• vom 16.02.2018, 17:07 Uhr

Glossen

Update: 23.02.2018, 12:08 Uhr

Glossenhauer

Wollt Ihr die totale Satire?




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Von Severin Groebner

  • Glossenhauer
  • Schon gewusst? Adolf Hitler war die deutsche Antwort auf Charlie Chaplin. Hat mir ein regierender Satiriker erzählt.

Wenn es bei den Freiheitlichen um Humor geht, dann geht es gerne hoch her. Die jahrelangen satirischen Gehversuche dieser Fun-Party in der Öffentlichkeit (FPÖ) sind gut dokumentiert. Wir erinnern uns:
Vor Jahren haben Herbert Kickl und Jörg Haider noch gestritten, wer den Westentaschen-Napoleon und wer den Ariel mit Dreck am Stecken erfunden hat, danach war nicht klar, in welchem Karnevalsverein HC Strache drei Bier bestellen wollte, und schließlich erklärte Johann Gudenus nach als Auslandsreisen getarnten Witzen, wie schön es in Tschetschenien oder auf der Krim ist. Humoristisch lässt sich die FPÖ immer etwas Neues einfallen.

Daher ist der letzte humoristische Vorstoß ("Es gibt einen Ort, wo Lügen zu Nachrichten werden", dazu ein Bild von Armin Wolf) als weiteres Highlight in Straches Humoristenkarriere zu sehen. Schließlich war das doch alles noch nie wirklich ernst gemeint. Nehmen wir nur die Anbiederung der FPÖ an die Wählerschichten der Arbeitnehmerschaft. Hand aufs Herz: Das war ein Witz. Oder glauben Sie wirklich, das ein Haufen sich gegenseitig Runen ins Gesicht schnippelnder Burschenschafter sich für die Arbeiter im Außerfern, in Simmering oder in der Obersteiermark interessiert? Na? Eben. Aber wenn der Witz so leicht reingeht, macht man ihn einfach noch einmal. Und noch einmal. Und noch einmal. So lange, bis alle glauben, dass er wahr ist. Hat schon der "größte Büttenredner seiner Zeit" (© Archiv der Burschenschaft Olympia) Josef Goebbels so gemacht.


Also kann man sich jetzt auch einmal ein bisschen entspannen. War doch alles nicht so gemeint.

Nehmen Sie nur den Herrn Innenminister. Wenn der gerade in Bayern die berittene Polizei bewundert, hat das nichts damit zu tun, dass er als kleiner . . . also als junger Bub gern General bei der Südstaaten-Kavallerie gewesen wäre. Nein. In Kickl schlummert nun einmal ein kleiner Zirkusdirektor. Das sieht man auch an seinen Plakat-Slogans. Da wirft man ihm "Daham statt Islam" noch Jahre später vor und übersieht ganz, dass der einfühlsame Extremkomiker die Slogans "Lieber Zysten als Christen" und "Duden statt Juden" im Sinne der Völkerverständigung verworfen hatte. Aber irgendwas musste ja auf dem Plakat stehen. Hätte man nur HC plakatiert, hätte sich das doch keiner länger als eine Schrecksekunde angeschaut.

Und sein Parteifreund Norbert Hofer färbt den ÖBB-Vorstand nicht aus politischer Überzeugung um, sondern aus reinem Spaß an der Freud’. Die Staatsbahnen als "practical joke" also. Warum sitzt sonst jetzt ein Hersteller von Wärmepumpen im ÖBB-Aufsichtsrat, wenn nicht, um klarzumachen, dass da sowieso nur heiße Luft produziert wird? Na? Erkennen Sie den Schmäh? Hofer hat er so gefallen, dass er sofort ein rotes Kapperl aufgesetzt hat. Gut, der setzt sich gerne Kapperln auf.

Man muss sich die gesamte FPÖ einfach als große Faschingsgilde vorstellen. Die wollen einfach nur Spaß haben, Scherze treiben, Unsinn machen, "a rechte Gaudi" haben.

So erklärt sich auch dieser enorme Wahrnehmungsunterschied: Was von außen wie Faschismus aussieht, ist parteiintern nur Fasching. Die einzige Frage, die dann bleibt, ist freilich: Was macht so eine Spaßpartei eigentlich in der Regierung?




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-02-16 17:11:33
Letzte Änderung am 2018-02-23 12:08:28


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