• vom 26.04.2018, 15:52 Uhr

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Update: 26.04.2018, 16:05 Uhr

Alkoholverbot

Darf man am Praterstern noch Rumkugeln essen?




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Von Claudia Aigner

  • Kunstsinnig
  • Das neue Alkoholverbot am Praterstern in Wien verunsichert die Bevölkerung. Aber sollte es das Sicherheitsgefühl nicht eigentlich erhöhen?



Der Praterstern soll eben nicht zu einer "No-go-Area" verkommen. Weil lustig ist das bestimmt nicht, wenn man rund um den Bahnhof plötzlich nimmer gehen darf. (No: nein, go: gehen.) Wie kommt man dann nämlich von der U-Bahn oder der Bim zum Wurstelprater? Robben? Da ist mir das Alkoholverbot schon lieber. Als ein Gehverbot.

Wobei: Verboten wird der Alkohol ja sowieso nicht. Trinken darf man ihn bloß nicht. Der Besitz selbst ist nicht strafbar. Und dazu zählt natürlich der Alk, den man bereits im Blut hat, genauso. Niemand muss ins Röhrl blasen. Die Besucher der Wiener Wiesn werden ungestört vom Bierzelt herübertorkeln können. Wo liegt überhaupt das Problem? Wer sich unbedingt andudeln muss, der macht das halt in einem Schanigarten, denn in gastronomischen Betrieben darf man das ohnedies weiterhin. Gurte an den Sesseln wird’s aber keine geben. Eine Anschnallpflicht für Gäste, die ein alkoholisches Getränk bestellen und sich mit diesem nicht von ihrem Platz wegbewegen dürfen, ist ja seltsamerweise nicht geplant. Und wie weit darf man sich mit der Bierdose vom Würschtlstand entfernen? Eine Armlänge? Und muss eine Hand immer auf der Theke bleiben? Achtung: Alkoholfreies Bier bedeutet nicht "Bier ohne Alkohol". Sondern "Bier mit weniger Alkohol".

Eine gute Sache also. Mit einem Schlag gibt’s weniger Obdachlose. Juhu! (Oder falls die jetzt wegen des Verbots alle mit dem Trinken aufhören: weniger Alkoholiker.) Außerdem gehört der öffentliche Raum allen. Nicht nur den Obdachlosen. Auch denen, die Miete zahlen. Denkt vielleicht irgendwer auch einmal an die? Dass die sich ebenfalls zwischendurch hinsetzen wollen? Ja. Der künftige Bürgermeister. Der macht grad ein paar Bankerln für sie frei.

Ein Alkoholverbot - na und? Betrifft mich nicht. Ich würde mich doch nie in dieser Steinplattenwüste mit Bier niedersaufen. Eh nicht. Ich mag kein Bier. Noch dazu bin ich eine heimliche Säuferin. Sogar ich selber war völlig ahnungslos. Bis ich mir durchgelesen habe, was in meinem Deo drin ist. Wie bitte? Alkohol? Soll ich deshalb "längeres Sprühen vermeiden"? Weil ich sonst zu lallen anfange? Und mein Eau de Toilette (Wasser aus der Klomuschel?), das ist gar nicht aus Wasser. Das ist eingedüftelter Alkohol! Wenn ich am Praterstern also meinen Duft auffrische (pfft, pfft!), mich ein Polizist für diesen illegalen Alkoholkonsum 70 Euro blechen lässt (oder steht irgendwo, in welcher Form der Alk zu sich genommen werden muss oder wie hochprozentig er zu sein hat?), ich deswegen die Straßenbahn versäume und auf die nächste warten muss, mir beim Billa ein Frustpunschkrapferl kauf (Punsch, hallo?), was mich zu einer Wiederholungstäterin macht ("des mocht 700 Euro"), dann . . . trifft das Alkoholverbot genau dieselben wie das "Burka-Verbot": die Falschen. Nämlich die mit den Rumkugeln und nicht die, die rumkugeln. Weil ob und wie gestraft wird, liegt wieder im Ermessen der Polizisten. (Oje.)

Hätte man nicht einfach ein generelles Sitzverbot (außer in gastronomischen Betrieben) erlassen können? Und dazu ein Messerverbot (außer in gastronomischen Betrieben)? He, das Alkoholverbot erhöht ja wirklich mein Sicherheitsgefühl. Es sorgt immerhin dafür, dass ich in Zukunft einen großen Bogen um einen sehr gefährlichen Ort machen werde.





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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-04-26 15:57:31
Letzte Änderung am 2018-04-26 16:05:32


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