung