• vom 10.05.2018, 16:08 Uhr

Glossen


Kopftuchverbot

Ab wie vielen Kopftüchern ist der Feminismus endgültig tot?




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Von Claudia Aigner

  • Kunstsinnig
  • Jetzt werden die Kopftücher gezählt. In den Volksschulen. (Wäre das nicht ein Job für die Arbeitslosen? Würde die Lehrer und -innen entlasten.)



Die kleinen Mäderln sollen halt vor einem Kleidungsstück beschützt werden, das für den unreifen kindlichen Körper überhaupt noch nicht gedacht ist. (Nicht, dass es für den erwachsenen weiblichen Körper sehr viel besser geeignet wäre. In feministischer Hinsicht.) Es macht sie jedenfalls zu Sexobjekten. Was? Jetzt kommen die bereits mit Push-up-BH zum Unterricht? In der Volksschule? Keine Ahnung. Um dieses Fleckerl Stoff geht’s sowieso nicht. Sondern? Um das andere. Aha, um das schon wieder. Was ist an dem, bitte, sexy? Eh nix. Das Mäderl unterm Kopftuch ist die Gefahr für die Aufrechterhaltung der öffentlichen Moral in der Klasse. Sonst müsste es nicht seine Reize bedecken, oder? Damit es keine kleinen Buben verführt. (Verführt? Mit den Haaren? Zum Headbanging vielleicht?) Aber über all das müssen wir uns zum Glück keine Gedanken mehr machen. Der Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGÖ), Ibrahim Olgun, hat nämlich Zahlen, die beweisen, "dass das eigentlich kein Thema ist", das präpubertäre Kopftuch. In den islamisch-konfessionellen Volksschulen würden nicht einmal 15 Prozent eins aufsetzen. Und wenn es dort schon so wenig wären . . .

Weniger als 15. Also 14? Stimmt, das Problem ist viel zu klein. (Wieso? Ab wann ist es groß genug? Gibt’s dafür einen Grenzwert? Und ab wie vielen Kopftüchern können wir das mit der Gleichberechtigung endgültig vergessen?) 14, da rentiert sich eine Lösung ja gar nicht. Ein Gesetz, dank dem die Kindergarten- und Volksschulkinder den Kopf wieder freikriegen. Außerdem müssten alle anderen religiösen Kopfbedeckungen genauso verboten werden (Kippa, Dornenkrone, grünes Rapid-Kapperl . . .). Und ein Kreuz zu tragen? Das dürfte natürlich auch nimmer erlaubt sein. Davon bekommen die Gschrappen doch Haltungsschäden. Schließlich ist die Schultasche bereits urschwer. Ach so, ein Kreuz an einem Ketterl. Das darf wahrscheinlich bleiben. Ist noch dazu unisex. Sollte die Politik dennoch versuchen, das vernachlässigbare Kopftuchproblem zu lösen, weil sie es eben kann, werde man, wenn’s sein muss, sogar bis vor den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte ziehen. (Sexismus ist ein Menschenrecht?) Na ja, wie würde die katholische Kirche reagieren, wenn man ihr plötzlich eine Quotenregelung reindrücken würde, um den Frauenanteil in Führungspositionen signifikant zu erhöhen? Eher spricht der Papst den Luther heilig, bevor eine Kardinälin Heiliger Va-, nein: Heilige Mutter wird. Welche "Kardinälin"? Genau. (Eher wird ein Imam Papst.)


Was, wenn die Kopftuchmäderln nur die Vorhut sind? Und Österreich grad zu einem islamistischen "Gottesstaat" mutiert? Keine Angst. Das ginge sich rechnerisch gar nicht aus. Wegen dem eklatanten Frauenmangel. Wenn jeder Mann nämlich vier Frauen heiraten würde, obwohl die ja bloß 50 Prozent der Bevölkerung ausmachen (und nicht 80 Prozent, weil wenn es 80 Prozent wären, wären sie die Männer), dann würden 25 Prozent der Männchen die ganzen Weibchen kriegen. Tja, und 75 Prozent müssten Single bleiben. Äh, schon einmal was von Parship gehört? (Verdammt.) He, und wenn nun als Reaktion auf das Kopftuchverbot die 86 Prozent aus Solidarität mit den 14 sich ihrerseits "enthaaren" (textil)? Kann wenigstens keiner mehr behaupten, "dass das eigentlich kein Thema ist".




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Dokument erstellt am 2018-05-10 16:12:45


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