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Update: 22.05.2018, 16:41 Uhr

Sedlaczek am Mittwoch

Bratpfannen und Klettverschlüsse




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Von Robert Sedlaczek

  • Sedlaczek am Mittwoch
  • Im politischen Diskurs werden oft Metaphern aus der Alltagssprache verwendet - diese sind anschaulich und einleuchtend.

Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache. Zuletzt ist "Österreichisch für Anfänger" im Verlag Amalthea erschienen, ein heiteres Lexikon, illustriert von Martin Czapka.

Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache. Zuletzt ist "Österreichisch für Anfänger" im Verlag Amalthea erschienen, ein heiteres Lexikon, illustriert von Martin Czapka.

Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache. Zuletzt ist "Österreichisch für Anfänger" im Verlag Amalthea erschienen, ein heiteres Lexikon, illustriert von Martin Czapka.


"Der Bundeskanzler schafft es, sich aus heiklen Fragen herauszuhalten - er ist ein Teflon-Kanzler, was seine anhaltend guten Umfragewerte beweisen." So und ähnlich wird in den Medien Sebastian Kurz beurteilt, zuletzt in der Zeitung "Österreich". Dass das Wort "Teflon-Kanzler" auftaucht, ist nicht verwunderlich. Gemeint ist: Jede Kritik prallt an ihm ab.

Gibt man den Ausdruck bei Google ein, bekommt man auch ältere Belege. "Werner Faymann ist auch so ein Teflon-Kanzler", meinte die Schriftstellerin Eva Menasse am 14. August 2013 in einem Interview mit diesem Blatt. Schon am 7. Juli 2008, als Faymann gerade zum designierten SPÖ-Vorsitzenden ernannt wurde, schrieb "Die Zeit", dass dieser "in den eigenen Reihen" für einen Teflon-Politiker gehalten wird.

Geht man weiter zurück, taucht der Name Wolfgang Schüssel auf. Peter Pelinka versah jenen Politiker, der die ÖVP aus der Position des ewigen Zweiten herausholte, mit diesem Attribut. Bleibt nur noch hinzuzufügen, dass zuvor auch Franz Vranitzky so bezeichnet worden war.

Teflon ist ein Markenname - und ein Zufallsprodukt. Der junge Chemiker Roy Plunkett, ein Angestellter der Chemiefirma DuPont, wollte vor knapp 80 Jahren einen besseren Kühlapparat erfinden.

Er setzte einen Kanister mit dem Gas Tetrafluorethylen unter Druck und fror ihn ein. Tags darauf wollte er weiterforschen, doch statt des Gases fand er ein weißliches Pulver vor: Polytetrafluorethylen, kurz PTFE. Zunächst ging es nicht um die Beschichtung von Bratpfannen. Als die Amerikaner die Atombombe entwickelten, verwendeten sie den neuen Werkstoff als schützende Hülle für Uran-Materialien. Denn PTFE erwies sich als nicht brennbar, äußerst beständig und hatte einen geringen Reibungskoeffizienten. Alles perlt ab. Der Chemiker Plunkett verstarb 1994, aber seine Erfindung ist heute noch in jeder Küche präsent. Und ein Teflon-Politiker ist einer, an dem Kritik abperlt.

Wobei der Ausdruck 1983 in den USA geprägt wurde. Die demokratische Abgeordnete Patricia Schroeder sagte im Repräsentantenhaus in einer Kritik an Ronald Reagan: "He has been perfecting the Teflon-coated presidency: He sees to it that nothing sticks to him." Später erklärte sie, wie sie darauf gekommen ist. Als sie Spiegeleier für ihre Kinder zubereitete . ..

Reagan war ein guter Kommunikator, aber die kleinen Leute bekamen seine verfehlte Wirtschaftspolitik deutlich zu spüren. Nicht nur deshalb hat "Teflon politician" in den USA einen negativen Beigeschmack. Das Internet-Lexikon "Urban Dictionary" sieht darin sogar einen Politiker, der agiert, wie wenn es für ihn keine Gesetze gäbe. Als Beispiele werden genannt: Richard Nixon, Bill Clinton, Hillary Clinton, Dick Cheney, Barack Obama - natürlich auch Donald Trump.

In Europa wird der Begriff anerkennend verwendet. Angela Merkel ist zuletzt als Teflon-Kanzlerin bezeichnet worden, weil sie in den TV-Konfrontationen ruhig blieb und sich nicht provozieren ließ. Und was ist das Gegenteil? Amerikanische Journalisten verwenden hin und wieder den Ausdruck "Velcro politician". Velcro ist ein Handelsname für Klettverschlüsse. An diesen Politikern bleibt alles haften.





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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-05-22 16:21:59
Letzte Änderung am 2018-05-22 16:41:05


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