• vom 22.12.2017, 16:06 Uhr

Glossen

Update: 29.12.2017, 14:14 Uhr

Glossenhauer

Feed the world - Let them know they’re Austrians




  • Artikel
  • Kommentare (4)
  • Lesenswert (22)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Severin Groebner

  • Glossenhauer
  • Zumindest im Fußball ist es selten, dass ein Doppelpass zu einem Eigentor wird.

Severin Groebner ist Kabarettist und Autor, Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne" und sein aktuelles Programm heißt "Der Abendgang des Unterlands". Spieltermine und weitere Informationen findenSie unter: www.severin-groebner.de Alle Beiträge dieser Rubrik unter: www.wienerzeitung.at/ glossenhauer

Severin Groebner ist Kabarettist und Autor, Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne" und sein aktuelles Programm heißt "Der Abendgang des Unterlands". Spieltermine und weitere Informationen findenSie unter: www.severin-groebner.de Alle Beiträge dieser Rubrik unter: www.wienerzeitung.at/ glossenhauer Severin Groebner ist Kabarettist und Autor, Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne" und sein aktuelles Programm heißt "Der Abendgang des Unterlands". Spieltermine und weitere Informationen findenSie unter: www.severin-groebner.de Alle Beiträge dieser Rubrik unter: www.wienerzeitung.at/ glossenhauer

Um die allgemeine Freude und Euphorie über die neue Regierung nicht größer werden zu lassen, als es sich ob des herannahenden Weihnachtsfestes geziemt, haben sich die Spitzen unser aller Volksführerschaft was ganz Besonderes einfallen lassen: Sie handeln. Und zwar nach dem vor allem am Land und in Kleingartensiedlungen sehr beliebtem Motto: "Was brauch i an Weihnachtsfrieden, wann i dafia mein Nochborn ans einewiagn konn?" Denn anstatt dem Ansinnen so mancher unausgeschlafener Südtiroler Politiker, die österreichische Staatsbürgerschaft auch den Südtirolern zugänglich zu machen, ein herzliches "Und wo bist du eigentlich genau angrennt?" zu entgegnen, wird von Kanzler und Vizekanzler herumlaviert, dass der Regierung in Rom schon die Grausbirnen gen Himmel fahren.

Aber selbstverständlich steckt auch hinter dieser scheinbaren außenpolitischen Maximal-Holunderei eine langfristige, bis ins Detail durchdachte Strategie. Denn nicht nur die Südtiroler sollen heim ins Österreich geholt werden, sondern nach und nach auch alle anderen armen, verwirrten, seit 1918 auf der Landkarte der Welt heimatsuchenden Ethnien. Denn wenn wir was können, dann ist es Heimat. In Heimat simma Wödmasta. Deshalb werden demnächst auch Slowenen, Kroaten, Ungarn, Tschechen, Polen und - neben den Südtirolern - alle anderen Italiener in den Genuss der österreichischen Staatsbürgerschaft kommen. Was sagst du, Trump? America first? Geh was! Austria Förster! So geht das, du pfälzer Ziegelscheißer. Apropos Pfalz: Natürlich werden auch die Bürger der früheren vorderösterreichischen Lande im heutigen Baden-Württemberg staatsbürgerlich eingepasst. Und haben nicht "wir" auch die letzten römisch-deutschen Kaiser gestellt? Also, Piefke, ihr werdet jetzt gleich anständig eingeösterreichert. Zwischen Füssen und Flensburg wird bereits die korrekte Aussprache von "Ohrwaschelkaktus" geübt. Bei konsequenter Umsetzung des panaustriakischen Gedankens zeigt sich auch dessen enormes Friedenspotenzial. Flamen vs. Wallonen? Auch Belgien hat doch einmal "uns" gehört, also: Österreichischer Pass, und a Ruh’ is. Barcelona vs. Madrid? Bitte, für uns sind das alles nur "spanische Erblande", also werfen wir großzügig Hilfspakete in Form von Staatsbürgerschaften ab. Dasselbe gilt natürlich auch für fast ganz Lateinamerika, Franz-Josephs-Land und die Ukraine. (Potenzielle Konflikte mit Russland wird jene Regierungspartei mit dem Partnerschaftsabkommen mit der Kremlpartei sicher bei einem großen Glas Wodka beilegen können.) Und führten die österreichischen Kaiser nicht auch den Titel "König von Jerusalem"? Eben. Nahost-Konflikt? Vorbei.


Schließlich ist "Österreicher-Sein" der höchste Status, den ein Mensch auf Gottes Erden juristisch überhaupt erlangen kann.

Doch halt! Gerechtigkeit muss sein. Natürlich werden auch alle Altösterreicher sämtliche Staatsbürgerschaften der Neuösterreicher erhalten. Dann betritt der austriakische Ureinwohner - noch mit vor Neugier leicht zitterndem Fuße - eine ihm unbekannte Welt: das Ausland. Denn heute sind wir noch Österreich - aber morgen die ganze Welt. In diesem Sinne: Schöne Bescherung!




4 Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2017-12-22 16:11:06
Letzte Änderung am 2017-12-29 14:14:05


Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Der Lärm der Welt
  2. Nachruf auf ein Museum
  3. Selfie mit Kardinal
  4. Wien verschärft das Kinderhaltegesetz
  5. Die Wähler haben Watschen ausgeteilt
Meistkommentiert
  1. Namen sind ein einziger Datenschutz-Skandal
  2. Wien verschärft das Kinderhaltegesetz
  3. Der Lärm der Welt
  4. Autonomes Autofahren

Werbung




Werbung