• vom 26.01.2018, 18:08 Uhr

Glossen

Update: 29.01.2018, 09:27 Uhr

Glossenhauer

Nichts ist, wie es scheint




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Von Severin Groebner

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  • Fake, Hoax und Schummelei, wohin man blickt. Was stimmt denn eigentlich noch wirklich?

Severin Groebner ist Kabarettist und Autor, Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne" und sein aktuelles Programm heißt "Der Abendgang des Unterlands". Spieltermine und weiter Informationen unter www.severin-groebner.de

Severin Groebner ist Kabarettist und Autor, Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne" und sein aktuelles Programm heißt "Der Abendgang des Unterlands". Spieltermine und weiter Informationen unter www.severin-groebner.de Severin Groebner ist Kabarettist und Autor, Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne" und sein aktuelles Programm heißt "Der Abendgang des Unterlands". Spieltermine und weiter Informationen unter www.severin-groebner.de

Große Ereignisse haben nicht immer die größte Presse. So wurde im Jahr 2000 erstmals ein Computerchip erfolgreich mit einer Zelle verbunden. Publizistisch hat sich das allerdings nur in einer Sechs-Zeilen-Meldung niedergeschlagen. Gut, man hatte damals auch anderes zu tun. Wir hatten damals etwa eine Regierung, in der eine rechtsextreme Partei saß, und das hat ganz Europa verstört. Das kann uns heute nicht mehr passieren. Also, dass das Europa verstört.

Doch wird wieder sehr viel Publizität in der neuen Regierung gebunden: Ob der Innenminister jetzt Flüchtlinge "konzentriert halten" will, ein FPÖ-Funktionär unbedingt "88" auf seinem Wunschkennzeichen haben möchte oder die Burschenschaft, in der der niederösterreichische FPÖ-Spitzenkandidat Mitglied ist, Lieder singt, bei denen "Germanen" aufgefordert werden, "Gas zu geben", auf dass man noch die "siebte Million" schaffe, es wird groß darüber berichtet. Da geht daneben unter, dass es mittlerweile auch für Laien nahezu problemlos möglich ist, Videos mittels künstlicher Intelligenz zu manipulieren. Auf diese Möglichkeit haben einige sichtlich nur gewartet: Schon tauchen im Netz Sexfilme mit berühmten Schauspielerinnen auf, die in den dargestellten Szenen sicherlich nie mitgewirkt haben. Andererseits genießen die echten Pornodarstellerinnen jetzt die Möglichkeit, alles inkognito zu drehen, weil am Ende eh ein anderes Gesicht zu sehen ist.

Aber was heißt das für die politische Berichterstattung? Wie geht man mit Videos auf der FPÖ-Homepage (oder heißt das Heimatseite?) um, die zeigen, wie Bruno Kreisky in der Wahlkabine sein Kreuzerl bei den Freiheitlichen macht? Wie soll man es bewerten, wenn im Internet ein Video kursiert, auf dem der gesamte Akademikerball zur Internationalen tanzt? Und auch wenn das Video, in dem Herbert Kickl die Türken vor Wien 1683 zurückschlägt, millionenmal geliked wird, ist es auch echt? Oder doch die andere Version mit Sebastian Kurz? Und das Filmchen, in dem Norbert Hofer die österreichische Präsidentenwahl gewinnt, anschließend in der Tschechoslowakei einmarschiert, um dann vom Belvedere "Österreich ist frei" zu verkünden, kann das die ganze Wahrheit sein? Gerade jetzt, wo es diesen Film gibt, der zeigt, wie Udo Landbauer und seine Haberer von der Germania KZ-Häftlinge befreien?

Gut, die Technik könnte natürlich auch Probleme lösen: Michael Ludwig und Andreas Schieder könnte man so bequem zu einem einzigen neuen Wiener Bürgermeister Andreas Ludwig formen. Oder noch besser: Egal, wer gewinnt, man setzt ihm einfach das Gesicht von Michael Häupl auf.

Konservativ nehmen sich dagegen die Ansätze der niederösterreichischen Volkspartei aus: Johanna Mikl-Leitner etwa hat eine Zwillingsschwester, die ihr verblüffend ähnlich sieht. Das heißt, man kann sich eigentlich nie wirklich sicher sein, wer gerade das Land Niederösterreich regiert.

Aber natürlich gibt es Grenzen. Irgendwann wird es einfach unglaubwürdig. Wenn in HC Straches Büro eingebrochen wird und Abhörwanzen installiert wurden, dann weiß man sofort: Das ist ein Fake. Denn diesem Mann hört niemand gerne zu. Auch nicht, wenn er singt.





Schlagwörter

Glossenhauer, Fake-News, Videos, FPÖ, ÖVP, SPÖ

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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-01-26 18:11:10
Letzte ńnderung am 2018-01-29 09:27:09



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