• vom 09.02.2018, 18:05 Uhr

Glossen

Update: 22.02.2018, 14:02 Uhr

Glossenhauer

Ein Grund, historisch zu werden




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Von Severin Groebner

  • Glossenhauer
  • Die FPÖ möchte ihre Geschichte aufarbeiten. Also eigentlich aufarbeiten lassen. Gute Idee.

Severin Groebner ist Kabarettist und Autor, Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne" und sein aktuelles Programm heißt "Der Abendgang des Unterlands". Spieltermine und weiter Informationen unter www.severin-groebner.de

Severin Groebner ist Kabarettist und Autor, Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne" und sein aktuelles Programm heißt "Der Abendgang des Unterlands". Spieltermine und weiter Informationen unter www.severin-groebner.de Severin Groebner ist Kabarettist und Autor, Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne" und sein aktuelles Programm heißt "Der Abendgang des Unterlands". Spieltermine und weiter Informationen unter www.severin-groebner.de

Gespannt wartet die Republik dieser Tage auf jene Köpfe, die die Freiheitlichen nominieren werden, um sich in die eigenen Innereien schauen zu lassen. Das ist der Vorteil einer Partei gegenüber dem normalen Bürger: Eine Partei kann sich ihren Internisten selbst zusammenbasteln. Und das 200 Jahre nach Mary Shelleys "Frankenstein". Die Österreichische Hochschülerschaft möchte jetzt schon, dass Lothar Höbelt der Historikerkommission über die FPÖ-Vergangenheit nicht angehört. Ist auch irgendwie logisch, da der Mann ja selber zur Geschichte der Partei gehört.

Dafür kann man schon vor dem geistigen Auge sehen, wie die FPÖ-Spitze wohl in Bälde hochkarätige internationale Köpfe bei einer Pressekonferenz präsentieren wird: David Irving zum Beispiel. Ein Mann, den Vizekanzler Heinz-Christian "Hör mich ab!" Strache als Historiker und "Bestsellerautor" vorstellt, der schon ein sehr lustiges Buch über ein Wiener Hotel geschrieben haben soll. Ein Buch, das er, Strache, auch bald einmal lesen wolle. Die Replik Irvings, dass er nicht John heiße, geht im Blitzlichtgewitter unter.


Weiters im Team: Horst Mahler. Für Innenminister Herbert "konzentrierte Haltung" Kickl ein Mann, der der freiheitlichen Gesinnungsgemeinschaft als ehemaliger RAF-Anwalt sicher nicht zu unkritisch gegenüber steht. Leider wisse man aber noch nicht, wie man ihn aus der Haft (verurteilt wegen Volksverhetzung in Deutschland) freibekommen könne.

An Infrastrukturminister Norbert "Das hat nichts mit Umfärbung zu tun" Hofer wird es dann sein, den wohl bekanntesten Teilnehmer der Kommission der Öffentlichkeit zu präsentieren: Mahmud Ahmadinedschad. Ein Mann, so könnte Hofer vielleicht anschließend ausführen, mit dem er viel gemein habe. Etwa: Er war schon Staatspräsident, Hofer wäre es gern. Und wichtig für die Arbeit der Kommission wäre Ahmadinedschad, weil er einen "ganz anderen, außereuropäischen" Blick auf die Sachlage einbringen könnte.

Und zu guter Letzt könnte auch Richard Williamson von der Piusbruderschaft in diese illustre Runde berufen werden, für Johann Gudenus ein Mann, der wie kein anderer für die Verteidigung des christlichen Abendlandes stehe - auch wenn er exkommuniziert worden sei.

Von so einem Spitzenteam darf man dann natürlich auch exorbitante Ergebnisse erwarten. Durchaus denkbar, dass man zum Schluss kommt, die FPÖ sei eine "ganz normale" Partei, die sich vor allem durch aktiven Schutz von Minderheiten (Serben im Kosovo oder Wein trinkende Grönländer) auszeichne. Obendrein sehr demokratisch, weil sie seit 2005 denselben Vorsitzenden habe und sich auch immer selbst als "sehr demokratisch" bezeichnet habe.

Auch rechtes oder gar rechtsextremes Gedankengut finde man in der Partei nicht, schließlich sei ein Großteil der Funktionäre und auch der Wähler am häufigsten auf der Autobahn auf der ganz linken Spur anzutreffen. Einen Persil-Schein könne er der FPÖ nicht ausstellen, so ein Kommissionsmitglied bei der Präsentation des Abschlussberichtes, aber einen Ariel-Zettel auf jeden Fall. Großes Gelächter im Auditorium. Kein Grund für Historie also.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-02-09 18:08:24
Letzte Änderung am 2018-02-22 14:02:28


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