• vom 23.02.2018, 17:39 Uhr

Glossen

Update: 26.02.2018, 11:08 Uhr

Glossenhauer

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Von Severin Groebner

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  • "Sie wissen nicht, was sie tun", steht in der Bibel. Es könnte aber auch ein Motto für so manche Sportveranstaltung sein.

Severin Groebner ist Kabarettist und Autor, Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne" und sein aktuelles Programm heißt "Der Abendgang des Unterlands". Spieltermine und weiter Informationen unter www.severin-groebner.de

Severin Groebner ist Kabarettist und Autor, Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne" und sein aktuelles Programm heißt "Der Abendgang des Unterlands". Spieltermine und weiter Informationen unter www.severin-groebner.de Severin Groebner ist Kabarettist und Autor, Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne" und sein aktuelles Programm heißt "Der Abendgang des Unterlands". Spieltermine und weiter Informationen unter www.severin-groebner.de

Dass der Glossenhauer nicht die Heimstätte der Sportberichterstattung ist, dürfte dem geneigten Leser schon aufgefallen sein. Dennoch gibt es Ereignisse in der Welt des Sports, die so faszinierend sind, dass man nicht anders kann, als sie mit vor Erstaunen offenem Mund zu betrachten. Olympia zum Beispiel. Nein, es geht nicht schon wieder um Burschenschaften. Gemeint ist vielmehr die Leistungsschau der internationalen Pharmaindustrie, die zurzeit in Südkorea stattfindet.

Unzählige Disziplinen gibt es da, die von unzähligen undisziplinierten Zuschauern wohlwollend betrachtet werden. Die Österreicher freuen sich über Marcel Hirscher, die Deutschen über den Biathlon, die Russen . . . naja. Die sind eben so. Wenn man dem ungeschriebenen Lexikon des internationalen Vorurteils glauben darf: Die schlucken alles. Wie Fanta. Weil es Spaß macht und schmeckt. Einerseits klar, bei dem Präsidenten, da hat man auch viel runterzuspülen. Andererseits: Curling? Im Ernst, Curling? (Falls Sie nicht wissen, worum es sich hier dreht: Curling ist eine Sportart, bei der erwachsene Menschen sich auf einer Eisfläche benehmen wie eine verrückt gewordene Putzfrau auf Koks in einem Charlie-Chaplin-Film. Nur in Farbe.)


Da reibt man sich doch verwundert die Augen. Selbst im Curling wird gedopt. Wenn da schon geschummelt wird, was kommt als Nächstes? Worauf kann man sich da noch verlassen?

Stellt sich womöglich demnächst heraus, dass IOC "Internationales Organhandel-Cartell" heißt, weil es heimlich Körperteile von Athleten, die es nicht auf das Stockerl geschafft haben, in alle Welt an notleidende, pensionierte Sportfunktionäre verscherbelt? Oder ist Helene Fischer eigentlich gar kein Mensch, sondern ein Cyborg, der von einer außerirdischen Superrasse abgeworfen wurde, um die Menschheit mittels Akustikwaffen für immer zu versklaven? Wenn ja, warum tanzt sie dann noch dazu? Und ist die Waffenlobby NRA in den USA in Wahrheit eine zutiefst philanthropische Organisation, die das Problem der weltweiten Überbevölkerung mit einem extrem radikalen Ansatz in den Revolvergriff zu bekommen versucht? Wenn im Curling gedopt wird, dann ist alles möglich.

Vielleicht ist Donald Trump eigentlich ein Intellektueller, der französische Lyrik des 19. Jahrhunderts liest? Ist Recep Tayyip Erdogan ein Menschenfreund, dessen einziges zentrales Anliegen es ist, für ausreichend Beschäftigung der gelangweilten türkischen Justizvollzugsbeamten zu sorgen? Lebt Christian Kern heimlich als Gewichtheber? War Johann Gudenus wirklich in den 1980ern KPÖ-Mitglied, weswegen er heute noch so gut Russisch kann? Ist Sebastian Kurz nicht 31, sondern bereits knappe 600 Jahre alt, heißt eigentlich Vlad III. Dracul, und das Geheimnis seines jugendlichen Aussehens ist . . . nein. Jetzt wird es albern. Und Albern ist in Wien immer noch ein Stadtteil. Mit Hafen.

Vielleicht ist es doch viel einfacher. Olympia zeigt uns die Grenzen der menschlichen Leistungsfähigkeit. Einerseits die körperlichen. Bei jedem Wettbewerb andere. Andererseits die geistigen. Denn wer bei Curling schummelt, der . . . äh?

Und das ist ja das Faszinierende am Leistungssport: Man versteht eigentlich nicht, warum die das tun.




Schlagwörter

Glossenhauer, Olympia, Sport, Curling

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-02-23 17:44:31
Letzte Änderung am 2018-02-26 11:08:32


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