• vom 22.02.2018, 16:00 Uhr

Glossen


Don't smoke

Dann gäbe es sie vielleicht wirklich: die Nichtraucher




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Von Claudia Aigner

  • Kunstsinnig
  • Und es müsste nicht einmal ein generelles Rauchverbot in der Gastronomie her. Das wird sowieso total überbewertet.



Jeder weiß, wie schlimm das Rauchen ist. Steht schließlich auf den Tschickpackln drauf. "Rauchen verstopft Ihre Arterien." ("Na und? Die Kunst is ma so wos von wuascht.") "Rauchen mindert Ihre Fruchtbarkeit." ("He, erspar i ma die Pille. Von der nimm i eh so zua.") "Rauchen verursacht 9 von 10 Lungenkarzinomen." ("Und des zehnte kriegt da Nichtraucher. Wenn kana mehr tschicken tät, würden nur mehr die Nichtraucher am Lungenkrebs sterben. Verbietet ma des Nedrauchen donn a?")

Das Nichtrauchen ist aber auch nicht grad gesund. Wegen der vielen Raucher überall. Dauernd bläst einem so einer, so ein Amokraucher, seinen Todesatem ins Gfrieß. (Trafikanten sind eigentlich Waffenhändler. Und ihre Massenvernichtungswaffen gibt’s sogar aus dem Automaten. Voll arg.) Wahrscheinlich existieren diese ominösen Nichtraucher, die man unbedingt schützen will, ja nicht einmal. Kennen tu ich zumindest bloß Raucher und Passivraucher.


Drum bin ich sehr, sehr froh, dass die Regierung das Anliegen der zahlreichen Unterstützer des "Don’t smoke"-Volksbegehrens ernst nehmen will. Um es nachher komplett zu ignorieren. Dass sich Türkis-Blau also nicht vom Volk dazu nötigen lässt, das totale Rauchverbot in der Gastronomie doch nicht zu kippen. Vom Volk nämlich, das plötzlich mitregieren will, obwohl es von niemandem gewählt worden ist. Außerdem sind die Leute offenbar ein bissl überfordert mit der direkten Demokratie. Einige glauben gar, das wäre ein Anti-FPÖ-Volksbegehren. (Trotteln.) Ach, und ein dickes Lob an die ÖVP. Oder ist das jetzt die NVP? (Neue Volkspartei.) Jedenfalls ist es toll, wie sie zum Koalitionspartner hält. Dass sie mit ihm gemeinsam und in letzter Sekunde noch verhindern will, dass das blöde Gesetz, das sie mit ihrem vorherigen Lebensabschnittspartner beschlossen hat, im Mai in Kraft tritt.

Als Passivraucherin, die ständig zum Husten kommt wie die Jungfrau zum Kind (äh, durch Adoption?), bin ich natürlich schon für ein generelles Rauchverbot. Aber bestimmt nicht in der Gastronomie. Die Wirte sollen ruhig weiterhin ihre Gaskammern betreiben dürfen. Setz ich mich halt in "meinen" Bereich. Draußen soll das Qualmen aufhören. Im Schanigarten? Ja. Und auf dem Gehsteig, in der Fußgängerzone, auf dem Balkon . . . Dann gäbe es sie vielleicht wirklich: die Nichtraucher. (Gut, meinetwegen könnte man auch ein paar eingezäunte Raucherauslaufzonen einrichten, in denen die Raucher herumtollen und mit ihren Artgenossen spielen können.) Weil wenn man den Rauchern einfach nur die Sitzplätze wegnimmt, stehen sie eben. Vor der Tür. Und dort verpesten bereits die Autos meine Luft. Obwohl ich selber nicht einmal einen Führerschein hab.

Im Auto dürften sie übrigens eh. Paffen. Die Raucher. Sofern alle Fenster schön zu sind. Und bloß Erwachsene an Bord sind. Denn im Regierungsprogramm steht was von einem Jugendschutz. Tja, Tschick sind bald nimmer jugendfrei und das beinhaltet auch ein Passivrauchverbot. (Und wer kontrolliert die ganzen Ausweise?) Den Schwangeren müsste halt wer sagen, dass ein Uterus kein separater Nichtraucherbereich ist.

Und das Servierpersonal? Erstickt derweil? Nein, das wird sicher Kurse im Luftanhalten besuchen müssen. Also Apnoe-Kellnern lernen. Oder es kommt eine Gasmaskenpflicht. Keine Ahnung. (Bin ich die Regierung?)




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Dokument erstellt am 2018-02-22 16:05:31


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