• vom 18.05.2018, 17:55 Uhr

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Update: 22.05.2018, 17:09 Uhr

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Von Severin Groebner

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  • Europaweit verstehen Land- und Stadtbevölkerung einander immer weniger. Ein Versuch zur Versachlichung der Debatte.

Severin Groebner ist Kabarettist und Autor, Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne" und sein aktuelles Programm heißt "Der Abendgang des Unterlands". Spieltermine und weiter Informationen unter www.severin-groebner.de

Severin Groebner ist Kabarettist und Autor, Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne" und sein aktuelles Programm heißt "Der Abendgang des Unterlands". Spieltermine und weiter Informationen unter www.severin-groebner.de Severin Groebner ist Kabarettist und Autor, Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne" und sein aktuelles Programm heißt "Der Abendgang des Unterlands". Spieltermine und weiter Informationen unter www.severin-groebner.de

Ob Wahlergebnisse oder Konsumverhalten, Autoverkehr oder die Dichte an veganen Supermärkten: Zwischen Stadt und Land tun sich gewaltige Gräben auf. Aber warum? Werfen wir einen Blick auf diese so unterschiedlichen Habitate.

Zunächst das Land. Aus gutem Grund, denn das Land ist immer schön, immer einfach, immer urig, immer authentisch, immer positiv. Man denke nur an Landwein, Landbrot, Landregen, Landesgericht oder Land unter. Und wie schön es doch ist. Nachts, wenn die Grillen zirpen und aus den Stuben und Wohnzimmern dieses beredte Schweigen jahrelanger harter, körperlicher Arbeit dringt. Wenn am Wochenende die Schweine vor der Schlachtung schreien (oder ist es das Kind, das eine fängt?) und der Bauer verbotene Pestizide auf dem Acker ausbringt. Auf dem Land lebt man einfach noch im Einklang mit der Natur.


Auch wenn sich die jungen Burschen treffen, um sich einen Schalk zu erlauben, einen Maibaum stehlen, eine Braut entführen, einen Ausländer niederstiefeln oder ein Asylantenheim anzünden, auch da ist auf dem Land immer eine echte Gaudi dabei. Es ist ein rechter Spaß.

Und auf dem Land weiß man auch zu feiern. Wenn beim Feuerwehrfest die Grillhendln mit Diesel durchgebraten werden, das gute, örtliche Bier vom niederländischen Biermulti geliefert wird und die kleine Kathi zum ersten (und sicher nicht letzten) Mal eine fremde Hand unterm Rock fühlt, auf dem Land hat man sich nicht so. Da ist das alles noch ganz normal und ganz natürlich.

Und dann diese Luft! Ja, riechst du das? Hier riecht es eben authentisch. Hier riecht es echt, frisch und naturverbunden. Und einmal im Jahr, wenn die Felder gedüngt werden, dann riecht es auch so natürlich wie ehrlich. Ja! Aber sonst ist es schön.

Die Stadt dagegen ist immer zu viel. Es leben einfach viel zu viele Menschen da. Denn die Stadt ist ein Konzentrat, eine Verdichtung, eine Komprimierung von Menschen. Zusammengepferchte Menschen also. Folglich: Menschen unter Druck. Aber was heißt Menschen! Die Stadt ist voller Wixer, Scheißkerle, respektloser Rüpel, rücksichtsloser Egomanen und vor allem: Arschlöcher! Arschlöcher stehen im Weg, Arschlöcher hupen, Arschlöcher fahren einem mit dem Kinderwagen in die Achillessehne, Arschlöcher liegen sogar schon im Kinderwagen, Arschlöcher stehen in der Schlange, Arschlöcher sitzen im Café, Arschlöcher liegen im Park, es gibt sogar Arschlöcher in der Stadt, die einfach grundlos existieren. Und sie schämen sich nicht einmal dafür.

Aber halt - bleiben wir fair. Es gibt natürlich auch andere Menschen in der Stadt. Halsabschneider, Betrüger, Miesmacher, Unholde, Schweinepriester, Dumpfbacken, Duckmäuser, Arschkriecher, Nichtsnutze, Faulpelze, Leistungsschweine, Karrieresäue, Dreckskerle, Gutmenschen, Bobos, Hipster, Schlechtmenschen und Busfahrer. Und dann gibt es noch: dich.

Denn du bist der einzige normale Mensch in dieser Stadt. Und wenn du es nicht mehr aushältst in der Stadt, dann fährst du aufs Land. Über ein langes Wochenende. Voller Gartenarbeit, Gelsenstiche und gegenseitiger Überwachung.

Und danach weiß jeder wieder, wo er hingehört.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-05-18 18:00:51
Letzte Änderung am 2018-05-22 17:09:55


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