• vom 06.04.2018, 17:13 Uhr

Glossen

Update: 06.04.2018, 17:21 Uhr

Glossenhauer

Zeig mir Deine Freunde, und ich sag Dir, wer Du bist




  • Artikel
  • Lesenswert (23)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Severin Groebner

  • Glossenhauer
  • Ungarn wählt dieses Wochenende ein neues Parlament. Da kommt Freude auf. Aber wo?

Severin Groebner ist Kabarettist und Autor, Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne" und sein aktuelles Programm heißt "Der Abendgang des Unterlands". Spieltermine und weitere Informationen findenSie unter: www.severin-groebner.de Alle Beiträge dieser Rubrik unter: www.wienerzeitung.at/ glossenhauer

Severin Groebner ist Kabarettist und Autor, Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne" und sein aktuelles Programm heißt "Der Abendgang des Unterlands". Spieltermine und weitere Informationen findenSie unter: www.severin-groebner.de Alle Beiträge dieser Rubrik unter: www.wienerzeitung.at/ glossenhauer Severin Groebner ist Kabarettist und Autor, Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne" und sein aktuelles Programm heißt "Der Abendgang des Unterlands". Spieltermine und weitere Informationen findenSie unter: www.severin-groebner.de Alle Beiträge dieser Rubrik unter: www.wienerzeitung.at/ glossenhauer

Die österreichische Staatsspitze reist gerade nach China. Es wird dabei wohl mehr um Wirtschaftsfragen gehen und weniger um Menschenrechte. Schließlich bräuchte man, um ein autoritäres System in Augenschein zu nehmen, nicht so weit fahren. Da kann man auch einfach einen Abstecher in den Nahen Osten machen. Also in den ganz nahen Osten. Nach Ungarn etwa. Dort regieren . . . nein . . . führen Viktor Orbán und seine "Fidesz" genannte Partei das Land. "Fidesz" ist eine Abkürzung und bedeutet "Bund junger Demokraten". Das ist natürlich ein Witz. Orbán ist 55, also sicher nicht mehr jung. Und Demokrat . . .? Sagen wir: Wenn Wladimir Putin einer ist, dann ist Orbán auch einer. Allerdings: Wer Putin für einen Demokraten hält, glaubt auch, Donald Trump sei Feminist.

Ansonsten ist Orbán total sympathisch. Er macht Mediengesetze, die Ägyptens Al-Sisi nicht schöner hätte formulieren können, lässt Obdachlose juristisch vertreiben und erfreut sich an einem Vertragsverletzungsverfahren der EU. Und zwar so, dass der Kaczynski sich vor Freude auf den Bauch trommelt. Apropos EU: Wer als Organisation in Ungarn mehr als 24.000 Euro aus dem Ausland erhält (das "Ausland" ist ein Schreckgespenst für kleine Kinder und Menschen, die noch an den Osterhasen glauben), muss sich als "ausländisch finanziert" deklarieren. Nach diesem Maßstab sind freilich Orbán und seine Regierung "ausländisch finanziert", da sie um einiges mehr als die oben erwähnten paar Netsch aus dem EU-Budget erhalten.

So was wird der Vickerl freilich gar nicht gern hören. Deswegen hat er auch im Wahlkampf gesagt, nach der Wahl werde man sich "Genugtuung" verschaffen. Schön, freundlich, angenehm . . . aber wie nennt man so eine Wortwahl? Heiratsversprechen? Ostersegen? Oder doch "plumpe Gewaltandrohung"? Zutreffendes bitte mit der rechten ausgestreckten Hand ankreuzen.

Apropos Geschichte: Der Viktor bedient sich gerne in der Geschichte. Dort findet er Osmanen, Habsburger und Sowjets, deren Herrschaft stets vom ungarischen Volk abgeschüttelt wurde. Und sonst hat er Angst vor den gewalttätigen, plündernden, kulturfremden Invasoren. Wobei "gewalttätig, plündernd und kulturfremd" eine sehr gute Definition für die Angehörigen eines Reitervolks ist, das im 10. Jahrhundert von der pannonischen Tiefebene aus Raubzüge durch ganz Europa unternahm. Wie hießen die bloß? Ach ja: Ungarn. Was Orbán da also sieht, ist nicht Ungarns Zukunft, sondern die eigene Vergangenheit.

Apropos Raubzüge: Das FBI vermutet, dass ungarische Banken, an denen Freunde von Orbán mehrheitlich Anteile halten, unterschlagene EU-Fördergelder über Wien, den internationalen Diamantenhandel und arabische Banken zurück nach Ungarn geschmuggelt haben, um dort Schlösser und Luxushotels zu bauen. Es handelt sich also um Vicky und die reichen Männer.

Kurzum: Dieser Mann möchte jetzt gerne wiedergewählt werden. Gute Freunde hat er ja. Hierzulande haben sich bekanntlich Kanzler und Vizekanzler schon vor der Wahl gestritten, wer der bessere Haberer von dem Pusztapaten ist. Da fällt einem doch Franz Beckenbauer ein, der da sang: Gute Freunde kann niemand trennen.





Schlagwörter

Glossenhauer, China

Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-04-06 17:18:02
Letzte Änderung am 2018-04-06 17:21:52


Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Im Museum der Zukunft
  2. Wien verschärft das Kinderhaltegesetz
  3. Was soll das Kind bitte einmal nicht werden?
  4. Am unteren Ende der Turf-Kette
  5. Die Wähler haben Watschen ausgeteilt
Meistkommentiert
  1. Wir dürfen die Nichtraucher nicht gewinnen lassen
  2. Denk mal!
  3. Wien verschärft das Kinderhaltegesetz
  4. Rucola und Gabalier
  5. Autonomes Autofahren

Werbung




Werbung